Schlagwort: Erinnerung

Urlaubsimpressionen (Teil 1)

Da der Kindergarten- und Büroalltag bei uns schon wieder losgegangen ist, noch rasch ein paar Urlaubsimpressionen ehe sie im Trubel des Alltäglichen untergehen:

Kann sich noch jemand an die Zeit erinnern, in der alle anderen rundherum mindestens einen Kopf größer sind? Ich mich jetzt schon wieder, denn im Urlaub erlebten wir bei mehreren Autofahrten folgende Situation:

Wir fuhren durch eine wildromantische Landschaft. In den Kindersitzen auf der Rückbank die 4-jährige E und die 2-jährige Z. Da plötzlich taucht ein Wasserfall auf.

Eltern:“Da schaut! Ein Wasserfall!“
Die 4-jährige: „Boah, der ist ur-super!“
Die 2-jährige Z: „Wo??? Ich sehe ihn nicht!!!
Eltern: „Jetzt sind die Bäume vor. Aber da ist noch einer!“

Die 4-jährige: „Boah, noch ein Wasserfall!“
Die 2-jährige Z: „Wo? Wo??? Ich sehe ihn nicht!!!
Eltern: „Macht nichts, schaut da sind Ziegen!“
Die 4-jährige: „Boah, Ziegen! Meck meck!“
Die 2-jährige Z: „Wo? Wo??? Ich sehe die Ziegen nicht!!!

Eltern: „Noch ein Wasserfall!“
Die 4-jährige: „Boah, so viele Wasserfälle!“
Die 2-jährige Z: „Wo? Wo??? Ich sehe sie nicht!!!

Urlaub in den Bergen: Tolle Landschaft und ein frustriertes Kleinkind. Zum Glück konnten wir ein paar Wasserfälle, Ziegen und Berge fotografieren.

berg-ggwasserfall_spielplatzziege_liegend

 

Im Regen – ein Schreibspiel

Ein Schreibspiel von Barbara Pachl-Eberhart, auf welches ich über die tausendfältige Myriade (mit ihrem knackigen, aber treffenden Blognamen la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée) gestoßen bin.

10 Minuten, ohne hinzusehen, ohne zu korrigieren, ohne bewußtes Nachdenken einfach nur schreiben, „es prasseln lassen“ – über den Regen.

Ein spannendes Experiment, zu dem mir sofort ein Gedanke oder vielmehr eine Erinnerung kam

Zwischen den Regentropfen

Mein Vater ging immer zu Fuß. Zu Fuß oder per Bahn war er unterwegs. Mit dem Auto fuhr er nur ein paar Mal im Jahr, wenn wir einen Familienausflug irgendwohin machten, wo man öffentlich nicht oder nur schlecht hinkam. Und er ging spazieren. Er ging vormittags spazieren, wenn Wochenende war und er ging abends bis in die Nacht spazieren, wenn Wochentag war. Das tat er auch bei Regen und zwar ohne Schirm. Und das Eigenartige war, dass er dabei kaum nass wurde.

Er sagte uns immer, er würde einfach zwischen den Tropfen hindurch marschieren, ganz gemächlich. Mein Vater ging immer flotten Schrittes, aber er lief nie. Ich denke, ich habe meinen Vater niemals laufen gesehen (also das, was wir in Österreich unter rennen verstehen). Irgendwie schafft er es offenbar wirklich, im Regen dem Regen auszuweichen, denn er kam nur in den allerseltensten Fällen bei Regenwetter durchnässt zurück. Vielleicht kann man zu Fuß seine Wege tatsächlich so wählen, dass man immer ein wenig Unterschlupf findet – unter Bäumen und Dachvorsprüngen. Mir gelang dies radfahrenderweise eher nicht. Wenn es Sommerregen gab, dann garantiert, wenn ich auf dem Drahtesel unterwegs war.

Aber ein Sommerregen hat etwas wunderbar Reinigendes an sich – im wahrsten Sinne des Wortes. Und wenn man auf dem Heimweg in einen Schauer gerät, ist es zu Hause dann umso heimeliger. Raus aus den nassen Klamotten, rein in bequeme trockene Kleidung, ein Getränk nehmen und es sich auf der Couch gemütlich machen, um die Regentropfen zu beobachten wie sie gegen das Fenster klatschen, hinaus zu lauschen in das Prasseln des Regens.

Wie auch immer mein Vater es schaffte, nicht nass zu werden im Regen, mag einen oder einige banale Erklärungen haben. Mir gefällt es jedoch viel besser, es als eines der kleinen Wunder in Erinnerung zu behalten, die die eigenen Eltern so einzigartig machen.

Heute lese ich … über das wertvollste Gut

Ach, Kinderbücher. Vor 4 Jahren konnte ich mir noch nicht vorstellen, wie viel Zeit ich bald schon mit Kinderbüchern verbringen würde. Und wie sehr ich schöne Bilderbücher zu schätzen beginnen würde in dem Conni/Lausemaus/Blümchen-Universum, in dem ich derzeit lebe.

Tatsächlich schaffe ich es derzeit nur Kinderbücher zu lesen, Erwachsenenlektüre bleibt ziemlich auf der Strecke, weil ich abends – wenn Mal Zeit ist – darüber schreibe, dass ich Kinderbücher lese.

Wie auch immer. Manche Bücher lesen wir wieder und wieder und wieder und ich kann sie noch immer nicht auswendig (im Unterschied zu meiner Tochter), weil ich sie mit jedem Mal mehr hasse (die Bücher, nicht die Tochter!). Mein Gedächtnis funktioniert offenbar nur mit Dingen, die ich mag. Anderes wird einfach ausgeblendet. Trotzdem ist es bei jedem neuen Vorlesevorgang nicht so, als hätte ich den Text noch nie gehört. Als wäre alles neu. Nein, die Aversion ist bereits da, der Text jedoch noch immer nicht präsent.

