Monat: Dezember 2015

Eine flog über das Plüschvogelnest

Als E etwa 2 Jahre alt war, hatte sie ein Lieblingsplüschtier. Den Stoffvogel nahm sie überall hin mit, er musste auf allen Familienfotos mitabgelichtet werden und war Vertrauter, Tröster und als ihr liebster Spielkamerad stets an ihrer Seite.

So waren es abwechselnd ich oder ihr Stoffvogel, die mit der Ausrüstung ihres Arztkoffers untersucht wurden. Die Ambitionen meiner kleinen Tochter als Ärztin erfreuten mein Herz. Bei jedem Instrument, das sie aus ihrem roten Plastikkoffer nahm sagte sie brav den Namen des Dings (Stethoskop, Hammer, Spritze, Pinzette) oder zumindest etwas, das ähnlich klang und imitierte das Herzgeräusch mit einem lauten „bumm, bumm, bumm“ während sie beliebige Körperteile abhorchte. Da es sich um ein einfaches, funktionsloses Spielzeug handelte, hatte ich ihr immer fleißig „bumm, bumm, bumm“ vorgesprochen, wenn ich das Stethoskop an ihren Brustkorb hielt.

Einmal beobachtete ich sie dabei als sie ihren Plüschgefährten einer gründlichen Visite unterzog. Zunächst horchte sie ihn ab, dann klopfte sie mit dem Reflexhämmerchen auf ihm herum.  Als nächstes wurde Temperatur gemessen und an den Federn mit der Plastikschere gewerkt.  Schließlich holte sie die Spritze aus dem Koffer. Und dann passierte es. (mehr …)

Der willhabensche Apfelschuss in der hohlen Gasse

Wanderer gehen über die Szene.

Auf dieser Bank von Stein will ich mich setzen,
Dem Wanderer zur kurzen Ruh bereitet –
Denn hier ist keine Heimat – Jeder treibt
Sich an dem andern rasch und fremd vorüber,
Und fraget nicht nach seinem Schmerz

Schiller, Friedrich: Willhelm Tell. 4. Aufzug, 3. Szene

 

Endlich schafften wir es wieder einmal zu einem kurzen Ausflug in einen nahegelegenen Wald. Es war Spätherbst: Bunte Blätter auf dem Waldweg, ein windstiller Nachmittag, tiefstehende Sonne, kaum Wolken. Unsere zweieinhalbjährige E war mitten in der Trotzphase und jede Kleinigkeit brachte sie aus dem Gleichgewicht. Es waren wirkliche Lappalien, die Anlaß für Weinkrämpfe und Schreianfälle sein konnten. Doch dieser Nachmittag schien fast ein bißchen etwas von der Familienidylle zu besitzen, die ich mir immer ausgemalt hatte, wenn ich an Muttersein und Familie-haben gedacht hatte. (mehr …)

Stillige Nacht, heilige Nacht

„Stillige Nacht, heilige Nacht. Alles schläft, meinsam wacht…“ so hallt es bei uns seit Wochen durch das Haus, wenn E ihr Weihnachtsmedley vorträgt. Seit dem ersten Adventsonntag singen wir wieder fleißig Weihnachtslieder, so wie wir es auch schon im Vorjahr praktizierten. Damals konnte E noch gar nicht mitsingen. Mittels Handzeichen und einzelner Wörter versuchte das musikbegeisterte Kind den manchmal etwas begriffsstutzigen Eltern klar zu machen, welches Lied noch gesungen werden sollte:

Zappelnde Finger bedeuteten entweder „Leise rieselt der Schnee“ oder „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, mit der Hand auf den Tisch klopfen stand für „Jingle Bells“, ihr Lieblingsweihnachtslied, das nie fehlen durfte und Namensfragmente wie „Baum“ waren fast schon selbst erklärend (natürlich „Oh Tannenbaum“). (mehr …)

Der Schuhtrick (oder Männerhumor)

Ein Kleinkind morgens pünktlich für den Kindergarten fertig zu machen (im Sinne von mit Frühstück versorgen, Zähne putzen, auf’s Clo schicken, kämmen, anziehen – also mehr anziehen als nur die Unterhose und eine Socke, wirklich alles anziehen, was notwendig ist, inklusive Jacke, Haube und Schuhen) kann an manchen Tagen eine wirkliche Herausforderung sein.

Wenn die Jüngere dann in der Nacht plötzlich ihren seligen Babyschlaf aufgibt und beschließt alle 2 Stunden die Mama zu wecken, und die Ältere es sehr lustig findet, morgens vor dem Wegfahren halbnackt durch die Wohnung zu laufen, weil nachlaufen und verstecken spielen nunmal mehr Spaß machen als sich einfach nur anzuziehen, dann müssen Tricks her, um es auch irgendwann in die Garderobe bis zu den Schuhen zu schaffen. (mehr …)

Nach dem Martinsfest

Das Martins/Laternenfest im Kindergarten meiner 2 1/2-jährigen erstgeborenen Tochter (E) war heuer erzieherisch besonders wertvoll. Nicht nur, dass wir Eltern gelernt haben, dass es Laternenlieder mit mehr als einer Strophe gibt (und wirklich liebliche Martinslieder). Nein, wir durften auch erleben, dass die gute Tat des lieben Martin erheblich erschwert wird, wenn der Bettler (dargestellt von einem 2-jährigen) vor dem Umhang, der ihm um die Schultern gelegt werden soll, Reißaus nimmt. (mehr …)