Schlagwort: Sommer

12 Monate (7) – Tag und Nacht

Der August ist schon fast wieder vorbei! Am letzten Sonntag des Monats ist es Zeit für das Fotoprojekt „12 Monate“ von Zeilenende. Ich begleite unseren Kirschbaum in Bildern durch das Jahr.

Im August hat sich nicht besonders viel an ihm verändert. Es sind noch weniger Blätter geworden, gar keine Früchte mehr darauf zu finden, aber er ist ein Teil unserer Freizeit – bei Tag und bei Nacht:

Tagsüber im hellen Sonnenschein (der noch immer für hochsommerliche Temperaturen sorgt) …

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… ist er eine wahre Stütze für die Kinder („Mama, ich kann fliegen!„), aber auch für Ruhe suchende Erwachsende (Nestschaukel im Hintergrund – eine segensreiche Erfindung für die ganze Familie):

kirschbaum-schaukeln

Und abends

kirschbaum-mond-sw

… im Mondenschein ein wunderbares Plätzchen, um den Tag ausklingen zu lassen. Grillen zirpen, ein Käuzchen ruft im Wald, Fledermäuse sausen lautlos durch den Himmel und nach und nach gehen die Sterne auf.

Und wenn das Auge statt dem Kipferl dann die seitlich beleuchtete Mondkugel sieht, fühlt man sich plötzlich winzig klein und die alltäglichen Sorgen verschwinden für einen Moment hinter der Erkenntnis, dass der Mensch nur ein ganz kleines Rädchen im riesigen Weltall ist.

kirschbaum-mond


Alle bisherigen Beiträge zu dem Projekt gibt es unter der Kategorie 12 Monate.

Und all die sehenswerten Fotos der anderen Teilnehmer findet ihr beim Zeilenende verlinkt.

300 | Besserwisser

Neues Spiel, neues Glück oder so ähnlich heißt es doch. Bei Christiane geht es im etüdensommerpausenintermezzo darum, nicht nur die vorgegebenen Worte in eine Geschichte zu verpacken, sondern auch noch eine bestimmte Wortanzahl einzuhalten. Das nenne ich einen Pausenfüller 🙂 Los geht’s:

drabblemezzo 3 | 365tageasatzaday

Trübsal zu blasen war gar nicht seins. Er knabberte an dem Schokokeks, das er heimlich aus der Süßigkeitenlade geklaut hatte und knickte im Vorbeigehen die größte Sonnenblume ab, die über den Gartenzaun der pingeligen Nachbarin ragte.

Ha, die wird sich wundern, wenn sie von der Sonntagsmesse zurückkommt„, dachte er vergnügt. Jeden Tag goss die Alte die Blumen morgens und abends, schlich stundenlang um ihr Gemüse herum und rupfte mal hier, mal dort ein Blättchen ab. Drei Mal die Woche mähte sie den Rasen und wehe, es wehte ein Blatt vom Baum der Nachbarn auf ihr Grundstück. „Da wird sie wieder Zeter und Mordio schreien, wenn sie den schweren gelben Blütenkopf so traurig am Gehsteig liegen sieht.“

Flink kletterte er in sein Baumhaus, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen. Wo blieb sie denn nur, die alte Hexe? Gelangweilt zupfte er an dem Pflaster herum, das seit gestern auf seinem Knie klebte und sich langsam zu lösen begann. Am Fluss war er auf einem nassen Stein ausgerutscht, bei dem Versuch, seine Flaschenpost ins Wasser zu setzen. Auf einen Zettel hatte er „Wer das list ist blöt!“ gekritzelt. Die leere Bierflasche hatte er aus der Mülltonne bei den Nachbarn von schräg gegenüber genommen. Die tranken immer einen ganzen Kasten Bier am Freitagabend. Der Verschluss war natürlich ab, aber mit etwas Klebeband ging es auch.

Gerade als ihm das Warten zu langweilig wurde und er hinunterklettern wollte, kam ein Junge aus seiner Schule auf einem Fahrrad die Straße herauf getreten und hielt direkt unter ihm. Er stieg ab, lehnte das Fahrrad an den Baumstamm, sah sich um und warf schnell die Bierflasche über den Zaun. Dann radelte er davon.

Neugierig kletterte er hinunter und schnappte die Flasche. „Wer »blöt« schreibt, ist selbst blöd!“ stand da in roter Schrift unter seiner verwaschenen Nachricht.

12 Monate (6) – Von Ampeln und Amseln

Der letzte Sonntag im Juli ist fast vorüber, das gleichmäßige Ticken der Uhr im Zimmer meiner kleinen Tochter erinnert mich an die Vergänglichkeit. Vor allem die tägliche Vergänglichkeit der Motivation im Laufe des Tages, die wöchentliche Vergänglichkeit des Wochenendes und die monatliche Vergänglichkeit von Deadlines.

Ich habe es tatsächlich den ganzen Tag über nicht geschafft, den 6. Beitrag zum Projekt 12 Monate von Zeilenende zu schreiben. Jetzt wird es aber höchste Zeit. Die Kinder schlafen (und können daher nicht mehr als Ausrede herhalten), das brühend heiße Sommerwetter hat sich in eine verregnete Gewitternacht verwandelt. Genau richtig, um zu bloggen.