Das folgende Buch aber hat mir wirklich sehr gut gefallen und ich kann es nur empfehlen:

hundmaus

Zum Glück gibt’s dich kleine Maus

von Tracey Corderoy und Rosalind Beardshaw, auf Deutsch erschienen im Carlsen Verlag.

Der kleine Hund hat seinen blauen Koffer, in dem er alles aufbewahrt, was ihm wichtig ist. Die eigene Schatzkiste sozusagen. So eine hatte ich auch einmal.

Es war ein kleiner oranger Handarbeitskoffer, in den ich alles legte, was mir besonders viel bedeutete: Kinokarten eines Star Trek Films, den ich nur mit noch zwei anderen Menschen im Kino an einem heißen Sommertag gesehen habe, ein Foto meiner ersten Liebe, Zeitungsausschnitte über Stars, die ich einst anbetete, Briefe, einen Spitzer in Form eines Computers, den ich auf einer Ausstellung über Technik oder so. Ich kann mich gar nicht erinnern wie die Ausstellung hieß, ich weiß nur noch, dass es da einen Computer gab, mit dem man sich mehr oder weniger gut unterhalten konnte. Man konnte Fragen stellen und er gab halbwegs intelligente Antworten! Ich war fasziniert und ging täglich nach der Schule in die Ausstellung. Das war zu einer Zeit als alle Welt Commodore 64 mit großen Floppydisks zum Spielen zu Hause hatte. Alle Welt außer mir. Ich hatte Atari ST mit kleinen Disketten, Maus und graphischem GUI. Uncooler ging es meiner Ansicht nach gar nicht. Ach ja, in dem Koffer lagen auch ein Bravo-Kalender (der einzige, den ich je besaß) und meine erste (kaputte) Marienkäferkindergeldbörse.

Wann immer ich den Koffer öffnete und den Inhalt Stück für Stück herausnahm, löste jedes einzelne Ding eine andere schöne Erinnerung in mir aus. Eine Reise zurück in eine scheinbar unbeschwerte Zeit. Mein Koffer, eine Fundgrube der Gefühle und idealisierten längst vergangenen Momente. Doch so immer-fröhlich-schön war die Zeit früher gar nicht, aber Freunde waren auf jeden Fall immens wichtig für mich. Noch viel wichtiger als heute.

Auch der Hund erfreut sich immer wieder an den Dingen, die er in seinem Koffer herumträgt. Ein Knopf, eine Feder, ein Stecken. Was braucht man mehr, um glücklich zu sein? So banal die Dinge sein mögen, sie gehören ihm und auch nur ihm bedeuten sie etwas. Das macht sie für ihn zu etwas Besonderem.

Der kleine Hund ist also zufrieden mit seinem Leben. Seine persönlichen Schätze bereichern seinen Alltag. Darüberhinaus ist der Koffer ein wunderbarer Schlafplatz.

Doch eines Morgens erwacht er nicht alleine auf seinem Koffer. Eine kleine Maus hat es sich neben ihm bequem gemacht. Der Hund ist empört, aber die kleine Maus überredet ihn, einmal in den Koffer schauen zu dürfen. Und dann spielen sie noch miteinander. So vergeht der Tag, gemeinsam, mit viel Spaß. Von da an meint der Hund plötzlich, dass ihm etwas fehlen würde. Auf der Suche nach dem Etwas, das ihn wieder die Zufriedenheit von früher zurückgeben soll, findet er „nur“ die Maus. Da erkennt er, dass sie es ist, die ihm gefehlt hat.

Maus und Hund werden Freunde und verbringen von da an, ihre Zeit miteinander. Und es stellt sich heraus, dass der Koffer eigentlich genau richtig für zwei ist. „Just right for two“ ist auch der Originaltitel des Buches, das Kindern sehr einfach, aber anschaulich erklärt, dass ein Leben mit Freunden (meist) erfüllter ist, als ein Leben ganz alleine nur mit materiellen Dingen.

Das Buch ist wohl für Kinder so ab 2 Jahren. Die Zeichnungen haben uns sehr gut gefallen und sowohl Hund als auch Maus sind sympathische Charaktere, was für Protagonisten von Kinderbüchern keine Selbstverständlichkeit ist, denke man nur an …und an …

Egal, ich mochte sowohl Hund als auch Maus und fand die Geschichte sehr überzeugend. Immerhin habe ich selbst meinen Koffer mit persönlichen Schätzen irgendwann ins Eck gestellt, weil er plötzlich nicht mehr so wichtig war.

Ich habe sogar schon vergessen, was alles darin liegt, aber wenn ich einmal hervorhole, dann erwachen in mir noch immer jene kleinen Episoden aus einer Zeit, in der ich selbst (fast) noch ein Kind war. Und ich genieße es, in Erinnerungen zu schwelgen.

Zum Glück gibt es solche Schatzkisten und zum Glück gibt es so schöne Bilderbücher wie dieses.


Wortgeflumselkritzelkram schreibt jede Woche über zumindest ein Buch, das sie gelesen hat („Heute lese ich …„) und ich mache (derzeit vor allem mit Kinderbüchern) mit.

Bei „Heute lese ich …“ beteiligen sich auch
Michaela von Buecherlogie
Regine von Regenbogen und Freudentränen

Veronika von vrojongliert
und Tarlucy