Schlagwort: Kurzgeschichte

abc-Etüden: Von dieser Welt

Alle guten Dinge sind 3. Daher gibt es auch immer 3 Worte für die maximal 10 Sätze der abc-Etüden von Christiane. Die Wortspende kommt von Herbert, die Illustrationen von lz und – wer weiß – vielleicht fällt mir ja auch noch eine dritte Geschichte ein zu rosa-grün, verwurschteln und Achtsamkeit. Hier ist erst einmal meine zweite Idee, was die drei Worte miteinander verbinden könnte:

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„Hat Achtsamkeit eigentlich etwas mit der 8 zu tun, der chinesischen Glückszahl? Und wie wird eine Zahl überhaupt zu einer Glückszahl?“

Ihre Gedanken wanderten auf dem Heimweg von dem AA-Treffen fröhlich durch unterschiedliches Terrain.

„Nein, das deutsche Acht geben und die Ziffer 8 sind sprachlich nicht miteinander verwandt, auch wenn es so klingt, als könnte man es miteinander verwurschteln“ erklang eine blecherne Stimme hinter ihr.

Erschrocken drehte sie sich um und machte sogleich einen kleinen Satz rückwärts, als sie in ein grell rosa-grün leuchtendes Gesicht eines … eines … ja, wovon eigentlich? starrte.

„Aaaaahh, ein Alien!“ kreischte sie noch bevor sie sich bewusst wurde, was sie da rief und das unheimliche Verlangen nach einem starken Drink, das sie schon so lange nicht mehr verspürt hatte, erfasste sie ganz unmittelbar und heftig.

„Aaaaaah, ein Alien“ äffte sie ihr Gegenüber nach, ohne den Mund zu öffnen, der im übrigen ohnedies nur aufgemalt aussah.

„Gedankenlesen kann er und reden ohne den Mund aufzumachen auch, was für ein Typ!“ dachte sie völlig perplex, wobei sie sich gar nicht sicher war, ob sie eigentlich diese absurde Begegnung verrückter fand als die Erkenntnis, dass sie sich unheimlich angezogen fühlte von dem seltsamen Wesen mit den schräg stehenden Augen und dem auffälligen Teint.

„Ich muss dich enttäuschen, ich kann mir dir weder etwas trinken gehen, noch können wir danach andere Dinge bei dir oder bei mir tun, denn mein Körper ist nur eine äußerliche nicht funktionale Hülle“

„Oh!“ sagte sie und klang sichtlich enttäuscht, aber ein Mann, der Frauen auf Anhieb versteht und rundum perfekt ist, der konnte ja nicht von dieser Welt sein – oder irgendeiner anderen existierenden.

 

abc-Etüden: Bunte Welt

Bei den abc-Etüden von Christiane (3 Worte -> 10 Sätze) gibt es diesmal eine Wortspende von Herbert (und – wie gewohnt – Illustrationen von lz)

 

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„Herbert wer?“ fragte er unaufmerksam, ohne sie anzusehen.

„Dein Freund Herbert!“ antwortete sie genervt, weil sie es nicht ausstehen konnte, wenn er, statt dem Gespräch seine Aufmerksamkeit zu widmen, nur auf sein Handy starrte.

Ein bisschen mehr Achtsamkeit würde ihm nicht schaden.

Herbert hatte gestern davon gesprochen als sie nach der ersten Kursstunde noch gemeinsam auf ein Glas Rotwein gegangen waren.

„Achtsamkeit ist das, was wir brauchen, um uns selbst wahrnehmen zu können“ hatte Herbert gesagt und sie dabei mit seinen rehbraunen Augen lange angeschaut.

Ihr Mann sagte nie solche Dinge und würde schon gar nicht Kurse besuchen, die sich „Kreatives Schreiben kann man lernen“ oder „Finde zu Dir selbst“ nannten.

Sie schaute ihm zu, wie er versuchte, ohne das Handy aus der Hand zu legen, aus der Jacke zu schlüpfen und spürte wie der Ärger in ihr aufstieg.

„Musst du dein Gewand immer so verwurschteln?!“ zischte sie ihn an und stapfte ins Schlafzimmer.

Ihr Blick auf die Welt war längst nicht mehr nur rosarot, sondern eine seltsame rosa-grüne Mischung: Begegnungen mit Menschen wie Herbert erschienen in zart schimmerndem Altrosa, dachte sie aber an die scheinbar so perfekten Ehemänner ihrer Freundinnen wurde sie erbsengrün vor Neid.

abc-Etüden: Brrrmmmm….

Seit einer gefühlten Ewigkeit zuckelte sie nun schon hinter dieser PS-lahmen Knutschkugel her.

Auf der kurvigen Strecke gab es keine vernünftige Möglichkeit zu überholen und auf halsbrecherische Manöver ohne jede Weitsicht konnte sie liebend gerne verzichten.

Ihre Gedanken verloren sich irgendwo in den Untiefen ihres Verstandes.

Noch nie hatte sie verstanden, was Buben (und Männer) Spielzeug wie den Transformers abgewinnen konnten, aber nun lächelte sie bei der Vorstellung, wie bei der Verwandlung ihres eigenen Autos in einen übermächtigen Roboter allen anderen Verkehrsteilnehmern der Atem stocken würde.

