Schlagwort: Kind

abc-Etüden: abgrund|tief

lz abc.etueden schreibeinladung 1 cafeweltenall 29.17 | 365tageasatzaday

 

Kaum hatte sie sich auf das Badetuch gelegt, schloss sie die Augen und dachte lächelnd an den gestrigen Abend, an dem sie nach einer halben Ewigkeit wieder einmal das Tanzbein geschwungen und sich richtig gut amüsiert hatte. Es war sehr spät geworden und heute war sie todmüde.

Ihr kleiner Sohn war im Sandkasten am Hotelspielplatz in Sichtweite mit Schaufel und Kübel beschäftigt.

Ach Mensch, was ist denn das für ein riesiger Krater da in der Buddelkiste?!

Eine sehr laute Stimme mit unverkennbar deutschem Akzent ließ sie aus dem Schlaf hochschrecken. Ein älterer Herr mit kugelrundem Bauch und sonnenverbrannter Glatze schwadronierte über die Ansprüche der Kinder heutzutage, die sich mit nichts Einfachem mehr zufrieden geben würden, sondern ständig mit irgendwelchen Action-Abenteuern unterhalten werden müssten.

Verwirrt schaute sie hinüber zum Sandkasten, aber statt ihres Buben sah sie nur ein riesiges Loch und noch bevor sie einen klaren Gedanken fassen konnte, war sie schon aufgesprungen und hinüber gelaufen. Ihre Stimme überschlug sich vor Panik als sie vor dem Loch kniend nach ihrem Felix brüllte und sich so weit als möglich über das Schwarz des bodenlosen Abgrundes beugte.

Ja, Mama?“ hörte sie die vertraute Stimme ihres Jungen plötzlich hinter sich.

Als sie sich erleichtert umdrehte, spürte sie, wie ihre Füße den Halt verloren und der Sand unter ihr zu rutschen begann.


Ein Beitrag zu Christianes abc-Etüden und den drei Worten von Ulli 

Ein kleiner Tramp

Ein Trampolin ist für Kinder ein großer Anziehungspunkt. Aber nicht nur für Menschenkinder. Auch der kleine Matz von neulich (oder eines seiner Geschwisterchen) hat es dort hinein geschafft – und leider nicht mehr heraus. Verzweifelt flatterte er gegen das Netz. Da er wohl von oben in die Sache hineingeraten war, wollte er auch unbedingt nach oben wieder flüchten, aber die kurzen Schwungfedern tragen ihn noch nicht so weit.

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Ich kletterte also zu ihm ins Trampolin und versuchte ihn in Richtung Ausgang zu lotsen. Direkt davor dreht er jedes Mal wieder um und wollte – fast panisch – wieder zurück ans andere Ende des Trampolins, dort wo er seinen besorgten Eltern am nächsten war.

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Fast am Ausgang – aber immer wieder bekam er/sie Toroffenpanik sozusagen

Letztendlich hob ich ihn behutsam mit beiden Händen auf und beförderte ihn so zum Ausgang. Von dort schaffte er es dann ohne Probleme auf die Wiese und ich verabschiedete mich rasch, damit ihn seine Eltern wieder in Empfang nehmen konnten.

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Kleiner Matz, nach deinem Trampolinerlebnis sei dein Name nun Tramp, kleiner Supertramp 😉


Apropos: Ausnahmsweise wieder einmal ein Link zu einem Lied, weil es gerade irgendwie passt

Kunst liegt bei uns …

… nicht nur im Auge des Betrachters, sondern auch zu Hauf herum.

Wo auch immer man hinschaut liegen Papierstückchen, bemalt, zerknüllt, zerschnitten, gefaltet, geklebt oder sonst irgendwie ver- oder bearbeitet herum. Es gibt längst keinen einzigen Filzstift mehr, dessen Spitze nicht völlig eingedrückt wäre, da die Kinder offenbar der Meinung sind, man müsse die Farbe mit aller Kraft aus den Dingern herauspressen und noch die Punkti-Punkti-Phase – die gibt der garantiert eindrücksicheren Spitze den Rest. Ich finde nur noch leere Klebebandrollen und stolpere an den unmöglichsten Orten über Kinderscheren, die von der kleinen Z beharrlich „Säge“ genannt werden.

