Heute lese ich … über schwangere Frauen und große kleine Wunder

Die Schwangerschaft – unendliche Weiten. Als Trekkie liegt so eine Einleitung nahe, auch wenn sie recht plump daher kommt – eben so wie ich seinerzeit als Hochschwangere: Kurz vor dem Geburtstermin streikte die Grazie, die Füße glichen am Ende des Tages schon einmal den zarten Elefantenpfötchen eines Benjamin Blümchen und bei  Spaziergängen hätte ich im Schnaubwettbewerb jede Dampflok geschlagen. Ich konnte es kaum noch erwarten, den Nachwuchs endlich auf Händen tragen zu dürfen, statt im Bauch. Das zarte Kindelein zum Schlafen in ein weiches Bettchen legen zu können, und mich an seinem friedlichen Anblick zu erfreuen. Ach ja, und die Weiten – die zeigten sich dezent in der Kleidergröße der Umstandsmode.

Wir schreiben das Jahr 2000 und etliches. (Von der Star Trek Intro komme ich jetzt wohl nicht mehr so leicht weg). Drehen wir den Kalender aber doch bitte um gut 2000 Jahre (und etliches) zurück. Wo sind wir dann? Genau:

Dies sind die Abenteuer einer kleinen Familie, die lange unterwegs war, um sich in der Geburtsstadt des Mannes zur Volkszählung zu melden. Und damit sind wir auch schon mitten in der Geschichte, um die es heute gehen soll, der Weihnachtsgeschichte. Um diese Jahreszeit ist sie wohl die populärste, und passend zum Science Fiction Klimbim, das ich als festlichen Schmuck gewählt habe, und dem Föderationsgedanken im Star Trek Universum stehen auch hier strahlende Sterne, Völker und Frieden im Mittelpunkt.

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Der Plot ist sicherlich bekannt. Die Kurzfassung lautet in etwa:

Ein Handwerker namens Josef ist mit einer jungen Frau unterwegs. Sie heißt Maria und ist schwanger, beteuert jedoch, immer brav und anständig gewesen und deshalb von Gott auserwählt worden zu sein. Die Reise zu Fuß und zu Esel dauert lange und ist beschwerlich. In Betlehem suchen die beiden nach einer Unterkunft, aber alle Zimmer sind belegt. Ein Junge aber hat Erbarmen mit den beiden und zeigt ihnen einen Stall, in dem frisches Stroh liegt. Dort bringt Maria in der Nacht ihren Sohn zur Welt, ganz alleine, nur unterstützt durch einen Zimmermann, in Gegenwart der Stalltiere. Statt eines weichen Bettchens muss das Neugeborene in der Futterkrippe liegen. Ochs und Esel begreifen schnell, was die Wirte nicht sehen wollten: Es handelt sich nicht um eine gewöhnliche Familie. Auch die von weit her angereisten Weisen deuten die Geburt aufgrund des Sterns über der Krippe als ein außergewöhnliches Ereignis.

Meine kleine 1½-jährige Z liebt das Buch. Jeden Abend nimmt sie alle Figuren sorgfältig heraus und blättert dann von hinten nach vorne, um alle wieder an ihren Platz zu stecken. Danach fängt geht es von vorne wieder los – bis die Mama das Licht ausmacht.

Die Kartonseiten und herausnehmbaren Figuren, die zu einer hübschen Krippengruppe (mit einem Engel, den drei Weisen, einem Schafhirten, Kindern, einem Schaf, Ochs und Esel und natürlich der heiligen Familie) zusammengestellt werden können, sind ausreichend dick und haben bisher die nicht immer ganz feinfühlige Handhabung durch zwei Kinder gut überstanden.

Meine 3½-jährige E lässt sich die Geschichte immer noch gerne vorlesen und hilft der kleinen Schwester auch fleißig beim Herausnehmen und Hineinstecken der Figuren. Dadurch wird zwar mitunter der Vor-Weihnachtsfrieden kurzfristig gefährdet, weil die Kleine gar keine Hilfe will, aber insgesamt ist das Buch eine Bereicherung für gemeinsame Lesezeiten.

Es vereint die (in Haba-Manier) sehr nett gezeichneten Bilder mit einer Feinmotorikübung für ganz junge „Leser“ und der Grundessenz des Weihnachtsfestes, in Worten, die auch Kindergartenkinder verstehen. Ach, natürlich darf man die Krippe nicht vergessen!

Ein wirklich schönes Buch, das Freude bereitet.

Um den Bogen nun wieder zur Einleitung zu bekommen: Mir persönlich gefallen einige Details besonders gut, zum Beispiel die Darstellung einer sich im Schatten ausruhenden schwangeren Maria (während ein böse drein blickender Wirt dem armen Josef ganz offensichtlich jede Hilfe verweigert). Ein Kinderbuch, in dem die Strapazen der Herbergssuche realistisch wiedergegeben werden statt sie zu verklären. Dieses Buch handelt von einer längst vergangenen Reise und erscheint mir doch sehr aktuell.

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Im Hintergrund lehnt sich Maria im Schatten des Hauses verschnaufend an die Wand. Josef scheint seine gute Laune selbst bei vielen Absagen nicht zu verlieren

Ein Beitrag inspiriert durch die Rubrik „Heute lese ich …“ von Wortgeflumselkritzelkram

 

6 Gedanken zu “Heute lese ich … über schwangere Frauen und große kleine Wunder

  1. Die Geschichte kommt mir sehr bekannt vor. Also die des Konfliktpotenzials zwischen dem „Unbedingthelfenwollen“ und dem „Aufkeinenfallgeholfenwerdenwollen“. Die im Buch erzählte Geschichte ist mir neu – aber sie klingt irgendwie … äh … nett. Oder auch nicht.
    Ja, die abgebildete Maria wirkt sehr überzeugend und schaut bis ins kleinste Detail nach wirklichem Leben aus.

    Gefällt 1 Person

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