Der Genpool – mein Mann, die Schwiegermutter und andere Kranke

E ist krank

Vor ein paar Tagen war es soweit. E brachte aus dem neuen Kindergarten statt der ersten neuen Freunde eine ordentliche Vireninfektion mit nach Hause. Neues Jahr, neuer Kindergarten, neue Viren. Hurra!

Ich blieb mit dem Baby zu Hause und mein Mann ging mit E zum Arzt. Diesmal durfte sogar ihr Lieblingsstofftier mitkommen. Der Arzt ist als dreifacher Vater zum Glück erfahren in der Untersuchung von tapferen Begleitern aus der Spielzeugabteilung. Nachdem er den Stoffvogel abgehorcht, „AAA“ sagen hatte lassen und als gesund diagnostiziert hatte, traute sich auch unsere Tochter den Mund aufzumachen.

Sonst ist sie ja nicht so schüchtern und verschreckt, aber seit kurzem machen ihr Ärzte doch leider Angst. Sogar so viel, dass sie sich noch zu Hause vor Aufregung übergab. Während des Anziehens fragte meine Tochter kindlich neugierig, wie sie es immer tut wenn wir aufbrechen wollen, „Wo gehen wir denn hin?“. Meine ehrliche Antwort führte dazu, dass sich das eben erst eingenommene Frühstück unvermittelt als Schwall über mich und ihre gesamte Kleidung ergoß. Also musste ich Strumpfhose (die ultimative Winterherausforderung für Eltern von Kleinkindern), Pullover und Schianzug, all die Sachen, in die ich sie gerade erst mühsam hinein gesteckt hatte, wieder vorsichtig herunterschälen, selbst rasch eine andere Hose anziehen, Vorzimmerboden notdürftig aufwaschen und dann das Kind in einer eilends zusammengewürfelten zweiten Garnitur Wintersachen mit dem Mann losschicken.

Diagnose: richtig krank, so ein Infekt geht halt gerade um. Wir liegen also voll im Trend. Nochmals, Hurra!

Wer noch ein bißchen mehr zum Thema E, ihr Plüschliebling und Arztuntersuchungen erfahren will, kann auch hier einmal reinschauen.

12 Stunden später …

Unnötig zu erwähnen, dass 12 Stunden später mein Mann ebenfalls schlimme Halsschmerzen und hohes Fieber bekam.

Ich bin ja ein Vertreter der Theorie, dass sein Beitrag zum Genpool unserer größeren Tochter in Bezug auf robuste Gesundheit sehr zu wünschen übrig lässt. Bislang bin ich allerdings der einzige Anhänger dieser fixen Idee in unserer Familie, aber das dafür umso vehementer. Ich werde wohl anfangen müssen schriftlich festzuhalten, wie oft die Schwiegermutter, nachdem sie die Kinder mit Bussi begrüßt hat, uns darüber informiert, dass sie schon wieder die ganze Woche hustet. „Die Bronchien!“ heißt es dann vielsagend. Die Bronchien sind auch der Grund, warum sie bei Nebel und jeglichem anderem Wetter nicht mit den Kindern hinausgehen will, sondern lieber in der überheizten Wohnung bleibt.

Wenn man(n) krank ist

Ein krankes Kind kann eine ordentliche Herausforderung sein für die Mutter.

Ein kranker Mann ist vor allem eine Zumutung für die Ehefrau.

Denn wie das bei Männern so ist, werden sie nicht einfach „nur“ krank, nein, sie siechen richtiggehend dahin. Vor aller Augen. Für alle Ohren gut hörbar wird gehustet, was die verschleimte Lunge so hergibt und bei jeder Bewegung wird geächzt und gejammert.

