Monat: November 2016

Meine Relativitätstheorie

Mein Name Sei MAMA

„Die Vorstellung einer absoluten Zeit musste angesichts der Zeitdilatation aufgegeben werden“

heißt es auf Wikipedia. dilatare – lateinisch verlängern, ausdehnen.

Zeitdilatation – das unterschreibe ich sofort. Die Zeit dehnt sich gerne beliebig in alle möglichen Richtungen, ist oft gespannt wie eine Feder, nur um sich irgendwann unvermittelt wieder zusammenzuziehen. In diesen unterschiedlichen Zuständen fällt sie mir gelegentlich direkt vor die Füße oder auch auf den Kopf.

Jeden Tag kann man die Relativität der Begriffe „kurz“ bzw. „schnell“ und „lang(sam)“ erleben. Relativität ist die einzig plausible Antwort auf Fragen wie diese:

  • W-A-R-U-M passiert es, dass dieselben Leute, die sich vor mir noch schnell in die U-Bahn drängen und mir den letzten freien Sitzplatz vor der Nase wegschnappen, dann beim Aussteigen nach dem ersten Schritt hinaus auf den Bahnsteig genau vor meiner Nase stehen bleiben, weil sie es plötzlich gar nicht mehr eilig haben? Da stehen sie dann herum als…

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Meine Relativitätstheorie

„Die Vorstellung einer absoluten Zeit musste angesichts der Zeitdilatation aufgegeben werden“

heißt es auf Wikipedia. dilatare – lateinisch verlängern, ausdehnen.

Zeitdilatation – das unterschreibe ich sofort. Die Zeit dehnt sich gerne beliebig in alle möglichen Richtungen, ist oft gespannt wie eine Feder, nur um sich irgendwann unvermittelt wieder zusammenzuziehen. In diesen unterschiedlichen Zuständen fällt sie mir gelegentlich direkt vor die Füße oder auch auf den Kopf.

Jeden Tag kann man die Relativität der Begriffe „kurz“ bzw. „schnell“ und „lang(sam)“ erleben. Relativität ist die einzig plausible Antwort auf Fragen wie diese:

  • W-A-R-U-M passiert es, dass dieselben Leute, die sich vor mir noch schnell in die U-Bahn drängen und mir den letzten freien Sitzplatz vor der Nase wegschnappen, dann beim Aussteigen nach dem ersten Schritt hinaus auf den Bahnsteig genau vor meiner Nase stehen bleiben, weil sie es plötzlich gar nicht mehr eilig haben? Da stehen sie dann herum als hätten sie alle Zeit der Welt – eine Redewendung, die ich übrigens sehr schön finde, auch wenn sie falscher nicht sein könnte. Denn eigentlich HAT niemand Zeit, ganz besonders nicht DIE Zeit. Zeit kann man erleben, nützen, verstreichen lassen, nur besitzen kann man sie nicht.
  • W-A-R-U-M wird aus 1 Minute Verspätung beim Eintreffen am Bahnhof ein Zeitverlust von ½ Stunde auf dem Weg in die Arbeit?
  • W-A-R-U-M können die Kinder morgens aufspringen und in 1 Sekunde von 0 auf 100 schalten, während sie abends oft bis zu 1 Stunde brauchen, um ihre Triebwerke von 100 wieder auf 0 herunter zu fahren und endlich einzuschlafen?
  • W-A-R-U-M vergehen die 50 Minuten Klavierstunde so grausam langsam, wenn man zu wenig geübt hat, aber die 6 Tage bis zur nächsten Stunde verfliegen wie nichts (und folglich ist man wieder nicht zum Üben gekommen)?
  • W-A-R-U-M ist der Server genau in jenem Moment nicht erreichbar oder die App irgendwie mit sich selbst beschäftigt und reaktionsresistent, wenn man nur ganz schnell noch eine Kleinigkeit ändern möchte, an einem Text, den man gerade noch völlig problemlos ratzfatz online stellen konnte?
  • W-A-R-U-M kann in 1 Sekunde das Werk von ein paar Stunden vernichtet werden, wenn der Computer plötzlich glaubt, er hätte statt einer Festplatte wohl nur eine Matschbirne und sie nicht mehr erkennt! Hallo?! Die Festplatte hat sich weder versteckt, noch verkleidet, noch war sie beim Friseur und sieht jetzt aus wie ein nasser Waschbär! Was gibt es da nicht mehr zu (er)kennen?!