Der alte Kirschbaum hat im Juli einiges an Blättern und Früchten verloren. Die Hitze und ein paar Gewitterstürme haben bereits einige Äste leergefegt. Die Kirschen selbst haben vor allem die Amseln gefressen. Und die Drosseln, Spatzen, Hausrotschwänzchen und Grünfinken und wer weiß welche anderen Singvögel noch. Wie jedes Jahr haben wir so gut wie keine Kirschen geerntet, weil die Vögel einfach schneller und gründlicher waren. Gut so, ich hoffe, es hat geschmeckt.

Lange genug drum herum geschrieben, so schaut er momentan aus, unser alter Kirschbaum:

julibaum_ganz2
Mittags
julibaum_zweig
Die grünen Blätter werden weniger
julibaum_ast
„Schattenspender“ mit Lücken

Im Titel stand doch was von Ampeln und Amseln, gell. Beim Schreiben ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass sich die beiden Worte nur durch einen Buchstaben unterscheiden, obwohl sie Grundverschiedenes bezeichnen und auch ganz unterschiedlicher Herkunft sind. Was es nun mit der Ampel auf sich hat? Die habe ich vor unserem Kirschbaum entdeckt. Für die Verkehrsschule sind meine Kinder noch zu klein, aber fürs Gärtnern nicht. Und die Natur bringt interessante Farbspiele hervor.

tomatenampel
Diese Kombination kenne ich doch von irgendwo: Rot, orange, grün

 

Diese „Tomatenampel“ ist zum Glück nicht der Wühlmaus zum Opfer gefallen. Das überaus fleißige Tier hat gleich nach dem Anpflanzen zu ernten begonnen und Nacht für Nacht  – schwups, schwups, schwups – eine Pflanze nach der anderen einfach in ihre Höhle gezogen. Am Morgen war dann nur noch ein Loch da.

Wie alle guten (und tierlieben) Gärtner haben wir getan, was in so einem Fall zu tun ist: Vorher- und Nachher-Fotos zur Beweissicherung geschossen und dann mit dem Fotoapparat auf die Lauer gelegt. Aber die Wühlmaus wollte sich einfach nicht persönlich zeigen (in der Viertelstunde, die ich tapfer und paparazzimäßig vor dem Beet ausgeharrt habe). Schade!


Alle bisherigen Beiträge zu dem Projekt gibt es unter der Kategorie 12 Monate. Und all die sehenswerten Fotos der anderen Teilnehmer findet ihr beim Zeilenende verlinkt.

 

 

 

Knock, knock – not a joke

Im englischsprachigen Raum sind die „knock, knock jokes“ unter Kindern ja recht beliebt. Zuerst gar nicht lustig fand ich neulich morgens die Situation in unserem Garten:

Bei den sommerlichen Temperaturen wollen die Mädchen schon frühmorgens hinaus zum Spielen. Da sich bei mir angesichts der langen Tage und hohen Temperaturen auch schon die Sommerferienstimmung breit macht, das Gartengemüse ohnedies gegossen werden muss und ich das schöne Wetter lieber live genieße als es nur durch die Fensterscheibe zu betrachten, waren wir also schon vor 7 Uhr zu dritt fröhlich im Garten unterwegs. Doch dann, oh weh! Von der Regenrinne her tönte ein verdächtiges Scharren und klägliches Piepsen. Offenbar war ein Vogel in der Regenrinne gefangen!

In bester Selbst-ist-die-Frau-Manier stürmte ich los, schleppte die höchste Leiter heran und lief dann ins Haus, um meinen Mann zu rufen. Hohe Leitern und ich sind nicht die besten Freunde. Unsere traute Zweisamkeit wird von einer gewissen Höhenangst gestört. Mein Mann, der potentielle Held des Tages, kam also aus dem Haus und befragte mich und die Kinder erst streng, wie wir denn auf die Idee kämen, dass da … als er das Scharren selbst hörte.

Sogleich lief er los und holte seine Arbeitshandschuhe. (Ein Accessoire, auf das ich stets zu verzichten können meine und es dann gewöhnlich schmerzlich büße, während mein Mann sein heimwerkliches Tun ohne Handschuhe erst gar nicht anfängt). Voller Rettungseifer stieg er auf die Leiter und begann an einer Stelle der Regenrinne zu ziehen, wo die Rohre ineinandergesteckt sind. Erwartungsvoll, den Atem anhaltend schauten die Mädchen und ich zu.

Nur – es tat sich nichts, gar nichts. Blech auf Blech – das sitzt erst einmal ordentlich fest, noch dazu, wenn man das ganze in unbequemer Richtung von sich weg nach oben ziehen will. Was also tun, um den Vogel zu retten? An die 30 Grad sollte es untertags bekommen und das arme Tier saß in einer engen Metallröhre fest!

Mein Mann tat das, was ein Mann zu tun hat, wenn die ausgeklügelte Strategie von Plan A nicht aufgeht. Plan B – die Brute Force Methode – kommt zum Einsatz: Also hämmerte er mit der Faust gegen das Metallrohr. Und siehe da! Die Regenrinne rührte sich keinen Millimeter, aber der arme verängstigte Vogel bekam so einen Schreck, dass er seine ganze Kraft zusammennahm und aus der schrägen Röhre selbst herausflatterte.

Knock, knock.

Who’s there?

Hero.

Hero who?

Here! Oh, here you are, little bird!

 

vogelvonhinten