Wehe dem, der miterleben muss, wie sich der Fiebernde zur Toilette schleppt. Ein minutenlanges Schauspiel (obwohl es nur 5m bis zum WC sind), das ganz und gar nicht an die Grazie und Anmut eines sterbenden Schwans erinnert, sondern vielmehr an den mitleiderregenden, schlurfenden Gang des Glöckners von Notre Dame. Mein Mann, ein „Anti-Schwan“, der nun die Wohnzimmercouch seit Tagen rund um die Uhr hütet oder vielmehr besetzt und zur No-go-Zone macht (wegen der Ansteckung natürlich).

Unter der Annahme, dass es einigen Widerspruch bis hin zu empörter Entrüstung unter der männlichen Leserschaft geben könnte, wenn ich alle Männer so einfach über einen Kamm schere – übrigens ein sehr interessantes Bild, bedenkt man die gelegentlich anzutreffenden Glatzen und durch absurd auffällige Toupets oder einen bad comb-over peinlich verleugnetes schütteres Haar. 3 oder 4 lange, viel zu dünne Haarsträhnen quer über die Hauptglatze gekämmt: Glaubt da wirklich jemand, dass niemand etwas von der Kahlheit darunter merken würde? Werden die Mitmenschen für blind, blöd oder einfach nur zu klein gehalten, um den Schwindel erkennen zu können? Die Logik dieser Frisur erschließt sich mir nicht, ebenso wenig wie jene von Donald Trump.

Aber zurück zu dem Lazarett in meinem Wohnzimmer und an grippalen Infekten erkrankten Männern: Zugegeben, es gibt sie auch unter den Frauen, die Vertreter der Spezies „Die Verkühlung bringt mich ganz sicher um, aber ich leide sicher nicht leise, sondern lasse euch alle daran ausführlich teilhaben und rotze und huste und jammere so laut ich kann“, die egozentrische Kranke.

Meine Schwester zeigte solche Tendenzen als wir uns noch ein Kinderzimmer teilen mussten. Für das noch gesunde Geschwisterchen kein Vergnügen. Da wurde ihre lautstarke Ablehnung gegen die fiebersenkenden Essigpatscherl zum Hemmschuh für meinen gesunden Schlaf, den ich noch gerne genossen hätte, bevor mich die Krankheit dann erwartungsgemäß ein paar Tage später auch erwischte.

Wenn Mama krank ist

Bei mir selbst ist es mit dem Kranksein natürlich ganz anders. Ich glaube ja wirklich sterben zu müssen, wenn ich einmal Halsweh und Fieber habe. Da dürfen mich meine Mitmenschen ruhig ordentlich bemitleiden. Zum Glück habe ich einen empathischen Ehemann, der sich dann um mich kümmert – außer er ist selbst krank, natürlich.

Seit ich zur Mama wurde, hat sich vieles verändert. Eine Mutter muss auch funktionieren, wenn sie krank ist. Zumindest für den Notbetrieb. Als stillende Mutter kann ich mich nicht einfach im Nebenzimmer unter der Decke verkriechen, wenn Z Hunger bekommt. Für Väter gelten andere Regeln. Da gibt es tatsächlich den gelebten Krankenstand vom Vatersein: Das kranke Kind weint? Da muss sich die Frau drum kümmern – eh klar. Das kranke Kind und das Baby weinen gleichzeitig? Da muss sich die Frau drum kümmern – eh schon wissen.

Als stillende Mutter kann ich auch nicht die superstarken Krankheitskeim-Hämmer (sic) nehmen, um mich möglichst bald wieder besser zu fühlen. Nein, da heißt es mit den Hausmittelchen die 14 Tage bis zur Genesung herumpantschen und Zähne zusammenbeißen.