Meine Theorie zur Relativität lautet, dass es sich um einen Komplott der Zeit gegen mich handeln muss. Jawohl, mich persönlich. Die Autoren des allgegenwärtigen Welttheaters meinen wohl, dass es ohne so manche unerwartete Fügung im Zeitgefüge, ohne überstrapazierte Stretchingübungen der vierten Dimension nur ausgeglichene, eine stets nur gut gelaunte und deshalb super langweilige Protagonistin in dem Stück namens Leben geben würde. Also, muss etwas Hektik und Unregelmäßigkeit in den Alltag gebracht werden.

Oder habe ich da eine verzerrte Ansicht, relativ gesehen?

 

 

Friede, Freude und bloß kein Eierkuchen

Meine Tochter hat sich einen Magen-Darmvirus eingefangen. So weit, so unappetitlich und vor allem so lästig, weil es nicht nur alle meine Speisepläne durcheinander gebracht hat (natürlich erst nachdem ich die entsprechenden Einkäufe erledigt hatte), sondern auch dazu führte, dass das arme Kind seit Tagen nur (langweilige) Schonkost essen darf – und wir mit ihr. Denn einer 3-Jährigen zu erklären, warum sie als einzige nicht X und Y zu essen bekommt ist mit einem deutlich größeren Energieaufwand verbunden, als die ganze Familie auf Diät zu setzen. Außerdem wird es erfahrungsgemäß sowieso einen nach dem anderen erwischen – da ist das Leiden abgeschwächt, wenn man den Organismus nicht zu stark belastet. Statt win-win also lose-lose für alle, irgendwie.

Mein neuer Teilzeit-Mama-Teilzeit-Arbeitskraft-Alltag kommt auf diese Weise auch gleich zu Beginn gehörig ins Stottern, aber es wäre ohnedies völlig realitätsfern zu glauben, dass mit Kindern noch ein 5-Jahres-Pla… ach Quatsch … 5-Tages-Plan wirklich umsetzbar wäre.

Es kam also (wieder einmal) alles anders als gedacht, aber es war … wunderbar! Ich blieb bei der kranken Tochter zu Hause, die zum Glück weder Fieber noch sonst grobe Beschwerden hatte (solange sie nicht das Falsche aß). Und zwar nur mit einer Tochter und das war fast wie Urlaub. O.K., spätestens seit der Geburt der kleinen Z habe ich meine Ansprüche und Erwartungen an persönliche Freizeitgestaltungen offensichtlich noch um ein paar (Keller)Stockwerke runter geschraubt, aber so einen ganzen Tag nur mit der „Großen“ hatte ich schon lange nicht mehr. Es gab kein Zanken um Spielzeug, kein Schubsen, kein Petzen, keine Eifersucht, kein zu wildes Spielen, kein Buhlen um Mama oder Papa. Ach, war das friedlich. Bücher lesen, basteln, singen, Essen kochen, malen. Alles schön harmonisch, in Ruhe.

Es gibt ihn also doch noch den vorweihnachtlichen Frieden.

Und wie haben wir uns gefreut als wir endlich die kleine Schwester aus dem Kindergarten abholen konnten!

Zehn Sekunden später ging zwar das Zanken, Petzen, Schubsen und Buhlen wieder los, aber trotz Diätkost war es nahezu ein idyllischer Familientag. Und aus eigener Erfahrung mit einer Schwester weiß ich ja, dass die Sticheleien, Neckerein und das Streiten irgendwann aufhören: Wir streiten uns nur noch, wenn wir uns persönlich treffen, dazwischen (am Telefon) herrscht meist traute Eintracht  😉

 

 

Unterwegs ohne Klingeling

Es ist zwar noch etwas hin bis Silvester, aber Mitte der Woche wird es Zeit für eine kurze Geschichte, einfach so, ganz ohne Klingeling

MitmachBlog

Unterwegs – Szene 1

Bewegung hatte ihm der Arzt verordnet. Aber was wussten schon Ärzte. Die hatten doch keine Ahnung davon, was ihm gut tat. Besonders die jungen, die kannten nur ihre Lehrbücher und glaubten, sie wären wer, weil sie sich „Herr Doktor“ nennen durften.

