Grosses Kino für Kleine oder umgekehrt?

Kennt noch jemand „Over The Hedge“? Zumindest den ersten Teil? O.K., es ist – eine kurze Google-Suche verrät es – bereits fast 10 Jahre her, dass es im Kino lief. Für solche Filme aber brauchte man noch gar keine eigenen Kinder zu haben, es machte auch als DINK [double income, no kids] Spaß solche Filme zu sehen. Und wem es doch peinlich war, in der Nachmittagsvorstellung unter den vielen frechen Gschrappen [Wienerisch für kleine Kinder] zu sitzen und durch die eigene Anwesenheit den Altersschnitt in fast methusalemische Höhen zu treiben, der konnte sich ja mit Alibi-halber-ausgeborgten-Nichten/Neffen/Patenkindern umgeben. Oder man wartete auf die DVD release. Heute können sich Erwachsene jeden angeblich für Kinder designten 3D Klamauk ansehen, und müssen dafür noch nicht einmal die eigenen vier Wände verlassen. Prinzipiell gilt: „in OV geschaut“ ist es sowieso ein Bildungsbeitrag.

Apropos Alibi, apropos Prinzipien: Kennen Sie den Spruch von Nicholas Ofczarek als „Ali“ (gemeint ist Alfons Eduard Alexander Antonius Maria Andreas Hubertus Christoph Mensdorff-Pouilly – ein österreichischer Bauer und Lobbyist), der die Wertefestigkeit so manches Österreichers ausgezeichnet auf den Punkt bringt?

„Also prinzipiell ist mir alles wurscht!“

Liebesg’schichten – Ali und Maria (1)

Zurück zu „Over the Hedge“. Zwei Dinge sind mir aus diesem Film bis heute sehr gut in Erinnerung geblieben:

  1. Dass die Kombination aus hyperaktivem Eichchörnchen mit einer Portion stark zucker-und koffeinhältigem Getränk dazu führt, dass das liebe Tier die Abläufe seiner Umgebung wie in Zeitlupe erlebt, da seine eigene Aktivität nochmals um ein vielfaches gesteigert wurde.

Over The Hedge „Energy Drink Hammy“

2.  Opossums haben eine ganz spezielle Überlebenstaktik: Sie stellen sich bei Gefahr tot.

Mein Mann und kleine putzige Tiere

Interessanterweise kann ich beide Eigenschaften auch in gewisser Weise an meinem Mann festellen. Was bei ihm wohl bei einem der beliebten „Welches-Tier-wäre-ich-Tests“, die man in den besonders bunten Qualitätszeitschriften finden kann, herauskäme? Ich will es gar nicht wissen.

ad 1) Aufgrund seines umheimlichen Arbeitstempos – welches die anderen, wenn er anwesend ist, aufrichtig schätzen, es jedoch verfluchen, wenn sie von ihm eingeschult werden – wurde mein Mann von seinen Arbeitskollegen schon mit Hammy verglichen. Zum Glück trinkt er so gut wie nie Kaffee, Energy drinks oder Cola.

ad 2) Die Biologie lehrt uns: Das Opossum ist ein Meister der Schauspielerei. Nun sind die Nächte in den ersten Monaten mit einem kleinen Kind meist eher kurz und durch einige Unterbrechungen gekennzeichnet. Einmal wird das arme Kind ganz plötzlich von Hunger/Durst gequält, dann drückt wieder der Bauch, die Windel ist voll oder – später – machen die Zähne Probleme und oft, sehr oft, weiß man gar nicht so recht, was der eigentliche Grund für das Weinen ist.