Die letzten paar Nächte pendle ich nun schon nahtlos zwischen Krankenbett und Gitterbett hin und her statt schlafen zu dürfen. Noch bin ich nicht krank. Vielleicht bin ich einfach zu schnell für die Viren:

Krankes Kind trösten      Zooom!      Baby stillen      Zooom!      krankes Kind trösten und ein Glas Wasser bringen      Zooom!      Baby stillen      Zooom!      krankes Kind trösten sowie Versuch, einen Löffel Hustensaft zu verabreichen; Bettzeug wechseln, schreiendes Kind aus klebrigem Pyjama befreien und sauberen Pyjama überstreifen, Memo an mich: nachts immer nur Zäpfchen geben, niemals Saft im Bett!      Zooom!     Baby stillen     Zooom!     krankes Kind beginnt zu quängeln während ich das Baby stille      Zooom!     Baby im Zimmer der Schwester weiterstillen und gleichzeitig Schlaflied für beide singen; E und Z sind daraufhin beide hellwach – Es ist 4 Uhr morgens!

Der Keimpool

Wie Viren reisen: Kinder to go

Aus dem Biologieunterricht ist mir nicht mehr allzu viel in Erinnerung geblieben. Eine Ausnahme stellen 2 Dinge aus dem spannenden Kapitel „Viren“ dar:

  1. Die schematische Zeichnung eines Bakteriophagen, die dank meiner künstlerischen Fähigkeiten frappant an den drehbaren Schreibtischsessel im Arbeitszimmer meines Vaters erinnerte. Auf diesem schwarzen Lederding [als Veganer heutzutage ein Tabu] mit 5 Metallbeinen konnte man nicht nur bequem sitzen, sondern sich auch solange im Kreis drehen bis einem ganz schwindlig war – was für eine Kindheitserinnerung, herrlich!
  2. Meine Faszination bezüglich der (strittigen) Klassifikation, dass es sich bei Viren nicht um Lebewesen handeln würde (oder – je nach Definition – doch). Viren haben keinen Stoffwechsel, aber sie sind sozusagen Programme, die den Wirt lenken. Und wir Menschen sind ihre braven Chauffeure:

Wir kutschieren ihre Nukleinsäure von A (Kindergarten) nach B (Zuhause, Spielplatz oder Einkaufszentrum) oder vice versa und organisieren noch die Weiterreise nach C, D und E über die Mütter und Väter der Freunde, mit denen das schon infizierte, aber noch nicht erkennbar erkrankte Kind nachmittags herumtobt.

Das Geständnis

Am Tag bevor E erkrankte hatten wir Besuch. E und die anderen Kinder spielten ausgiebig miteinander und natürlich gab es eine Jause. Dabei kam es auch dazu, dass die Trinkbecher vertauscht oder vielmehr bewußt getauscht wurden. 2-jährige nehmen es mit solchen Dingen nicht so genau. Gerade die unterschiedlichen Farben, welche eine korrekte Zuordnung der Becher zum jeweiligen Kind ermöglichen sollen, werden als Anreiz betrachtet, auch einmal aus dem andersfarbigen Becher zu trinken. Es könnte ja anders schmecken.

Mit Schaudern dachte ich am nächsten Tag, als E fieberte, an diese Momente zurück. Saftbecher als Keimpool! Da wurde ja nicht nur gekleckert, da wurde richtig geklotzt. Und dass ich mir nichts dabei gedacht hatte, weil E ungewöhnlich schlapp war, bevor die Freunde kamen.

An dieser Stelle muss ich es also gestehen: Auch ich gehöre nun zu dem Kreis der Mütter, die keine rechtzeitige Nachricht an die Besucher ausschicken, um die Einladung und damit eine Ansteckung der anderen Kinder zu vermeiden! Ein Geständnis, das mir nicht leicht fällt, da sich meine Meinung über Playdates mit vorhersehbarem Ansteckungspotential, nicht geändert hat seit meinem Beitrag über solche Bakterienfallen.

Ich, ICH (!), habe der Ausbreitung unseres Gastvirus aus dem neuen Kindergarten in benachbarte Täler im wahrsten Sinne des Wortes Tür und Tor geöffnet!

Für heute muss ich schließen, denn ich fühle mich nicht so gut. Oh weh! 38,2 Grad! Das sind auf meiner MAMA-Skala gefühlte 40 Komma ganz viel! Jetzt hat es mich auch erwischt!