Monat: März 2017

Ruhe nach dem Sturm?

Ursprünglich veröffentlicht auf MitmachBlog:
Druckkochtöpfe haben ein Überlaufventil. Ich auch. Ich besitze sowohl einen Druckkochtopf (wer nicht?) als auch ein integriertes Überlaufventil. Wenn sich die Gedanken im Kopf schon gegenseitig auf die Füße steigen, wird es höchste Zeit, sie heraus zu lassen, damit…

Morgensport (1) – BAVO!!!

Morgensport bringt den Geist in Schwung (und nur manchmal ermüdet er den Körper). Danach fühlt man sich gewöhnlich fit für den Tag (und ein Vormittagsschläfchen) und kann mit gutem Gewissen und erhöhtem Wohlbefinden ans Tagwerk gehen.

Joggen  ist ein Morgensport, dem viele nachgehen, oder vielmehr nachlaufen. Auch ich gehörte einst zu den Morgenjoggern, die im Park von Schönbrunn ihre Runden drehten.

schoenbrunn

Doch es gibt Dinge, die zwingen uns in die Knie. Zum Beispiel die Knie selbst. Mein Knie spielte nicht mit bei der ganzen Lauferei und daher verlegte ich mich auf Indoor Aktivitäten. Die spielt es mittlerweile auch nicht mehr, aus Gründen. Zeitgründen oder Planungsmißständen (Müdigkeit kickt Sport am Morgen aus dem Stundenplan) oder einfach schlafenden Kindern nebenan, deren Nachtruhe mir heilig ist.

Aber wozu Sport? Kinder halten auch jung. Wer sich Kinder hält, wird auf Trab gehalten. Statt Workout auf dem Rudergerät spiele ich meist nur noch den Steuermann, der die Mannschaft anzutreiben versucht.

Während E das Anziehen mittlerweile sehr gut beherrscht, nur nicht immer willens ist, weil sie nur eben noch ganz schnell eine Zeichnung für jedes Familienmitglied und auch jeden einzelnen der Osterhasenfamilie malen muss, ist die kleine Z meistens Feuer und Flamme, wenn es darum geht, sich umzuziehen. Sie mag das. Sofern sie es selbst tun darf. Ganz alleine. Ganz ohne Hilfe von Mama und Papa.

Das ist natürlich ganz wunderbar und löblich und wichtig für die Entwicklung, nur leider ein fast ganztägiges Projekt. Kaum zu glauben, in wie viele Richtungen man so eine Hose zum Beispiel drehen und wenden kann, bevor man den Bund gefunden hat. Und hat sie es dann also wirklich geschafft, in die Hose oder das Hemdchen so zu schlüpfen, dass in jedem Hosenbein nur ein Bein und in jedem Ärmelloch nur ein Arm stecken, bekommt sie natürlich ein stolzes, super erleichtertes „Bravo!“ von uns zu hören.

Und die Mama fragt sich insgeheim, wie sie dem Kind nun ganz schnell das Gewand auch richtig herum anziehen kann, ohne den Erfolg zunichte zu machen und die gute Laune zum Teufel zu schicken oder ob sie alternativ den Papa mit  Kind in den Kindergarten schicken kann, denn Männern würde es wohl nachgesehen, ein Kind soooo angezogen, abzuliefern. (Was bei Vätern süß wirkt, hat bei Müttern eher einen Rabenmuttertouch. Eigenartig, oder?)

Als ich mich neulich morgens gerade fertig machte, um ins Büro zu gehen, kam Z vorbei, blieb stehen und sah mir zu dabei zu, wie ich meine Hose anzog. Kaum hatte ich den Reißverschluss hochgezogen, rief sie begeistert „BAVO!“

Ja, statt Eigenlob für sportliche Leistungen, gibt es bei mir jetzt Jubelchöre, wenn ich es schaffe, mich selbst anzukleiden. Ist doch auch schön, oder? Immerhin stärkt auch Lachen den einen oder anderen Muskel und baut Kalorien ab.

Unser Harvey

In meinem Tagesablauf gibt es ein paar Fixpunkte: Aufstehen, frühstücken, Mittagessen einnehmen (oder etwas diesem Ähnliches im Büro), Abendessen mit der Familie,  Kinder schlafen legen und davor, dazwischen oder danach irgendwann Blogs lesen. Ein gewisses Sammelsurium von Zeilenende(n) gehört zum Beispiel dazu. Tatsächlich sind die Freitagsrezepte dort vermutlich die einzigen, die ich freiwillig lese. Zu Hause wird ja mehr auf gut Glück gekocht, wobei das Glück vor allem darin besteht, ob es dem Nachwuchs auch dann noch schmeckt, wenn es sich nicht um Nudeln, Knödeln oder Kartoffeln handelt.

Neulich schrieb das werte Zeilenende über imaginäre Freunde. Die Sache mit den Rollenspielen wird für mich wohl immer eine fremde Welt bleiben, nicht jedoch das Leben mit einem Charakter, den man zwar meist nur vor seinem inneren Auge sehen kann und niemals wird persönlich (und vor allem physisch in der Realität) treffen, der aber zum ständigen Begleiter im Alltag geworden ist, fast wie ein Familienmitglied.

Ich habe schon seit einiger Zeit überlegt, ob ich euch unseren – nennen wir ihn der Einfachheit halber – Harvey einmal vorstellen soll. Nun kam es zu einer schicksalhaften Wendung in unserem halbimaginierten Zusammenleben, die mich dazu veranlasste, diesen Artikel endlich zu schreiben.