Unsere 2-Jährige hat zur Kunst überhaupt einen sehr interessanten Zugang. Nicht nur, dass sie sich noch gar nicht festgelegt hat, welche ihre bevorzugte Hand ist – sie wechselt mit jeder Farbe gleich auch die Hand – erschafft sie ihre Meisterwerke vor allem über die Benennung: Strichi, Strichi, Punkti, Punkti und dann wird der völlig abstrakten Kritzelei scheinbar willkürlich ein beliebiger Name gegeben, zum Beispiel „Osterhasenschule“ oder „Autobus“. Diese Willkür ist aber eben nur auf den ersten Blick eine solche. In Wirklichkeit werden die Werke stets unter demselben Arbeitstitel wie jener der großen Schwester geschaffen. Z ist nur noch nicht in der naturalistischen Phase angekommen. Die kreative Leistung ist selbstverständlich zu loben, die Frage ist nur:

Wohin mit dem – liebe Kinder entschuldigt den Ausdruck – Zeugs? Oder vielmehr:

Wie lange ist die angemessene Periode, bevor man sich unauffällig der Bilder und Basteleien der Kinder entledigen darf? Also, was ist die grace period bis es legitim ist, nachts aus dem Haus zum Altpapier zu schleichen?

Versteht mich bitte nicht falsch: Zur Erinnerung an diese Lernphasen möchte ich natürlich Zeichnungen aufheben, aber die Ausbeute an der crème de la crème ist bereits so raumfüllend, dass einfach nicht für alles Platz ist im Haus, denn produziert wird hier wie im Akkord. Und wehe, du wirst dabei erwischt, wenn du ein Blatt Papier mit drei färbigen Strichen drauf oder ein paar nassen Flecken (vom Wasserfarbemalen, bei dem die unkonventionelle Methode erst den Pinsel in die Farbe und dann noch mal ordentlich ins Wasserglas eintauchen, angewendet wurde) wegwirfst:

Mama! Wirfst du alle unsere Bilder weg?!“ bekomme ich dann von einer geschockten 4-Jährigen zu hören und die 2-Jährige steht, den Tränen nahe, daneben und starrt ungläubig auf ihre Zeichnung, die noch aus dem Altpapier ragt.

Vielleicht kennt ja auch jemand jemanden, der von jemanden weiß, der autorisiert wäre, Sonderrabatte auf das Museumslager einer Staatsgalerie (oder ähnlichem) zu vergeben?

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Diese Zeichnung will ich definitiv aufheben – Archiv gesucht!

 

Das Pfund und die Münzen

Fremdwährung, Bares und M. Mama – die neue Finanzrubrik auf meinem Blog!

Genau darauf haben die Finanzwelt und die Heerscharen an Rat suchenden (Möchtegern/Trau-mich-nicht-recht/Jetzt-aber-volles-Risiko!)-Investoren gewartet. Das hat der Bloggerwelt noch gefehlt: M. Mamas Finanztipps!

Und es wird ihr auch weiter fehlen.

Sorry an alle, die jetzt enttäuscht Kuli und Taschenrechner wieder wegpacken. Es gibt hier nichts zu lernen, zumindest nichts über Finanzielles, obwohl ich tatsächlich eine Affinität zu Geld habe. Ich mag es. Am liebsten ist es mir, wenn ich es habe.

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Der Kurs-Chart meines Portfolios lässt mein Herz schneller schlagen. Man muss ihn nicht einmal verkehrt herum halten, damit er aufwärts zeigt. Besser geht es kaum, oder?

