Schlagwort: Liebe

abc-Etüden: Bunte Welt

Bei den abc-Etüden von Christiane (3 Worte -> 10 Sätze) gibt es diesmal eine Wortspende von Herbert (und – wie gewohnt – Illustrationen von lz)

 

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„Herbert wer?“ fragte er unaufmerksam, ohne sie anzusehen.

„Dein Freund Herbert!“ antwortete sie genervt, weil sie es nicht ausstehen konnte, wenn er, statt dem Gespräch seine Aufmerksamkeit zu widmen, nur auf sein Handy starrte.

Ein bisschen mehr Achtsamkeit würde ihm nicht schaden.

Herbert hatte gestern davon gesprochen als sie nach der ersten Kursstunde noch gemeinsam auf ein Glas Rotwein gegangen waren.

„Achtsamkeit ist das, was wir brauchen, um uns selbst wahrnehmen zu können“ hatte Herbert gesagt und sie dabei mit seinen rehbraunen Augen lange angeschaut.

Ihr Mann sagte nie solche Dinge und würde schon gar nicht Kurse besuchen, die sich „Kreatives Schreiben kann man lernen“ oder „Finde zu Dir selbst“ nannten.

Sie schaute ihm zu, wie er versuchte, ohne das Handy aus der Hand zu legen, aus der Jacke zu schlüpfen und spürte wie der Ärger in ihr aufstieg.

„Musst du dein Gewand immer so verwurschteln?!“ zischte sie ihn an und stapfte ins Schlafzimmer.

Ihr Blick auf die Welt war längst nicht mehr nur rosarot, sondern eine seltsame rosa-grüne Mischung: Begegnungen mit Menschen wie Herbert erschienen in zart schimmerndem Altrosa, dachte sie aber an die scheinbar so perfekten Ehemänner ihrer Freundinnen wurde sie erbsengrün vor Neid.

Treffpunkt Blumenbeet

196 andere Wörter rund um 4 ausgewählte drapieren? Die Double-Drabble Aufgabe von Christiane:

drabblemezzo 2 | 365tageasatzaday

 

Nervös knabberte sie an dem Schokokeks. Schokolade beruhigt. Das Geschenk der Azteken an die Nachwelt. Ihr Blick haftete auf den Sonnenblumen im Beet vor ihr. Niemand sonst hier im Park schien sie zu beachten, diese wunderschönen Blumen. Schon als Kind liebte sie sie. Drei Sonnenblumenkerne hatte sie einst zu Hause auf dem Fensterbrett in einem Topf eingepflanzt. Jeden Tag schaute sie ihnen beim Wachsen zu. Ihre langen Schatten tanzten in der Abendsonne an der Wand. Welch wunderbar verträumte Zeit das war, die Kindheit.

Mit einer Flaschenpost, die sie von der Brücke geworfen hatte, meinte sie in die große weite Welt hinaus rufen zu können. Sie war sich sicher, dass jemand auf ihren Brief antworten würde. Wieder und wieder schaute sie im Briefkasten nach, ob nicht Post aus einem fremden Land gekommen war. Hätte sie gewusst, dass die Flasche es nur bis zum Rechen des kleinen Kraftwerks flussabwärts geschafft hatte, wäre sie den ganzen Sommer über voller Trübsal gewesen. So aber war sie hoffnungsfroh und aufgeregt.

Aufgeregt war sie auch jetzt. Würde ihr Blind Date erscheinen? Da kam ein junger Mann in den Park, pflückte schnell eine der Sonnenblumen ab und kam dann geradewegs auf sie zu. Ihr stockte der Atem.

T

Nachdem der gestrige Titel so lang und sperrig war, halte ich es heute einmal richtig kurz: T.

Also Tee natürlich. War ja klar, oder?


E liebt es derzeit Blumensträuße zu pflücken. Neulich kam sie mit zwei weißen Blüten an, hielt sie mir vor die Nase und fragte, ob wir daraus einen Tee kochen könnten. Ich roch an den Blüten und befand das Gepflückte für teetauglich. Allerdings konnte ich die Pflanze nicht wirklich zuordnen. Abends vor dem Zähneputzen schalteten wir also den Wasserkocher ein …

… und am nächsten Morgen erinnerten wir uns auch irgendwann daran, dass wir ja Tee hatten kochen wollen. Ich schaltete den Wasserkocher also erneut ein und mein Mann suchte noch kurz, um welche Pflanze es sich denn nun handeln könnte.

In der Teekanne verfärbte sich das Wasser zur Freude der Tochter tatsächlich zu einem Kräutertee und kaum war er zugestellt, schon rief mein Mann: „Das dürfte eine Schafgarbenart sein

Zufrieden schenkte ich den Töchtern einen kleinen Schluck zum Kosten ein. „Und wofür trinkt man den?“ fragte ich dann noch beiläufig meinen Mann. Seine kindersichere Antwort lautete: „Frauenprobleme„.

Meine Antwort war wie zu erwarten: „Ach, der hilft gegen Männer?!

*höhö – Übrigens: Humor hält die Liebe jung, hoffe ich mal*

bigben
Der 5 Uhr Tee ist schon vorbei!

abc-Etüden (2) | Romeo und Julia 2017

Eine Geschichte habe ich noch für Christianes Einladung zu den abc-Etüden. Die 3 Worte kommen diesmal von wortgeflumselkritzelkram und brodeln von selbst vor sich hin in der sommerlichen Hitze. Dabei hat der Bunker eine so bittersüße, dunkle Anziehungskraft, dass die Fantasie selbst in einer lebendigen, bunten Wiese voller Sommerblüten nur tragische Geschichten ersinnt, wie mir scheint:


Lachend liefen sie um die Mauerreste des alten Bunkers am Waldrand. Wie Kinder schrien sie vor Vergnügen, laut und ungehemmt, ganz in den Rollen ihres Nachlaufspiels gefangen.

Romeo und Julia nannten sie sich gegenseitig und kicherten andauernd wie es nur verliebte Teenager können.

Irgendwann ließ sie sich in den Wiesenstreifen mitten in die Sommerblüten des Mohns fallen, der wie ein rotes Band den grünen Wald vom satten Gelb des Feldes trennte. Bittersüß fühlte sie sich an, die ängstliche Vorfreude in ihrem Herzen. Dann endlich setzte er sich zu ihr und zog eine kleine Plastiktüte aus seiner Hosentasche.

Wollen wir?“ fragte er noch etwas außer Atem, verführerisch, aber auch etwas unsicher, ob sie sich nun endlich trauen würde.

Klar“ hörte sie sich selbst sagen und streckte zitternd die Finger nach einer der kleinen runden Tablette mit Smiley aus.

lz abc.etueden schreibeinladung 3 wortgeflumselkritzelkram 24.17 | 365tageasatzaday