(Dann gilt vielleicht: fowllanguage crying baby)

Biologie 101: Mutterinstinkt und väterliche Mimese

In besonders schlimmen Nächte macht der liebe Nachwuchs also so ungefähr jede Stunde lautstark auf sich aufmerksam. Als Mutter hat man ja schon für die leisesten Seufzer aus dem Gitterbett einen besonderen Radar. Ein erstes müdes „Wääähh“ und vorbei ist der Schlaf. Nun habe ich mir jedoch angewöhnt kurz abzuwarten, denn manchmal – eher selten – schläft das gute Kind auch von selbst wieder ein. Stehe ich dann schlaftrunken schon vor dem Gitterbett, könnte jedes zu laute Knacken im Knie beim Umdrehen, das Knarren des Holzbodens oder der unterdrückte Wehlaut, gefolgt von einem gezischten Fluchen, wenn ich über ein am Boden liegen gebliebenes Spielzeug stolpere, das Kind wieder aufwecken. Meistens ist es aber letztendlich das Rascheln der Bettdecke beim Wiederzudecken, wenn ich selig (debil) grinsend ob der Freude weiterschlafen zu dürfen das Haupt auf den Polster sinken lasse, das Z doch noch aufweckt. Daher quäle ich mich erst auf, wenn das leise Wimmern tatsächlich nicht verstummt oder rasch lauter wird. Das Erstaunliche an der ganzen Sache ist: mein Mann verschläft das alles fast immer. Nach einer Nacht, in der ich gefühlte zillionen Mal aufstehen und Z trösten, füttern und wieder in den Schlaf wiegen musste, meinte er morgens fröhlich: „Heute war’s ja gar nicht so schlimm“. Als er meinen bitterbösen Blick und die schwarzen Ringe unter meinen blutunterlaufenen Augen sah, fügte er zweifelnd schnell hinzu: „Oder?“ Ich konnte nur mit einem verächtlichen guturalen Grunzen antworten, zu mehr war ich an diesem Morgen nicht fähig.

Da frage ich mich, ob Familie-Haben für Väter tatsächlich mit ein paar Minuten Spaß zu Beginn, einigen Monaten Empathie-Heuchelei während der Schwangerschaftsbeschwerden und letztendlich dem stolzen Herumzeigen von Fotos des wunderbaren Babies (einem weiteren Accessoire im fast unveränderten Erwachsenen-Leben mit Büroalltag, Männergesprächen und allseits bewunderter Karriereverfolgung) kongruent ist.

Tatsächlich können Männer einen Teil der nächtlichen Weckaktionen ihres Nachwuchses einfach verschlafen. Die Natur hat nur die bessere Hälfte der Menschheit mit den Baby-wimmert-leise-Mama-ist-sofort-hellwach-Hormonen „gesegnet“. Und wenn die Herren der Schöpfung doch einmal durch das Gequängel und Weinen mitten in der Nacht geweckt werden, eventuell sogar noch bevor oder während die Mutter erschöpft zum wiederholten Male zum Gitterbett schlurft? Springen sie dann sofort auf, um das Baby heraus zu nehmen und zu trösten? Oh nein! Dann stellen sie sich einfach tot – der Opossumtrick!

Mein Mann hat mir jedoch aufrichtig beteuert, dass es oft gar nicht so bequem ist, so lange ruhig zu verharren bis das weinende Kind aus dem Zimmer getragen wurde. Auch fällt es ihm mitunter schwer danach rasch wieder einzuschlafen, vor allem, wenn das Weinen auch aus dem Nebenzimmer noch zu hören ist. (Die Empathie bei der liebenden und fürsorglichen Frau und Mutter hält sich in diesem Fall in Grenzen.) Darüber hinaus sei der Opossumtrick insbesonders am Morgen, wenn auch die Mama manchmal versucht ist, das Beamten-Spiel „Wer sich zuerst rührt, verliert“ mitzuspielen, eine wahre Herausforderung. Natürlich gewinnt immer mein Mann, denn der Mutterinstinkt ist einfach stärker als die Freude darüber, eine volle Windel weniger gewechselt zu haben.

Die hohe Schule der Schauspielkunst

Wie gesagt: Das Opossum ist ein Meister der Schauspielerei:

„Bei Gefahr […] schließt das Opossum die Augen, lässt den Kiefer herabfallen und fällt um. Sein Atem setzt aus und aus seinem Maul strömt ein abstoßender Verwesungsgeruch“

Geolino Opossum

Zum Glück will mein Mann einfach nur etwas länger und durchgehender schlafen als ich. Schauspielerisch wäre offenbar noch Entwicklungsspielraum gegeben, um an die Künste dieser kleinen Tiere auch nur annähernd heranzureichen.