Das Martins/Laternenfest im Kindergarten meiner 2 1/2-jährigen erstgeborenen Tochter (E) war heuer erzieherisch besonders wertvoll. Nicht nur, dass wir Eltern gelernt haben, dass es Laternenlieder mit mehr als einer Strophe gibt (und wirklich liebliche Martinslieder). Nein, wir durften auch erleben, dass die gute Tat des lieben Martin erheblich erschwert wird, wenn der Bettler (dargestellt von einem 2-jährigen) vor dem Umhang, der ihm um die Schultern gelegt werden soll, Reißaus nimmt. Und darüberhinaus hat E die Kernaussage der Legende verinnerlicht und möchte das neuerworbene Wissen über christliche Nächstenliebe, insbesondere das Teilen, auch praktisch anwenden. Wir sind, wie es sich für förderwütige Helikoptereltern gehört, naturgemäß sehr stolz auf sie.

Neulich spielte also E mit ihrer kleinen Schwester Z. In dem naturgegebenen Große-kleine-Schwester-Verhältnis ist unsere 7 Monate alte Tochter den Einfällen ihrer großen Schwester meist hilflos ausgeliefert. Das Miteinanderspielen besteht also genau genommen vor allem darin, dass E  der kleinen Z alles wegnimmt, was letztere gerade durch mühevolles Vorwärtsrobben erreicht und freudestrahlend an sich gebracht hat.

So hatte Z eben E’s Hausschuhe entdeckt und war im Begriff sie genauer zu untersuchen. Just in diesem Moment erkannte E, dass sie ihre Hausschuhe ganz dringend selbst benötigen würde und nahm sie Z weg. Sie zog die Patschen an und spielte weiter. Kurze Zeit später wollte E ihre Springkünste vorführen. Dabei waren die Hausschuhe nun wiederum eher störend. Also zog sie sie wieder aus, warf einen auf den Boden und den anderen zu ihrer kleinen Schwester ins Gitterbett, gefolgt von den Worten „Ich teile!“ Pause. „Wie der heilige Martin!“.

Z hatte ihre Freude damit und begann sofort an den getragenen Schuhen herumzukauen.