Schlagwort: Liebe

abc-Etüden: Hecken|schützen (Teil 2)

Und da mir das Paar rund um die Geschichte der Wortspende von wortgerinnsel zu Christianes Schreibeinladung nicht aus dem Kopf gehen wollte, noch eine kurze Fortsetzung und Aufklärung ;). Illustration von lz.

2017_47.17_eins_lz | 365tageasatzaday

 

Pissnelke?! Wie kommst du denn auf dieses hässliche Wort?“ rief sie schockiert und sah ihren Mann völlig verständnislos an.

Seine langen, schlanken Finger spielten ein wenig nervös mit den krümeligen Resten seiner Semmel auf dem Teller, während ein Lächeln über sein Gesicht huschte.

„Entschuldige, Liebes“, brummte er, ohne seine Augen vom Blumenbeet an der Straße zu nehmen.

„Ich wollte dich nicht echauffieren, aber der Hund des Nachbarn hat eben an deine rosa Nelken gepinkelt, jetzt müssen wir sie wohl Pissnelken nennen“.

Ein stimmloses Lachen entkam ihm, das ihn wie einen zappelnden Fisch an Land schweigend den Mund weit aufreißen ließ, ohne dass ein Ton zu vernehmen war.

Da konnte sie sich jetzt noch so verdrehen und versuchen, wütende Blicke über den Zaun zum Nachbarn zu werfen, ihren Federnelken würde fortan statt dem lieblich süßen Blumenduft nur noch der Gestank dieser kleinen Töle anhaften, da war sie sich sicher.

Mama kurz gefasst – aufmerksame Liebe

Zu Fuß unterwegs in der Stadt: Verkehrslärm, Herumgehample der Kinder, etwas Stress bei der Mama, um ihre beiden Hampelinchen von der Gehsteigkante fernzuhalten, da Lastwägen und Autos vorbeibrausen. Unterhaltung ist dementsprechend schwierig. Trotzdem plappern die Dreikäsehochs munter vor sich hin, links und rechts von mir. Ich vernehme nur Wortfetzen, und was ich hören kann ergibt auch nicht immer Erwachsenensinn. Plötzlich sagt E laut und deutlich:

Ich liebe den Papa!

Ich bin entzückt und lächle vor mich hin als E, nach einer kurzen Pause fortfährt:

Und dich Mama, dich …

Das Kind legt den Kopf in den Nacken, um mich anzusehen, ich spüre wie mein Mutterherz ein bisschen schneller schlägt.

… ein Flugzeug, das blinkt!

An der Aufmerksamkeitsspanne müssen wir noch arbeiten und vielleicht erfahre ich eines Tages, was sie mir noch sagen woll…. oh schaut mal, ein schlafender Igel, da im Garten!

igel

 

 

abc-Etüden: Theoretischer Aufriss

 

017_42.17_eins_lz | 365tageasatzaday

„Wollen wir versuchen das Zweibrücken-Problem gemeinsam zu lösen?“ fragte er seine hübsche Kommilitonin, um mit ihr ins Gespräch zu kommen.

Sie sah von ihrem Topologiebuch überrascht auf und lächelte ihn an.

Dann legte sie behutsam ein Lesezeichen in ihr Buch, klappte selbiges zu und sagte mit ruhiger Stimme: „Es heißt Königsberger Brückenproblem und es sind sieben Brücken.“

„Verdammt!“ murmelte er in seinen Hippsterbart, während ihre strahlend blauen Augen seine Mimik lasen.

Sein hormongeflutetes Gehirn  suchte verzweifelt nach einem intelligenten Spruch.

Sie wartete schweigend ab.

Nach einer kleinen Weile legte sie ihre Hand sanft auf seinen Unterarm, sah ihm direkt in die Augen und meinte versöhnlich: „Macht doch nichts, die Dummheit der Menschen ist grenzenlos. Ich überschreite gerne Grenzen“


verdammt
Zweibrücken
grenzenlos

Das sind die Worte, die diese Woche die künstlerisch begabte und lebenserfahrungsreiche Gerda Kazakou aus Griechenland (gerdakazakou.com) für Christianes abc-Etüden beigesteuert hat. Die Illustration kommt von ludwigzeidler.de 

 

Und Winnie ging über den Regenbogen

Es war fragwürdig, ob das teuer erkaufte Monat gut war.

Für ihn war es definitiv sein schlechtestes.

Moderne Medizin macht Mögliches machbar, aber ob das immer wünschenswert ist?

Doch die Liebe lässt nur ungern los, leidet schon bei der Vorstellung des Verlusts und klammert sich wimmernd an jeden geknickten Strohhalm.

