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Mama kurz gefasst – Erziehungsdilemma

Ich habe es schon einmal erwähnt: Wir haben uns im Urlaub eine Marionettenversion von Mozarts Zauberflöte angesehen. Wir haben dann auch die DVD gekauft, auf der die Oper in zweistündiger Länge (statt der für Kinder adaptierten Kurzfassung) drauf ist.

Am letzten Ferientag regnete es in Strömen. Der perfekte Tag, um gemütlich auf der Couch zu sitzen und Oper zu schauen. Gesagt, getan. Allerdings nicht bis zum Ende. Das wäre einfach zu lange auf einmal.

Am nächsten Morgen (vor dem Kindergarten) bettelten die Kinder dann plötzlich: „Können wir heute den Film fertig schauen?“ Gewohnheitsgemäß wollte ich schon entrüstet: „Nein, kommt nicht in Frage!“ rufen, da wurde mir bewußt:

Die Kinder betteln darum, eine Oper sehen zu dürfen. Eine OPER!

Fernsehen – Oper – fernsehen – Oper – ein Dilemma!

Zum Glück ließ es sich rasch lösen: Vor dem Kindergarten konnte sowieso nichts geschaut werden und danach war die Sache erst einmal in Vergessenheit geraten. Aber am nächsten verregneten Wochenende schauen wir uns dann noch einmal an, wie Papageno seine Papagena findet 😉

papagena
Bei Mozart in Salzburg kann jeder seine eigene Papagena finden 😉

Eher friert die Hölle zu …

Die Theorie

Als Eltern, insbesondere bevor das Kind auf der Welt ist, kann man sich eine ganze Menge Gedanken darüber machen, nach welchen Prinzipien man erziehen will, welche Wertvorstellungen man weitergeben möchte und was es auf gar keinen Fall in der eigenen Familie geben wird – absolute No-Gos wie Essen beim Fernsehen, Süßigkeiten vor der Hauptspeise oder Opfer von Prinzessinnen/Kitten-Merchandising zu werden: Eher wird die Hölle zufrieren als dass wir uns zum Beispiel der Frozen-Mania hingeben!

Die Praxis

Als Eltern, insbesondere wenn das Kind dann auf der Welt ist und anfängt in zwischenmenschlichen Kontakt mit außerfamiliären Mitgliedern der Gesellschaft zu treten (Spielplatz, Kindergarten, Geburtstagsfeiern von Freunden, beim Einkaufen mit den Eltern) kann man sich eine ganze Menge Gedanken darüber machen, was mit den Prinzipien eigentlich passierte, die man alle einhalten wollte, welche der Wertvorstellungen noch zu retten sind, die man weiterzugeben gedachte und warum es in der Familie so viele Oh-Nos! gibt, die man auf jeden Fall vermeiden wollte.

Diese ganzen Hypes, die durch Filme, Serien und jede Menge Merchandising schon bei den Jüngsten zu Peer-Pressure führen, sind mir ein Dorn im Auge, den wir bisher ganz wunderbar übersehen konnten. Dann aber passierte Folgendes:

Die beste Freundin im Kindergarten ist ein großer Fan von Elsa und Anna und brachte den Hype ganz subtil zu uns nach Hause. Elsa und Anna hier, Elsa und Anna dort. Um der Tochter eine Freude zu machen, kaufte ich ihr Schuhe mit den beiden Disney-Prinzessinnen drauf und dachte, die Sache wäre damit geregelt. Doch weit gefehlt: Aus unserem frozen-freien Heim wurde plötzlich des Disney-Dramas Nebenschauplatz.

Es gibt stundenlanges Drama um Dinge, die gar nicht da sind! Wie ein Elsakostüm zum Verkleiden (das aber die Freundin hat) oder eine Elsatasche (die die Freundin hat) oder Schmuck mit Elsaemblem (die natürlich die … ihr wisst schon). Das eigene Kind, das noch nie Frozen gesehen hat, mag nur noch Dinge, auf denen unterkühlt lächelnde Prinzessinnen abgebildet sind! Und damit nicht genug:

E’s ganze Weltsicht dreht sich nur noch um die zwei fiktiven Mädchen:

  1. Sachen, auf denen nicht Elsa und Anna drauf sind, sind langweilig
  2. Was Kindern wirklich Freude bereitet, sind Sachen von Elsa und Anna, weil  … siehe 1.

Auf meine Frage, warum sie plötzlich unbedingt diese Elsa und Anna Sachen möchte, erklärte sie mir, dass es eben nicht genug ist, nur eine Sache (ein Paar Schuhe) von Elsa und Anna zu haben. Meine Strategie „Angriff ist die beste Verteidigung“ respektive „Mit einem Geschenk wäre die Nachfrage gesättigt“ ist leider nicht nur nicht auf-, sondern wirklich voll daneben gegangen!¹

Glühend vor Zorn überlege ich jetzt, ob ich Frozen tatsächlich in einer Sneak-(Post)View anschauen muss (immerhin kennt den Film vermutlich schon jede Mutter kleiner Töchter und die Töchter sowieso in und auswendig), damit auch wir eine Ahnung davon haben, worum es geht und was daran so toll sein soll.

*geschrieben von meinem Smartphone während ich die DVD-Regale im Spielzeugladen durchsehe*

spurenimschnee
An manchen Dingen scheint kein Weg vorbei zu führen. Gehört Frozen dazu?

¹Herausgeschnittene Szene / Deleted Scene

M. Mama: „Papa wollte gar nicht, dass ich die Schuhe kaufen, aber ich wollte dir eine Freude machen …“

Die 4-jährige E ganz ernst (entrüstet statt dankbar): „Wenn dir der Papa verboten hat, die Schuhe zu kaufen, dann darfst du sie nicht kaufen!“

Hätte ich doch nur auf meinen Mann gehört oder auf meine Tochter!

 

 

Topperin

Wer in einem Büro arbeitet kennt vielleicht auch Dilbert. Wobei man nicht in einem Büro arbeiten muss, um ihn lustig, auf jeden Fall schräg zu finden. Bei Dilbert gibt es die Figur des Toppers: Der (meist noch neue/super arrogante/völlig unsympathische) Kollege, der jede Geschichte, die … Topperin weiterlesen