Impressionen aus dem Feriencamp (Los geht’s)

Unsere größere Tochter E ging heuer erstmals in ein Feriencamp. Ich war ein wenig nervös, wie es ihr gefallen würde. Sie spielt zwar sehr gerne mit anderen Kindern, aber dort würde sie anfangs niemanden kennen. Und obwohl sie eine sehr selbstbestimmte junge Dame ist, zeigt sie doch seit einiger Zeit in der Nähe von Fremden eine gewisse (natürliche) Scheu. Sie traut sich dann oft gar nicht zu sprechen. Ein Phänomen, das sie zu Hause übrigens keine 5 Sekunden durchhält.


Tag 1 – morgens

Mein Mann brachte E in den Kindergarten, in dem das Tagescamp stattfand. E lernte schon in der Garderobe ein anderes gleichaltriges Mädchen kennen, und die beiden verschwanden sehr schnell, miteinander plaudernd, im Zimmer. Noch bevor mein Mann bei der Tür draußen war, hörte er die Stimme der (englischsprachigen) Erzieherin:

„Good morning children. Please sit down. Good! Please stand up. O.K. Please sit down. Very good! Please stand up!“

Da erklang plötzlich die Stimme unserer Tochter:

„Also wenn ich so oft aufstehen muss, werde ich ja müde!“

Schüchternheit gegenüber den Erzieherinnen konnten wir als eventuelles Problem getrost ausschließen.


Tag 1 – nachmittags beim Abholen

E spielte  gerade im Garten. Als sie mich sah, kam der tränenreiche Zusammenbruch, eine Mischung aus Müdigkeit und der plötzlichen Erkenntnis, dass es für sie Zeit für eine Jause war – eine Unterart des hangry-Phänomens.

Ich versuchte sie etwas abzulenken, auf positive Gedanken zu bringen:

„Und? Wie hat es dir heute gefallen?“

E heulend:

„Gar nicht! Ich kenne die anderen Kinder gar nicht!“

Mein Mutterherz schmerzte und ich machte mir gerade Sorgen, ob das Camp eine gute Idee war, als sie weiter sprach:

„Mir hat nur das Spielen mit meiner neuen Freundin gefallen und das Basteln und das Spielen im Garten und …“

Traurigkeit und Heimweh untertags konnten wir als eventuelles Problem getrost ausschließen.


Tag 2 – nachmittags beim Abholen

E spielte gerade mit anderen Kindern. Als sie mich sah, kam der tränenreiche Zusammenbruch, eine Mischung aus Müdigkeit und der Erkenntnis, dass es bereits Zeit für eine Jause war.

E heulend:

„Es war so schön! Ich möchte noch nicht heimgehen! Ich will noch im Kindergarten bleiben! Ich will noch mit den anderen Kindern spielen!“

Hm, gleiche Symptome – völlig andere Ursache!

Ich versuchte zu trösten und meinte, dass sie ja am nächsten Tag wiederkommen würde und dass wir jetzt erstmal eine Jause essen könnten. Während sie aß, fragte ich dann neugierig, was ihr denn am besten gefiele in diesem Kindergarten. Es gibt dort z.B. einen sehr schönen Garten mit vielen Spielgeräten, viele helle, freundliche Räume, anderes Spielzeug als in ihrem Kindergarten, neue Spielkameraden und …

„Der graue Knopf“

kam die Antwort sofort. Mit großer Begeisterung berichtete mir E:

„Da gibt es einen grauen Knopf. Wenn man auf den drückt, dann darf man hineingehen.“

Na ja, eine Woche bilingualer Ferienspaß und was wird meine Tochter davon mitnehmen? Die faszinierende Funktionsweise einer elektrischen Türklingel!


Fortsetzung folgt …

4 Gedanken zu “Impressionen aus dem Feriencamp (Los geht’s)

  1. Dieses Kind wird irgendwann einmal eine formidable Präsidentin der Republik Österreich (weil sie so hervorragend ihre wahren Gefühle hinter ihrer rhetorischen Waffe – Tränen – verbergen kann). Sie wird nur sehr enttäuscht sein, wenn sie feststellt, dass es bei euch keine Atomraketen und den entsprechenden Roten Knopf gibt. ^^

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