Schlagwort: Österreich

Urlaubsimpressionen (Teil 1)

Da der Kindergarten- und Büroalltag bei uns schon wieder losgegangen ist, noch rasch ein paar Urlaubsimpressionen ehe sie im Trubel des Alltäglichen untergehen:

Kann sich noch jemand an die Zeit erinnern, in der alle anderen rundherum mindestens einen Kopf größer sind? Ich mich jetzt schon wieder, denn im Urlaub erlebten wir bei mehreren Autofahrten folgende Situation:

Wir fuhren durch eine wildromantische Landschaft. In den Kindersitzen auf der Rückbank die 4-jährige E und die 2-jährige Z. Da plötzlich taucht ein Wasserfall auf.

Eltern:“Da schaut! Ein Wasserfall!“
Die 4-jährige: „Boah, der ist ur-super!“
Die 2-jährige Z: „Wo??? Ich sehe ihn nicht!!!
Eltern: „Jetzt sind die Bäume vor. Aber da ist noch einer!“

Die 4-jährige: „Boah, noch ein Wasserfall!“
Die 2-jährige Z: „Wo? Wo??? Ich sehe ihn nicht!!!
Eltern: „Macht nichts, schaut da sind Ziegen!“
Die 4-jährige: „Boah, Ziegen! Meck meck!“
Die 2-jährige Z: „Wo? Wo??? Ich sehe die Ziegen nicht!!!

Eltern: „Noch ein Wasserfall!“
Die 4-jährige: „Boah, so viele Wasserfälle!“
Die 2-jährige Z: „Wo? Wo??? Ich sehe sie nicht!!!

Urlaub in den Bergen: Tolle Landschaft und ein frustriertes Kleinkind. Zum Glück konnten wir ein paar Wasserfälle, Ziegen und Berge fotografieren.

berg-ggwasserfall_spielplatzziege_liegend

 

Die Zeit der Zusammenkunft ODER Wie aus einem Wiener Bären ein schottischer Krieger wurde

Eltern, Tanten, Onkel, Omas und Opas werden die Situation kennen: Die Kinder erfinden ad hoc ihr eigenes Spiel und die Regeln sind für Außenstehende (oder -sitzende wie die Mama auf der Bank am Spielplatz) gelinde gesagt nicht durchschaubar. Selbst wenn mir E die Regeln ausführlich … Die Zeit der Zusammenkunft ODER Wie aus einem Wiener Bären ein schottischer Krieger wurde weiterlesen

patschert – Kleine Österreichkunde

Patschert

Wer es nicht kennt, dieses Wort, auf den trifft es vielleicht einfach nicht zu. Er oder sie hat es entweder noch nie zu hören bekommen, weil er oder sie nicht so ungeschickt ist, oder aber ein patschertes Verhalten wird in seiner/ihrer Gegend einfach anders genannt. Bei uns nennt man es jedenfalls patschert („botschat“ ausgesprochen). Bedeutung: Ungeschickt, unbeholfen.

Ich vermute ja es kommt von

hatschert

Das wiederum bedeutet humpelnd, hinkend und leitet sich angeblich vom Hadsch, der Pilgerreise nach Mekka ab. Wenn Österreicher hatschen, dann gehen sie mühsam oder humpelnd. Und je patscherter man ist, desto eher wird man auch zum Hatscherten.

Der klassische Tag,

um die beiden Worte ausgiebig zu verwenden, sieht folgendermaßen aus:

Man ist gerade damit beschäftigt, den Haushalt (durch Multitasking – ja, wir Frauen glauben, dass das funktioniert!) mit links zu schupfen. Dabei ramme man sich eine Türschnalle schwungvoll, aber nicht leise in den Oberarm, bei dem Versuch, eine halb geöffnete Türe tangential zu nehmen.

Geräuscharme Verletzungen fallen übrigens nicht in die Kategorie „patschert“. Nur wenn das Wehwehchen aufjaulend und unter allgemeinem Zusammenlauf einer Menschenmenge, eventuell der zufällig in der Wohnung anwesenden Familienmitglieder, erlitten und danach noch stundenlang bejammert wird, kann die Verletzung als „patscherter Zwischenfall“ verbucht werden.

Kaum hat man sich von dem Bodycheck der Türschnalle halbwegs erholt, eile man ins nächste Zimmer, die Augen starr auf das Ziel gerichtet und donnere vorzugsweise mit der kleinen Zehe des rechten Fußes gegen das Standbein des Heimtrainers, der generell nur als Kleiderständer und Kinderturngerät genutzt wird.  In jenem Moment, der in Comics gerne durch um den Kopf kreisende Vögel dargestellt wird, erinnert man sich auch wahrlich schmerzlich daran, dass es eben jener Fuß war, der vor nicht allzu langer Zeit aufgrund eines Bruches im Mittelfuß arg in Mitleidenschaft gezogen worden war.