Aus dem vertrauensvollen Blick, dem schmeichelnden Schnurren und dem eleganten Gang war innerhalb kürzester Zeit ein verängstigtes Wesen geworden, das statt Nähe nur noch Ruhe wollte, ein Häufchen Elend, leicht wie eine Feder, tonnenschwer auf meinem Gewissen.

Es heißt, geliebte Tiere würden, wenn sie gestorben sind, über die Regenbogenbrücke gehen, an deren Ende sie dann auf ihr Herrchen oder Frauchen warten.

Sollen sie, erlöst von körperlichen Leiden, schmerzlichen Alterserscheinungen, bis in alle Ewigkeit damit verbringen, nur zu warten?

Nein, lasst sie doch laufen über blühende Wiesen, in frischem, weißen Schnee toben, in Flüssen baden, auf Bäumen klettern, sich in die Lüfte des erheben – frei, frei, endlich frei!

Und auf dem letzten gemeinsamen Weg war da plötzlich dieser Regenbogen vor uns am Horizont, das Ende unserer Reise war gekommen.

regenbogen

 


Aus gegebenen Anlass habe ich die drei Worte von Red Skies over Paradise für die abc-Etüden bei Christiane aufgegriffen und in einen recht persönlichen Text verpackt.

Wenn das Licht ausgeht

Es war einmal ein kleiner Kater, der kam im Oktober in einem hübschen Haus mit Garten irgendwo im Herzen Niederösterreichs zur Welt. Er tobte mit seinen Geschwistern herum und wusste gar nicht, dass die Welt noch viel größer war als ein paar Zimmer.

Ein „Herbstkatzerl“ nannte ihn die Frau. Das sind die schwächlichen, die Nachzügler. Aber er gefiel ihr, mit seinem weiß-braun-rötlichen Fell und den aufgeweckten Augen.

„Den mag ich eh nicht!“ meinte das Kind und war froh, dass sie nicht sein Lieblingskätzchen mitnahmen.

So übersiedelte der Kater und lernte andere Tiere kennen. Und neue Orte und Menschen. Jeder Wechsel ängstigte ihn erst ein bisschen oder auch sehr stark, aber dann fand er seinen Platz und alles war gut.

Er war der Umgängliche, der Schlaue und der mit den verrücktesten Ideen. In seinem Herzen hatten sie alle Platz, die schwierigen Kater, die verwöhnten Katzen und besonders die Menschen, egal wie groß oder klein und laut sie waren. Er mochte sie alle und vertraute ihnen, denn er wusste, es war seine Familie.

Heute wäre er 15 Jahre alt geworden.

 

Vor ein paar Tagen hörte sein Herz auf zu schlagen.

 

Wir vermissen dich sehr, lieber, frecher Kater!

 

 

 

abc-Etüden: Bunte Welt

Bei den abc-Etüden von Christiane (3 Worte -> 10 Sätze) gibt es diesmal eine Wortspende von Herbert (und – wie gewohnt – Illustrationen von lz)

 

2017_38.17_1_eins_lz | 365tageasatzaday

„Herbert wer?“ fragte er unaufmerksam, ohne sie anzusehen.

„Dein Freund Herbert!“ antwortete sie genervt, weil sie es nicht ausstehen konnte, wenn er, statt dem Gespräch seine Aufmerksamkeit zu widmen, nur auf sein Handy starrte.

Ein bisschen mehr Achtsamkeit würde ihm nicht schaden.

Herbert hatte gestern davon gesprochen als sie nach der ersten Kursstunde noch gemeinsam auf ein Glas Rotwein gegangen waren.

„Achtsamkeit ist das, was wir brauchen, um uns selbst wahrnehmen zu können“ hatte Herbert gesagt und sie dabei mit seinen rehbraunen Augen lange angeschaut.

Ihr Mann sagte nie solche Dinge und würde schon gar nicht Kurse besuchen, die sich „Kreatives Schreiben kann man lernen“ oder „Finde zu Dir selbst“ nannten.

Sie schaute ihm zu, wie er versuchte, ohne das Handy aus der Hand zu legen, aus der Jacke zu schlüpfen und spürte wie der Ärger in ihr aufstieg.

„Musst du dein Gewand immer so verwurschteln?!“ zischte sie ihn an und stapfte ins Schlafzimmer.

Ihr Blick auf die Welt war längst nicht mehr nur rosarot, sondern eine seltsame rosa-grüne Mischung: Begegnungen mit Menschen wie Herbert erschienen in zart schimmerndem Altrosa, dachte sie aber an die scheinbar so perfekten Ehemänner ihrer Freundinnen wurde sie erbsengrün vor Neid.