Jeder Schritt war beschwerlich. Stock nach vorne, linkes Bein, rechtes Bein dazu. Stock nach vorne, linkes Bein, rechtes Bein dazu. Mühsam kämpfte er sich vorwärts. Er schwitzte. Es war viel zu warm für die Jahreszeit. Ein Silvestertag mit 15 Grad. Die Welt war vollkommen verrückt geworden. Sie war viel zu schnell, sie war zu laut und heute war sie auch noch zu warm. Und Respekt voreinander, den gab es auch nicht mehr.

Er hatte schlechte Laune, schon seit heute Morgen, seit er aufgestanden war und jeden Knochen in seinem Körper schmerzhaft zu spüren vermeinte. Mit jedem weiteren Meter, den er sich auf dem Uferweg im…

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So geht das!

Wenn man nicht einmal einen Meter groß ist und erst 1.5 Jahre Erfahrungen auf dieser Welt sammeln konnte, dann sieht man viele Dinge noch ganz anders als erwachsene Menschen. Und vor allem muss man noch vieles ausprobieren, um es zu begreifen. Die Rede ist hier natürlich nicht von E.T., Alf & Co, sondern von kleinen Kindern. (Die Außerirdischen sind ja sowieso schon viel länger auf der Erde, wenn wir Däniken vertrauen dürfen, und laut David Icke auch deutlich größer als nur bescheidene 80 cm – aber psst, das ist The Biggest Secret!)

Begreifen, angreifen, fühlen, festhalten, drücken, zerbröseln, in den Mund stecken ist die früheste Art, wie Kinder lernen. In diesem Alter verstehen sie schon vieles und wollen das auch zeigen. Wo die Sprache noch fehlt, werden statt Worten Taten gesetzt. Manchmal, wenn die kleine Z mit den Fingern im Essen herummantscht, bin ich geneigt, das für schlechtes Benehmen zu halten. Zugleich weiß ich sofort, wie sich das gerade anfühlt – Nudeln in der Suppe, Kartoffelbrei, der zwischen den Fingern herausquillt. Woher ich mein Wissen habe? Ich vermute, dass ich all diese „Unarten“ auch als Kleinkind ausgelebt habe. Danach kann man den Rest des Lebens getrost bei Tisch sitzen, ohne das Verlangen nach tatsächlichen haptischen Experimenten.

Z ist derzeit also eifrig dabei, ihren Mangel an Worten durch Gesten, Deuten, Herumlaufen und Zeigen, auch einmal durch direktes Zerren und Ziehen (an Mamas Hose, um sie zum Mitkommen zu bewegen) auszugleichen. Diese Monate, bevor das Reden bei ihr so richtig los geht, möchte ich wirklich genießen. So sehr ich mich auf ihre ersten Zweiwortsätze freue, so süß finde ich doch die gegenwärtige Phase:

Beim Wort Schuhe muss Z sofort ihre Füße schnappen und zeigen, dass sie weiß, wofür Schuhe gut sind. Auf das Wort Hut folgt ein begeistertes auf-den-Kopf-Klopfen bzw. das Holen der Mütze aus dem Vorzimmer. Wenn wir Fotos anschauen, springt Z auf und zeigt oder bringt die abgebildeten Dinge.

Neulich in der Garage wollte sie unbedingt wissen, wie sich so ein Autoreifen eigentlich anfühlt. Immerhin ist er groß, schwarz und in der Mitte metallisch glänzend. Als ich Z dann aufhob, um sie in ihren Kindersitz zu setzen, bemerkte ich, dass ihre Hände ganz schwarz waren. An dieser Stelle muss ich wohl zugeben, dass die Felgen womöglich gar nicht wirklich glänzend glänzten, aber immerhin sind sie aus Metall. Und verschiedene Materialien haben auch im nicht sauberen Zustand eine hohe Anziehungskraft auf Kinder.

Ich –  im hübschen Kostüm für die Arbeit – stellte Z wieder auf den Boden und fragte sie leicht genervt (da wir selbstverständlich eh schon spät dran waren): „Was hast du denn angegriffen? Deine Hände sind ja ganz schmutzig!“ Dann kramte ich ein Taschentuch heraus und wischte ihr schnell die Hände ab. Und was tat das gute Kind?

Erfahrene Eltern erkennen bereits den grundlegenden erzieherischen Fehler, den M. Mama in dieser Situation begangen hat.

Z fühlte sich durch mein Nachfragen dazu aufgefordert nochmals zum Hinterrad zu laufen und es mit beiden Händen anzugreifen. Die pantomimische Version von „So geht das!

Na ja, die Mama hatte ja extra danach gefragt …