Während man sich – in den eigenartigsten Tonlagen quietschend – am Boden krümmt, kann man übrigens in aller Ruhe auch durchdenken, welche Aufgaben in nächster Zeit anstehen:

  • Unter dem Bett staubsaugen
  • Kindern erlauben ein Coolpack aus dem Kühlschrank zu holen
  • der Zweijährigen wieder und wieder versichern, dass es die kleine Zehe des rechten Fußes ist, die man sich gestoßen hat, während der linke Fuß nichts abgekriegt hat
  • Röntgenaufnahme machen lassen, um die Selbstdiagnose der vollkommenen Zertrümmerung aller nur denkbaren Mittelfußknochen ärztlich bestätigen zu lassen
  • Zeitpuffer einplanen auf dem Weg ins Büro, weil die Hatscherei mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, als der „Alltagstrott“, in dem man gewöhnlich unterwegs ist

Aus patschert wird also schneller hatschert als einem lieb ist. Zumindest bei uns in Österreich.

Und wie heißt es bei euch, wenn ihr mal einen Autsch-Aua-Auuuuu! Tag habt?

 

goldenes-dach
Innsbruck (mit seinem goldenen Dachl) liegt ja eingebettet zwischen Nordkette  (siehe Bild oben) und dem Patscherkofel (Bild unten)
patscherkofel
Das „Patsch“ in Patscherkofel leitet sich vermutlich vom Ort Patsch, früher Patsche (Matsch, aufgeweichte Straße) ab

abc-Etüden: abgrund|tief

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Kaum hatte sie sich auf das Badetuch gelegt, schloss sie die Augen und dachte lächelnd an den gestrigen Abend, an dem sie nach einer halben Ewigkeit wieder einmal das Tanzbein geschwungen und sich richtig gut amüsiert hatte. Es war sehr spät geworden und heute war sie todmüde.

Ihr kleiner Sohn war im Sandkasten am Hotelspielplatz in Sichtweite mit Schaufel und Kübel beschäftigt.

Ach Mensch, was ist denn das für ein riesiger Krater da in der Buddelkiste?!

Eine sehr laute Stimme mit unverkennbar deutschem Akzent ließ sie aus dem Schlaf hochschrecken. Ein älterer Herr mit kugelrundem Bauch und sonnenverbrannter Glatze schwadronierte über die Ansprüche der Kinder heutzutage, die sich mit nichts Einfachem mehr zufrieden geben würden, sondern ständig mit irgendwelchen Action-Abenteuern unterhalten werden müssten.

Verwirrt schaute sie hinüber zum Sandkasten, aber statt ihres Buben sah sie nur ein riesiges Loch und noch bevor sie einen klaren Gedanken fassen konnte, war sie schon aufgesprungen und hinüber gelaufen. Ihre Stimme überschlug sich vor Panik als sie vor dem Loch kniend nach ihrem Felix brüllte und sich so weit als möglich über das Schwarz des bodenlosen Abgrundes beugte.

Ja, Mama?“ hörte sie die vertraute Stimme ihres Jungen plötzlich hinter sich.

Als sie sich erleichtert umdrehte, spürte sie, wie ihre Füße den Halt verloren und der Sand unter ihr zu rutschen begann.


Ein Beitrag zu Christianes abc-Etüden und den drei Worten von Ulli 

el und erl – Österreich Edition

El – español? No, no!

Erl – könig? Aber nein! Obwohl mich dieses Gedicht schon als Kind fasziniert hat.

Im Österreichischen enden viele Dinge auf -el bzw. -erl oder gar -dl, zum Beispiel Knödel, Knöderl (kleiner Knödel), Semmel oder Semmerl, das Radel („jo, mir san mim radl do“), Gurkerl (kleine Gurke), Sackerl (Tüte), Nockerl und die Bockerl (Kiefernzapfen).

Diese Endungen kommen den Bewohnern Meidlings (12. Wiener Gemeindebezirk) besonders entgegen, denn dort heißt Meidling ja eher MeidLLLing. Ein verlängert gerolltes L. Ein -erl am Schluß wird dann als -al oder Meidlingerisch als -aLLL ausgesprochen, also Semmal, Häfal (Tasse), Kammal (Kammer), Glockal (Glöckchen).

Die Buchstabenkombinationen mögen jedoch nicht allen leicht fallen, insbesondere, wenn man Deutsch als Fremdsprache erlernt, oder überhaupt gefallen. Manch einer wird darüber die Nase rümpfen, weil sie verniedlichend und daher dümmlich wirken. Aber so dumm sind wir Österreicher dann doch auch wieder nicht, dass wir zum Beispiel überall drauf schreiben müssten, wie wir zu einem Ding sagen, oder doch?

kastal
Kein Kastell, sondern ein kleines Kasterl, also „Kastal“