Monat: Mai 2016

Aufgewärmtes: Horror im Hause Mama

Wie es sich für Serienjubiläen gehört gibt es auch auf meinem Blog rund um den 100. Beitrag „alte Folgen“ zu schauen/lesen:

Anmerkung vorab: Meine Tochter schwankt derzeit (mit 3 Jahren) zwischen Berufswunsch Ärztin (speziell Augenärztin), Friseurin und Osterhase.


Eine flog über das Plüschvogelnest

Als E etwa 2 Jahre alt war, hatte sie ein Lieblingsplüschtier. Den Stoffvogel nahm sie überall hin mit, er musste auf allen Familienfotos mitabgelichtet werden und war Vertrauter, Tröster und als ihr liebster Spielkamerad stets an ihrer Seite.

So waren es abwechselnd ich oder ihr Stoffvogel, die mit der Ausrüstung ihres Arztkoffers untersucht wurden. Die Ambitionen meiner kleinen Tochter als Ärztin erfreuten mein Herz. Bei jedem Instrument, das sie aus ihrem roten Plastikkoffer nahm, sagte sie brav den Namen des Dings (Stethoskop, Hammer, Spritze, Pinzette) oder zumindest etwas, das ähnlich klang und imitierte das Herzgeräusch mit einem lauten „bumm, bumm, bumm“ während sie beliebige Körperteile abhorchte. Da es sich um ein einfaches, funktionsloses Spielzeug handelte, hatte ich ihr immer fleißig „bumm, bumm, bumm“ vorgesprochen, wenn ich das Stethoskop an ihren Brustkorb hielt.

Einmal beobachtete ich sie dabei als sie ihren Plüschgefährten einer gründlichen Visite unterzog. Zunächst horchte sie ihn ab, dann klopfte sie mit dem Reflexhämmerchen auf ihm herum.  Als nächstes wurde Temperatur gemessen und an den Federn mit der Plastikschere gewerkt.  Schließlich holte sie die Spritze aus dem Koffer. Und dann passierte es.

Ich selbst hatte in den letzten Jahren ja fast schon ein medizinisches Kurzstudium auf Basis von über 200 Folgen Grey’s Anatomy (plus einigen Wiederholungen!) absolviert und war daher bereits mit den unaussprechlichsten Grauslichkeiten, die Chirurgie so zu bieten hat auf TV-Serien-Niveau gut vertraut. (Ich kann ja eigentlich kein Blut sehen und schon gar keine Operationen, aber was nimmt man nicht alles in Kauf für einen halbwegs spannenden Plot während des täglichen workouts auf dem Crosstrainer vor dem Fernseher). Doch was nun folgte, ging mir durch Mark und Bein.

Meine kleine freundliche E mit den rehbraunen Bambiaugen und dem gewinnenden Lächeln verabreichte der gelben Disneyfigur gezählte 7 Spritzen in seinen überdimensionalen Kopf (auch die Augen wurden nicht ausgelassen! – mich überkam ein Würgereiz). Anschließend holte sie aus ihrer kleinen Werkzeugkiste die Fuchsschwanzsäge aus Plastik hervor und „sägte“ dem Stofftier mit den Worten „ritsche ratsche“ seelenruhig den Kopf entzwei. Danach wurden die Flügel und die Füße abgeschnitten! Nach getaner Arbeit nahm sie die Pinzette und klebte ein unsichtbares Pflaster drauf.

Ich war schockiert.

Die Szene hatte etwas von der brutalen Traurigkeit aus „Einer flog über das Kuckucksnest“ an sich, und rein gar nichts von der lustigen Leichtigkeit der „brain transplant“-Episode aus Friends (The One With Joey’s New Brain). Natürlich war der Stoffvogel unversehrt geblieben, aber im Spiel hatte sie gerade eben skrupellos und ohne mit der Wimper zu zucken, hochkonzentriert und mit ruhiger Hand einen neurochirurgischen Eingriff vorgenommen UND gleich auch noch ein paar orthopädische Amputationsmaßnahmen gesetzt.

Mir wurde schlagartig klar, dass meine kleine E später wohl kaum einmal als Friede/Freude/Eierkuchen-Homöopathin zur Globulisierung der Welt beitragen würde. Die kleinen Kugerln, das war nur Kinderkram. Nein, Chirurgie, schön blutig mit Säge, das machte Spaß!

Zum Hundersten …

Da ich vor kurzem meinen 100. Beitrag auf wordpress feiern durfte, aber das Jubiläum eigentlich verschlafen und dann auch noch vergeigt habe (dazu bald mehr), heute ein zur runden Zahl passendes Gedicht aus meiner „frühen Blogger-Schaffensperiode“:


 Einhundert Worte – Die Weggabelung

Ich fühle mich getrieben, was auch immer ich mache,

bin völlig erschöpft, selbst dann, wenn ich lache.