Als Actionfigur könnte sie dann den nervtötenden Schleicher vor ihr genauso zur Seite räumen wie den lästigen Drängler hinter ihr.

Selbst den lebensmüden Halbstarken, der sie und das Töfftöff eben mit aufheulendem Motor direkt vor der Kehre überholt hatte, würde sie mit ein paar metallisch hallenden Schritten einholen und in der Hand einfach zerquetschen.

Und danach führte sie ihr Weg noch nicht einmal in den Beichtstuhl, um für diese Tat um Vergebung zu bitten, sondern einfach immer weiter auf den Straßen, hinaus in die große Welt voller Autobots – zu weiteren spannenden Actionabenteuern.

Grinsend stieg „MAMA-die Aufräumerin“ ein bisschen aufs Gas, nur um gleich darauf mit rasendem Herzen auf die Bremse zu springen, weil die Knutschkugel vor ihr die nächste Kurve tatsächlich im Schneckentempo zu nehmen gedachte.

Im Film sind Blechsalate cool, in Wirklichkeit aber einfach nur gefährlich.

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Noch ein Beitrag zu den dieswöchigen abc-Etüden von Christiane (aus 3 Worten werden maximal 10 Sätze), diesmal mit Bild und Wortvorgabe von lz, und mein „wörtlicher“ Beitrag zu mehr Sicherheit auf unseren Straßen  😉

abc-Etüden | ahnungslos voller Vorahnungen

„Mama, was ist eigentlich eine Knutschkugel?“

Mir stockt der Atem und ich muss aufpassen, dass mir das Buttermesser nicht aus der Hand fällt.

Der Schrecken, der mir in alle Glieder gefahren ist, kommt nicht so sehr daher, dass ich keine Ahnung habe, was eine Knutschkugel ist, da ich offen gesagt nur Begriffe wie Christbaumkugel und eventuell noch Rumkugel zuordnen kann. Nein, es ist dieses Bild, das ich vor meinem inneren Auge habe:

Die Verwandlung meiner kleinen, unschuldigen Tochter in eines von jenen, gegen die Welt und vor allem die Eltern rebellierende Individuen, die ihre tiefsten Geheimnisse nicht mehr im Beichtstuhl reumütig bekennen, sondern unter prepubertärem Gekichere nur noch mit ihren engsten Freundinnen teilen.

„Ich glaub mich knutscht ein Elch“ schießt es mir durch den Kopf, denn Antwort habe ich noch immer keine, aber den Boden der Vorstellung, die eigenen Kinder würden noch ein bisschen länger einfach nur Kinder bleiben, soeben unter den Füßen verloren.

Da ertönt plötzlich ein ohrenbetäubendes Gequietsche, das lauter und lauter wird, und die Stimme meiner kleinen Tochter völlig ausblendet.

Mit einem Ruck sitze ich aufrecht im Bett und taste verzweifelt und noch reichlich verwirrt nach dem Snooze-Button meines Weckers. Zum Glück alles nur geträumt, die Kinder stecken noch in der Trotzphase, nicht in der Pubertät! Die abc-Etüden-Wortspenden (und vor allem die Unbekannten darin) verfolgen mich also schon bis in meine Träume, aber Geschichte dazu habe ich noch immer keine!

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Oder doch?

Ein Beitrag zu Christianes abc-Etüden und der Wortspende von lz, dem Etüdenerfinder himself.

 

abc Etüden – Pling!

Pling! – das gleißende Licht überstrahlte sogar noch den Sonnenschein.

Splitternackt spazierte sie die Straße entlang und summte vergnügt vor sich hin.

Die Menschen, die ihr entgegenkamen starrten nicht auf ihren alternden Körper, an dem sicherlich nicht mehr alles ganz so hübsch anzusehen war wie noch vor ein paar Jahren, sondern nur auf ihren Kopf oder vielmehr das, was ihn umgab – den Heiligenschein.

Ein paar blieben stehen, schirmten ihre Augen mit den Händen ab und blinzelten angestrengt und völlig perplex in diesen hellen Kranz, der ihr ergrautes, wirres Haar umgab.

Ha, die Wette war so gut wie gewonnen, dachte sie erleichtert und suchte auf dem kaputten Walkie Talkie die richtige Frequenz, denn nach der Musik (die nur sie hören konnte), sollte das Interview mit ihr übertragen werden, live per Funk von ihrer Darbietung „Der Kaiserin neue Kleider“.

Zwei junge Herren in schicken Uniformen sprachen sie plötzlich an, baten sie darum, mitzukommen und einer legte sanft seine Hand auf ihren Arm und seine Jacke um ihre Schultern.

Sie fühlte sich geschmeichelt und schritt sichtlich stolz neben ihm her zur wartenden Limousine.

Nach einem ganzen Leben voller ausgefallener Einfälle wurde ihr endlich zuteil, was sie sich immer verdient hatte.

Während sie den Passanten auf der Straße durchs Fenster fröhlich zuwinkte, fuhren sie die Einfahrt zum Schloss hinauf. Auf dem Schild neben dem Tor stand „Krankenanstalt für Psychiatrie

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Noch ein Beitrag zu den abc Etüden von Christiane. Die drei Worte von ihr (Heiligenschein, Frequenz und erleichtert) sind eine wahre Fundgrube für die Fantasie 🙂