12 Monate (8) – Gipfel|treffen

Da klopft er also an die Tür, mein falscher letzter Sonntag im Monat September.

Letztes Wochenende war er, morgen fängt ja schon der Oktober an. Aber das muss ich euch nicht erzählen, das wisst ihr alle selbst. Nur ich wusste es nicht, letzte Woche, sonntags.

Ein Blick in den Kalender hätte genügt. Den Blick habe ich aber nicht gewagt. Stattdessen habe ich geputzt.

Mich fein heraus?

Nein (leider nicht). Dafür einen ganzen Tag lang etwas, das ich nun an eine jüngere Generation weitergeben werde. Abends glänzte alles. So gut wie. Was sich mit einem Tagwerk (ohne Kinder, ergo voll konzentriert) halt so bewerkstelligen lässt. Erinnerungen wurden abgestaubt, aufpoliert oder auch beiseite gelegt – zu den Dingen, die nun wirklich nur noch in verblassenden Gedanken aufbewahrt werden. Eine Zeit lang. Irgendwann werden sie völlig verschwinden, so wie ihre Hülle jetzt im Karton für den Restmüll.

Das anschließende Treffen war Wiedersehen, Neuanfang und Abschied zugleich. Wehmut und Aufregung.

Falsche Vorfreude.

Dieses Mitfiebern bei den großen Schritten im Leben der Menschen die uns nahestehen, ist auch ein Teil des eigenen Lebens. Aber es hat etwas Unvollendetes an sich.

Während meine große Schwester für ihre Reifeprüfung lernte, war ich wohl auch etwas angespannter und nervöser als sonst. Dann kam der große Tag und für sie war es danach geschafft. Wir freuten uns alle mit ihr, aber für mich fehlt eigentlich bis heute das Gipfelerlebnis. Und nun passierte es wieder (einmal). Da nimmt man sich einer alten Sache an, putzt sie schön heraus, repariert, was nicht mehr geht, und freut sich am Schluss, dass das Ding doch noch recht nützlich ist und hübsch aussieht. Endlich kann es wieder gebraucht werden, aber … ja, ABER man selbst ist es nicht, der sich daran erfreuen wird. Man selbst reicht es nur weiter und damit ist es weg. Etwas weiter zu geben ist auch eine schöne Erfahrung und doch ist es ein bisschen so, als würde man einen Berg erklimmen und in dem Moment, wo man nach all den Strapazen endlich die Aussicht genießen will, heißt es: „So, Danke, das war’s. Bitte zurückgehen, Sie kennen den Weg ja.

Was das alles mit unserem Kirschbaum im September zu tun hat? Eigentlich gar nichts. Aber es ist der Grund, warum ich tatsächlich auf ihn vergessen habe, letzten Sonntag, als es Zeit war für einen neuen Beitrag zu Zeilenendes Fotoprojekt „12 Monate“.

Jetzt also mit fast einer Woche Verspätung ein paar (Baum)Gipfelbilder aus dem Garten:

 

baumsept3
Wenn man sich nur auf eines fokussiert, den Weg (Stamm) ODER den Gipfel (Krone), wird man blind für das andere

Alle bisherigen Beiträge zu dem Projekt gibt es unter der Kategorie 12 Monate.

Und all die sehenswerten Fotos der anderen Teilnehmer findet ihr direkt bei Zeilenende verlinkt und hier:

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365tageimleben erlebt ihr kleines grünes Wunder

Agnes dokumentiert die Baustelle der Groth-Gruppe am Berliner Mauerpark

Amerdale zeigt das Wohnzimmer

Arno von Rosen zeigt die Eiche in Nachbars Garten

babelpapa baut einen Balkon

frauholle52 blickt auf ihre Terrasse

Frau Rebis begleitet ihren Baum

Gerda Kazakou nimmt uns mit in ihr Atelier

Impressions of Life blickt auf Balkon und Garten

Lovely Rita Flowermaid zeigt die Discotasche

Meermond zeigt ihre Füße her

Mitzi Irsaj erinnert sich an den Ort, an dem 24 Olivenkerne im Münchner Rosengarten ruhen

Multicolorina rastet an einer Feldweg-Bank

 

Random Randomsen hat einen geheimnisvollen Baum gewählt

rina.p macht einen Hofgang

Rubinkatze blickt über die Dächer Münchens

solera1847 nimmt uns mit auf die Gartenbaustelle

Susanne Haun zeigt ihr Atelier

trienchen2607 richtet ihre Wohnung neu ein

Ulli blickt in die Weite

Wili lässt uns auf und in ihren schmucken neuen Topf gucken

wortgeflumselkritzelkram ist im Vorgarten

 

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2 Gedanken zu “12 Monate (8) – Gipfel|treffen

  1. Eine großartige Fokus-Spielerei. Und die passt eigentlich auch zu dem Gedanken, den du geäußert hast. Konzentrierst du dich bei der Freude auf den Weg, das Ding wieder hervorzuholen und zu betrachten, zu reparieren und herauszuputzen, auf den Weg hoch zum Gipfel? Oder konzentrierst du dich nur auf das fertige Objekt, auf den Gipfel selbst und den vermeintlich wertvollen Blick, den du oben haben wirst? Der dich jederzeit enttäuschen kann, weil das Ding doch nicht mehr so viel Spaß machen wird … Oder weil so eine dicke Nebelsuppe herrscht, dass du eh nichts mehr siehst?
    Vielleicht macht es mehr Sinn, den Übergang zu fokussieren … und gleichzeitig in den Baum zu klettern, um von oben herab zu fotografieren. 🙂

    Gefällt 1 Person

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