Who de facto is Harvey?

Vor etwa zwei Jahren trat er in unser Leben, als Sohn meiner größeren Tochter (die bekanntlich mittlerweile schon 4 wird). Keine Sorge, es ging alles mit rechten Dingen zu. Er war ein Findelkind.

Sie entdeckte ihn in einem Buch. Seine Mutter heißt zufällig genauso wie sie und – voilá! – mein Mann und ich wurden imaginäre Großeltern.

Harvey hat in seinem jungen Alter aber schon so manches erlebt, wozu andere ein halbes bis ganzes Leben brauchen: Was auch immer wir tun, getan haben oder jemals tun werden, Harvey hat es bereits auch getan.

Er dürfte auf allen Kontinenten zu Hause sein, hat mit mir, meinem Mann und wohl auch schon unseren Eltern gemeinsam die Schulbank gedrückt und scheffelt offenbar Geld wie Heu. Denn alles, was man sich als 4-Jährige so wünschen kann, besitzt er schon oder kauft es sich einfach. Eigentlich ideal für uns Eltern: Wir müssen ihm weder Kleidung noch Spielsachen noch sonst etwas kaufen, weil er ja – genau! – alles schon besitzt, was käuflich in Kindermodengeschäften und Spielzeugläden zu erwerben ist.

Harvey ist also der Wunderwuzi, von dem alle träumen, insbesondere unsere E. Sie kann stundenlang Geschichten von ihm erzählen. Ich wurde sogar schon im Kindergarten auf meinen Paten/Stief(?)sohn angesprochen.

Ja, die Fantasie ist ein mächtiges Ding. Wobei sie so gar nicht dingmäßig ist, sondern völlig unangreifbar, erhaben über alle physischen Einschränkungen und losgelöst von jeglichen physikalischen Gesetzen, sowie den Konzepten von Zeit, Raum und Kausalität.

Die Wendung,

die unser Leben mit Harvey kürzlich nahm, sah folgendermaßen aus:

Bisher sprach unsere E sehr gerne und oft von ihrem Bruder/Freund/Sohn/was-auch-immer-Harvey. Mit der Zeit bekam er sogar eine (mal) große/(mal) kleine Schwester, die zufällig genau so heißt wie E’s kleine Schwester, unsere Z. Und siehe da, in dem Buch ließ sich auch ein Bild finden, auf dem er mit einem Mädchen spielt, das dann selbstverständlich nur seine Schwester Z sein kann.

Und jetzt kommt es:

Z zeigte mir neulich das Buch, deutete erst auf Harvey, sagte erfreut „Harvey“ und dann auf das Mädchen und rief entzückt: „Ich!“. Dem Bild des Mädchens gab sie gleich noch ein Bussi, denn sich selbst hat man ja gewöhnlich recht lieb. Doch damit nicht genug: Danach erzählte sie mir noch, dass sie mit Harvey telefoniert hätte, so wie es die große Schwester eben gerne macht, und demonstrierte es auch gleich an ihrem Kindertelefon.

„Harvey? Hallo! Ich zu Hause!“

Damit ist Harvey nun also wirklich zu einem vollwertigen Familienmitglied geworden – für die ganze Familie. Für E ist er ein ganz wichtiger Teil ihrer Fantasie, für uns Eltern derjenige, für den wir womöglich eines Tages doch noch Geschenke kaufen müssen, denn die Planung seiner Geburtstagsfeier scheint in vollem Gange und würde er nicht ständig seinen Wohnsitz wechseln, könnten wir ihn vielleicht sogar anläßlich seiner Party einmal  besuchen, und für Z ist er offenbar eine Selbstverständlichkeit!

wanderschaft
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, manchmal geht sie sogar auf Wanderschaft

 

 

12 Monate – (2) Verhext

kirsche-20170326d

Morgens früh um sechs

steht ’ne alte Hex mit der Spiegelreflex

in dem Garten vor dem Baum.

Ei, die Nachbarn alle schauen!

Blitzt mal hier, knipst mal da,

sowas man noch selten sah.

Kniet sich nieder, springt schnell auf.

Ei, wie ist denn die heut drauf?

Läuft erst hierhin und dann dort,

plötzlich ist sie wieder fort.

Und der Reim, der wär jetzt aus,

da kommt sie nochmals aus dem Haus.

Denn zwei Stunden später,

ist ja anderes Wetter. [*ähem*]

kirsche-20170326a

Foto von hinten, Foto von vorn,

sticht sich auch gleich an ’nem Dorn.

Blitzt mit dem Tele, ganz von nah,

sind denn keine Vögel da?

Die sitzen wohl alle munter

unter dem Hollunder. [*ähem*]

kirsche-20170326c

Ja, der Reim, der ist so schlecht,

dass man sich was Böses dächt‘.

Doch alles hat immer einen Zweck,

die Kamera legt sie jetzt weg.

Dann schreibt sie mehr oder minder behände

einen Beitrag für’s Projekt vom Zeilenende.

kirsche-abendlicht

Und aus.


Ein Jahr lang jedes Monat ein Objekt mit Bildern begleiten, das Projekt 12 Monate von Zeilende. Ich „begleite“ für Euch unseren Kirschbaum durch das Jahr, und – Juhu! – die ersten Knospen sind zu sehen. Vögel, Sterne, Flugzeuge und andere schmucke Accessoires haben sich aber geschickt meiner Linse entzogen, dafür ist mein Lieblingsplätzchen unter dem Kirschbaum auf einem Foto zu sehen 😉