Inmitten der Menschen, bleibe ich ganz allein.

Ich frage mich selbst: „Wer will ich denn sein?“

 

Weshalb geh‘ ich nicht fort, warum bin ich noch hier?

Doch bin ich erst weg, was bliebe übrig von mir?

Alte Fotos, meine Kleider – ich lasse alles zurück,

Vorhang auf für das Finale, des Lebens letztes Stück.

 

Entsteht eine Lücke? Wir belügen uns gerne.

Ersetzbar sind alle, ich bin längst in der Ferne.

Langsam, ganz langsam, die Erinnerung verblaßt,

die Gewissheit tröstet, ich habe nichts mehr verpasst.

 


Ursprünglich als Einhundert Worte – Die Weggabelung  am 2. Jänner 2016 veröffentlicht.

Auf Speed #2

Meine 3-jährige Tochter E wird normalerweise von ihrem Papa mit dem Auto in den Kindergarten gebracht.

Mein Mann hält sich so wie geschätzte 97% aller männlichen Autofahrer natürlich für überdurchschnittlich geschickt im Straßenverkehr und selbstverständlich stets zu 150% im Recht, während ich eher dem vorsichtigen, nachgiebigen Autolenker-Typus zuzuordnen bin.

Meine Tochter kommt in vielerlei Hinsicht nach meinem Mann.

Neulich auf der Autobahn

  • Mama ich kann den Auspuff von dem Auto vor uns nicht sehen. Fahr bitte näher heran!¹

 

  • Mama, warum fahren wir so langsam? – Ich: Wir sind in einer Kolonne. Ein Auto ganz vorne fährt so langsam.‘ – E: Dann müssen WIR ganz vorne fahren.

 

  • In einiger Entfernung fahren ein paar Autos in angemessener Geschwindigkeit vor uns. E: Mama, da sind Schleicher² vor uns! Die müssen wir überholen!

 

  • Mama, ich bin heute Dreirad gefahren im Kindergarten. Die [Erzieherin] X hat eine Ampel aufgestellt. Ich bin bei rot gefahren

 

  • Wir fahren mit 100 km/h auf der Autobahn, weil vor uns immer wieder LKW noch langsamer fahrende andere LKW überholen und die Kolonne bremsen. E: Mama, warum fahren wir soooo langsam? – Ich: Wir fahren ja gar nicht so langsam…“ – E: Aber das Auto fährt langsam. – Ich: Schau, jetzt können wir wieder schneller fahren. – E: Gib endlich Gas! [lacht schelmisch]

 


¹ Ihr Interesse für den/die Auspuffe anderer Autos rührt daher, dass sie gelernt hat, dass es auch E-Autos ganz ohne Auspuff gibt

² Schleicher = Langsamfahrer; Es ist mir völlig rätselhaft wo meine Tochter diesen Ausdruck her hat. Nur weil ich mich ab und zu über diese super langsamen Ich-kenn-den-4.Gang-nur-vom-Hörensagen-Typen vor mir ärgere? Nein, daran kann es sicher nicht liegen…

³ So etwas macht mein Mann aber natürlich nicht

Ein unkündbares Abo – auf Lebenszeit

Abos können Freude bereiten oder auch zur Last fallen. Es gibt Abos, die sind offenbar unkündbar. Jeder Versuch es zu stornieren scheitert kläglich: Fristversäumnis, Kündigungsschreiben kommen retour, da der Adressat unbekannt, immer wieder automatische Verlängerung bis ans Lebensende.

Oder ist das nur ein Albtraum?


Kurz vor dem Abendessen läutete es an der Tür. Die Mutter öffnete, aber es war niemand zu sehen. Nur ein Paket stand auf dem Boden.

Derjenige, der es hier abgestellt hatte, hatte Spuren hinterlassen, denn die Abkürzung zum Haus führt über die Wiese an der Sandkiste vorbei. Seltsame, ungleiche Abdrücke waren es. Nur ein Fuß war deutlich zu erkennen, der zweite erschien als formloser Fleck, als Klumpen aus nassem Sand.

Die Frau machte ein paar Schritte vor die Türe in den Garten hinaus und schaute sich um. Hier war alles ruhig. Von drinnen hörte man fröhliche Kinderstimmen. (mehr …)

Auf Speed #1

Neulich beim Radausflug

Die Kinder sitzen bequem im Fahrradanhänger. Vorne: Mama auf dem e-bike (man gönnt sich ja sonst nichts)

Wir fahren bergab. Es tönt aus dem Anhänger:

Juhuuuu! Wir sind so schnell wie ein Auto!

Wir fahren leicht bergauf, naturgemäß etwas langsamer: Es tönt aus dem Anhänger:

Schneller, Mama! Schneller!

Es geht zügig eben dahin, ich lasse das Rad einfach laufen. Es tönt aus dem Anhänger:

Nicht rollen lassen, Mama! Du musst TRETEN!