2015 – ein Peak wie der Mount Everest. Atemberaubend, nicht? Insbesonders, wenn man zu diesem Zeitpunkt eingestiegen ist. Da versteht sich von selbst, warum einem der Atem stockt, während das Herz rast. Aber lassen wir das.

Worum geht es also heute?

Pfund, Gartenparty, 5 Uhr Tee und Nebel – irgendwelche Assoziationen? Nein, nicht England, auch nicht Brexit oder Wonnemonat (May).

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Nebel in London und Finanzen -noch fest verschmolzen, aber wehe breaks it away …

Sondern Kindergeburtstag natürlich! Was dachtet ihr denn?

Es war Herbst 2015. Meine kleine Z war ein paar Monate alt und meinereiner fand sich mit E und Z auf einer Kindergeburtstagsfeier ein. Während Kinder und Väter im Garten herumtollten, stand ich mit der im Kinderwagen schlafenden Z mit den anderen erwachsenen Frauen am Rand beisammen und unterhielt mich.

Einen besonders netten Plausch hielt ich mit einer etwa gleichaltrigen Frau, einer (entfernten) Tante des Geburtstagskindes. Ich freute mich darüber, endlich mal wieder andere Themen als Windeln und Kindergarten besprechen zu können, fühlte mich wohl, einmal nicht völlig auf meine Mutterrolle reduziert. Kaum wird man schwanger scheint ja alles andere gänzlich aus dem Fokus zu rutschen – für einen selbst und auch die lieben Mitmenschen. Ratschläge allerorten und zu allen Schwangerschafts-, Baby- und Erziehungsthemen, egal ob man sie hören will oder nicht. Nicht so mit kinderlosen Mitmenschen. Mit denen kann man noch über die Arbeit, Hobbies, Filme, Reisen und anderes sprechen.

Bei der Verabschiedung reichte mir besagte Tante  die Hand und wünschte mir alles Gute. Ihre genauen Worte waren:

Alles Gute!

Ach ja, und „Du bekommst ja bald noch ein Kind!„, begleitet von einem fast mitleidigen Blick.

Ich stutzte … und starrte auf die kleine Z im Kinderwagen. Sie war doch schon da. Da lag sie, direkt vor uns, gut sichtbar für alle. Wusste die gute Tante etwas, was ich nicht wusste? Erst dann begriff ich, dass sie auf meine Figur anspielte und – selbst Nicht-Mutter – annahm, dass der Bauch bereits den nächsten Nachwuchs ankündigte.

Etwas peinlich berührt entgegnete ich: „Nein, nein! Das ist noch von Z!

Womit wir endlich beim Pfund des pfundigen Titels (das musste jetzt sein) angekommen wären. In Österreich würde man ja sagen Kilo, aber in anderen Ländern nennt man es wohl Pfunde, die man zu viel am Leib trägt.

Die „Tante“ wäre auf jeden Fall am liebsten im Erdboben versunken, stammelte eine Menge Entschuldigungen und verdrückte sich so schnell sie konnte.

Ich erholte mich überraschend schnell von dem Schock und berichtete meinem Mann bei der Heimfahrt lachend darüber, dass ich zum ersten Mal (fälschlich) für schwanger gehalten worden war. Solange ich schwanger war, hatte mich nie jemand darauf angesprochen! Ob deshalb, weil es sowieso eindeutig war, man sich nicht blamieren wollte oder – was häufiger, vor allem im Winter mit dickem Mantel oder warmer Jacke der Fall war – weil man es gar nicht sah. Jetzt war es mir also passiert: Meinetwegen war jemand in ein Fettnäpfchen getreten.

Am nächsten Tag war auch der Mangel der Entschließung und des Mutes geschwunden, endlich etwas für die Bauchmuskeln zu tun …

… Vergessen kann ich die Sache aber natürlich nicht. So etwas setzt sich fest. Aber ich werde es der lieben Tante nicht mit gleicher Münze heimzahlen, außer vielleicht wir treffen uns wieder auf einer Kindergeburtstagsgartenparty und sie ist nicht gertenschlank.