„Stillige Nacht, heilige Nacht. Alles schläft, meinsam wacht…“ so hallt es bei uns seit Wochen durch das Haus, wenn E ihr Weihnachtsmedley vorträgt. Seit dem ersten Adventsonntag singen wir wieder fleißig Weihnachtslieder, so wie wir es auch schon im Vorjahr praktizierten. Damals konnte E noch gar nicht mitsingen. Mittels Handzeichen und einzelner Wörter versuchte das musikbegeisterte Kind den manchmal etwas begriffsstutzigen Eltern klar zu machen, welches Lied noch gesungen werden sollte:

Zappelnde Finger bedeuteten entweder „Leise rieselt der Schnee“ oder „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, mit der Hand auf den Tisch klopfen stand für „Jingle Bells“, ihr Lieblingsweihnachtslied, das nie fehlen durfte und Namensfragmente wie „Baum“ waren fast schon selbst erklärend (natürlich „Oh Tannenbaum“).

Heuer singt unsere Große also schon begeistert selbst mit bei unseren kleinen Adventfeiern sonntags und manchmal auch unter der Woche. Schließlich ist Weihnachten ja nur einmal im Jahr und mit nur 4 Adventsonntagen bei so vielen Weihnachtsliedern, die das Kind gerne wieder und wieder singen möchte, kämen wir mit nur 4 Adventfeiern gar nicht aus. Die Kerzen am selbst geschmückten Adventkranz – es war Ende November so warm, dass es noch gar keine fertigen in der Gärtnerei zu kaufen gab, also hieß es selbst werken – sind auch etwas Besonderes für beide Töchter. Echten Kerzenschein, den gibt es ja sonst nur auf der Geburtstagstorte. Und unsere Kleine findet derzeit sowieso jedes Licht faszinierend.

Wer selbst kein Weihnachtslieder/kekse/stimmungsfan ist, kann in der Adventzeit doch vielleicht zumindest die Tradition (das Christkind, den Weihnachtsmann bzw. einfach nur die Geschenke unter dem Baum) als wunderbares Druckmittel einsetzen, um statt eines trotzigen „Nein!“s auch einmal ein rares „Ja! Ich bin ein braves Kind!“ vom eigenen Nachwuchs zu erhalten.  An dieser Stelle muss ich unbedingt auf Magic in December (fowllanguage) verweisen und zugeben, dass ich im Zuge des Erziehungs“experiments“ mit meinen Töchtern nach und nach alle Prinzipien und guten Vorsätze über Bord zu werfen scheine. Aus den Büchern über Kindererziehung, die ich während der Schwangerschaft von E gelesen hatte, entwickelte ich meinen Vorsatz, das Lob „brav“ gar nicht erst einzuführen. Ein glückliches, kreatives, sich selbst verwirklichendes Kind sei das anzustrebende Ziel und höchste Gut der förderwütigen Eltern. Na ja, also zumindest jetzt in der Vorweihnachtszeit setze ich mittlererweile auch schon einmal auf „Das Christkind kommt aber nur zu den braven Kindern“. Der Erfolg so weit ist jedoch auch nur mäßig, weil die Vorsätze bei einer 2-jährigen noch kürzer halten als all jene, die ich mir jemals zu Silvester gelobte.

E hält heuer sogar schon ihr eigenes Liederbuch in der Hand, wenn wir gemeinsam singen, und erkennt an den verschiedenen Bildern auf den jeweiligen Seiten  ganz genau, welches Lied sie gerade aufgeschlagen hat. Da wird es den Eltern wirklich „warm in den Herzen“, wenn sie sehen und hören, wie sich der Nachwuchs bemüht die Texte korrekt mitzusingen und die vielen Os (kOmmet, hOch, erkOren, verlOren, gebOren etc.) mit einem ganz runden Mund stolz geformt werden, während die 8 Monate alte Z fröhlich mitklatscht.

Im Vorjahr noch war unsere Erstgeborene als 1.5-jährige bei einer unserer kleinen Adventfeiern, nachdem mein Mann und ich zwei Lieder gesungen hatten und gerade das dritte anstimmen wollten, plötzlich aufgestanden und schnurstracks zur Stereoanlage maschiert, um wortlos die Play-Taste zu drücken und einen professionellen  Sängerknabenchor den Tannenbaum noch einmal, vielleicht ein bißchen Tonart-sicherer, preisen zu lassen.

Heuer hat E unsere Sangeskünste bislang nicht angezweifelt. Ich spiele ihr vorsichtshalber auch die Sängerknaben-Weihnachts-CD nicht mehr vor. Nur einmal unterbrach sie meinen Mann mit den Worten, „Papa weg, Mama her!“. Das war, als ich seine Darbietung von „Vom Himmel hoch“ aus dem Hintergrund (natürlich der Küche) kritisierte, behauptend die Melodie, die er sänge wäre einfach falsch. So etwas ergibt sich halt, wenn man Liederbücher kauft und dann nicht alle Lieder darin kennt. E will aber natürlich jede Seite vorgelesen/vorgesungen bekommen, da gibt es kein Pardon.

Die Gesten zu den jeweiligen Liedern sind übrigens geblieben – in den Spielegruppen und musikalischen Früherziehungsstunden gewöhnt man sich ja an, alle möglichen Textstellen mit den immer gleichen Handbewegungen sozusagen „darstellend“ zu begleiten. E hat das schon stark verinnerlicht und macht bei „We wish you a merry Christmas“ tüchtig Wisch- und Putzbewegungen mit der Hand. Ich denke allerdings,  sie hat da etwas mißverstanden im bilingualen Liederunterricht – oder wir müssen einmal mit der native Speakerin sprechen.

Am liebsten würde E heuer alle Lieder auf einmal singen. Wenn wir unterwegs sind, an der Kassa warten, spazieren gehen oder beim Spielen baut sie aus jeweils ein bis zwei Textzeilen pro Lied ein laut schallendes Potpourri.

In diesem Sinne:

Eine fröhliche Weihnacht überall, Weihnachtsduft, Weihnachtsbaum, O Tannenbaum, O Tannenbaum!

 

Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit, leise rieselt der Schnee. Klingelingeling, kling, Glöckchen, kling.

 

Alle Jahre wieder ihr Kinderlein kommet, beugt wie die Hirten andächtig die Knie. Lustig, lustig, traleralera, bald ist Weihnachtsabend da.

 

We wish you a merry Christmas!

 

…Stillige Nacht, heilige Nacht …