Für die abc-Etüden hat Pinselfisch für diese Woche drei besondere Worte ausgewählt:

Paradeiser

Schlawiner

Kinkerlitzchen

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Aus diesen 3 Worten in maximal 10 Sätzen 1 Geschichte formen, darum geht es in diesem spannenden Schreibexperiment zu dem Christiane einlädt. 

Das schöne Logo stammt von lz und hat mich sofort angesprochen: geheimnisvoll schwarz-weiß und ein bisschen gemütlich, so wie ein österreichischer Krimi. Zusammen mit den Vorgabewörtern schrieb sich die Geschichte dann fast von alleine.

Zum 1. Mai gibt es also einen kleinen Beitrag über die Sprache und andere Kinkerlitzchen 😉 , welche die Deutschen mit den Österreichern und Menschen überhaupt miteinander verbinden oder aber trennen.  

Hier ist mein fast-Wiener Krimi für Euch:



Der Inspektor hob mit einem angewiderten Gesichtsausdruck, vor allem aber der Spitze seines Kugelschreibers vorsichtig die Serviette in die Höhe, die auf dem Teller lag und schaute vorsichtig auf den Tellerinhalt darunter: Paradeiser und Gurken.

„Gurkensalat mit Tomaten“ sagte seine deutsche Kollegin, die sich neugierig neben ihn gestellt hatte, laut und mit einer Wichtigkeit, als wäre sie die einzige hier im Raum, die es sehen könnte.

„Das heißt nicht Tomaten, sondern Paradeiser“ knurrte der Inspektor leise, aber er wusste, dass es jetzt Wichtigeres zu tun gab, als sich über solche Kinkerlitzchen zu streiten.

Sie nickte nur, völlig ahnungslos darüber, dass der Wiener Kollege gewisse Vorbehalte gegen sie hegte, und posaunte schon bald beinahe fröhlich ihre Vermutung in den Raum, dass das  Mordopfer wohl ein Veganer gewesen sei, da nur Gemüse und verschiedene Getreidesorten in der Vorratskammer zu finden seien.

„Es trifft halt immer die Guten“ schloss sie ihre Theorie ab und blinzelte dem Wiener betrübt mit ihren hellblauen Augen zu.

„Veganer und Deutsche , die machen mir mein Leben schwer“ dachte der dem Fleischgenuss zugetane Inspektor bei sich und spürte ganz leise den Zorn in sich aufsteigen.

„Da hat sich ein Schlawiner so viel Arbeit mit einem Mord gemacht, und dabei wäre der Gemüsefresser sowieso bald verhungert“ sagte er wie beiläufig und widmete sich breit grinsend der Untersuchung der Mordwaffe.

Sie starrte erst ihn und dann das blutige Messer vor ihm auf dem Tisch mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund an.

In Mörder konnte sie sich manchmal hinein denken, aber karnivore Österreicher würden ihr wohl immer mehr als nur fremd bleiben.