Schlagwort: Lesen

Das F-Wort

Achtung: Der folgende Text ist für empfindsame Gemüter möglicherweise nicht geeignet! Bekommt ihr auch solche Zustände, wenn ihr in der Qualitätszeitung eures Vertrauens das F-Wort zu Gesicht bekommt? Das gehört da einfach nicht hin. Keiner will das lesen. Wer braucht solche Zumutungen? Mir wird tatsächlich … Das F-Wort weiterlesen

Heute lese ich … über Reisefreuden und Verlustängste

Es gibt Freunde im Leben, die möchte man nicht missen. Sie sind immer für einen da, wenn man sie braucht, man versteht sich fast auch ohne Worte und wenn einer Trost braucht, ist der andere ohne Wenn und Aber zur Stelle. Solche Freunde müssen nicht unbedingt aus Fleisch und Blut sein. Sie können virtuell existieren oder aber auch nur aus Plüsch oder Plastik sein (wobei ich über Plastikfreunde für Erwachsene lieber kein Wort verlieren möchte, das Ganze hier läuft ja doch unter dem Titel Mama-Blog). Die Rede ist vielmehr vom besten Freund des Kleinkindes: Puppen und Kuscheltieren.

Unsere kleine Z hat so einen treuen Begleiter aus Stoff – ihren Kuschelleoparden. Wie wir zu dem Tier kamen, habe ich schon einmal erzählt, es hat mit meiner Prinzipientreue und einer unheimlichen Sehnsucht nach Ordnung zu tun.

Die Treue war es auch, die mich nun dazu veranlasst hat, endlich über das Buch „Briefe von Felix – ein kleiner Hase auf Weltreise“ (Annette Langen, Verlag Coppenrath) zu schreiben. Dieses geographisch lehrhafte und – zum Vorlesen – recht umfangreiche Buch beginnt mit dem folgenden Satz:

„Gegen Ende der großen Ferien ist etwas Furchtbares passiert.“

felix-briefe

Damit beginnt auch meine heutige Geschichte:

Gegen Ende der Osterferien ist etwas Furchtbares passiert. Wir fuhren in die große Stadt zu einem Baumarkt, um ein paar Pflanzen für den Garten zu kaufen und machten noch einen Zwischenstopp bei einem Spielplatz. Ein Baumarktbesuch ist jetzt an sich noch nichts Fürchterliches, sondern meist sogar sehr aufregend, sowohl für die Kinder als auch (nur in ganz anderer Weise) für die Eltern, die auf die Kinder aufpassen müssen. Auch Spielplatzbesuche übersteht man gewöhnlich ganz gut. Alle waren also zufrieden und etwas müde als sie nach getaner Auswahl des Grünzeugs ins Auto stiegen, bis …

In dem Buch geht es so weiter: Der Kuschelhase Felix verschwindet auf dem Flughafen plötzlich (aufmerksame Bildbetrachter werden feststellen, dass er sich auf ein Gepäcksförderband verirrt hat), und obwohl Sophie und ihre Familie überall suchen, taucht der Hase vor dem Abflug nicht mehr auf. Die Heimreise muss daher ohne Hasen angetreten werden. Wie sich die kleine Sophie dabei fühlte wird sehr eindrücklich geschildert:

„Sophie bekam einen dicken Kloß im Hals: Was nur, wenn Felix für immer und ewig verloren ist?“

…bis ich feststellte, dass der Leopard nicht da war. Beim Anschnallen der kleinen Z bemerkte ich sein Fehlen. Nichts, nirgends war er zu finden. Ich suchte überall – auf der Rückbank, unter den Sitzen, unter dem Auto. Ich bekam einen dicken Kloß im Hals. Was nur, wenn der Leopard für immer weg war?! Mein Mann und ich schauten rundherum auf dem Parkplatz, unter den anderen Autos (es war sehr windig), doch wo wir auch suchten, der Leopard blieb verschwunden.

Kuschelhase Felix schickt Sophie dann regelmäßig Briefe von seinen vielen, vielen Abenteuerdestinationen: Es verschlägt ihn nach England, Frankreich, Italien, Amerika und sogar bis nach Afrika! Dabei erfährt man ein paar Dinge über den jeweiligen Ort, an dem sich Felix gerade aufhält und – das ist das ganz Besondere an diesem Buch – es gibt auch jeweils wirklich einen echten Brief, der aus einem Kuvert herausgenommen werden kann und den Felix mit krakeliger, aber gut lesbarer Schrift geschrieben hat.

Unsere E mag das Buch sehr und die Sache mit den Briefen macht das Vorlesen ganz speziell.

Wie aber ging es bei uns und unserem vermissten Leoparden weiter?

Wir mussten losfahren, machten aber noch einen Umweg zurück zu dem Spielplatz. Mein Mann und ich liefen herum und suchten und suchten. Vergeblich. Wie würden wir das unserer kleinen Z am Abend beim Einschlafen erklären? Welches der Kuscheltiere könnte den Leoparden so rasch ersetzen? Wer würde Z in den Kindergarten begleiten? Fragen über Fragen quälten mich und mein Herz wurde schwerer und schwerer.

Sah Sophie ihren ausgesprochen reisefreudigen (und meiner Ansicht nach eigentlich recht egoistischen) Kuschelgefährten jemals wieder?

Achtung, Spoiler: Ja. Er kehrte zu ihr zurück, nachdem ihn dann doch irgendwann das Heimweh plagte – und er sich schon die halbe Welt angesehen hatte *hüstel*

“ ‚Felix, ach Felix!‘ ruft sie immer wieder. Sophie umarmt ihren Kuschelhasen, schaut ihn an und umarmt ihn wieder“

Und unser Leopard?

So viel kann ich gleich vorab verraten: Briefe schrieb er uns keine, aber er bekam ja auch nicht die Gelegenheit dazu, denn:

Nachdem wir keinen Stoffleoparden im Gras oder auf dem Weg finden konnten, fiel mir ein, dass gefundene Dinge von freundlichen Mitmenschen manchmal aufgehoben und irgendwo erhöht platziert werden, auf einem Zaun oder einer Sitzbank. Vielleicht, damit sie besser gesehen werden, vielleicht damit sie nicht schmutzig oder gar zertreten werden. Ich sah mich um, wo man eine Fundsache hinlegen könnte und erblickte plötzlich unseren Leoparden! Oben auf dem Stoppschild an der Straße!

„Leopard! Ach Leopard!“ rief ich, nahm ihn herunter und umarmte ihn ganz fest. Dann zeigte ich ihn meinem Mann und umarmte ihn wieder.

Ich musste mich also nur ein paar Minuten um den Leoparden (und das Seelenheil meiner kleinen Z) sorgen, Sophie vermisste ihren Felix ein ganzes halbes Jahr!

Und das nur, weil er Reisen lustiger fand als Gesellschafter für ein kleines Mädchen zu spielen und offenbar an einem rechten Empathiemangel leidet. Er hätte ja auch schnellstmöglich zurückkehren können, statt eine ausgiebige Sightseeing-Tour zu machen, um seine Abenteuerlust zu befriedigen.

Fernweh vs. Trennungsschmerz

ich vs. wir

Erlebnishunger vs. (Standort)Treue

Vergnügen vs. Freundschaftspflichten

Abseits der Informationen über fremde Länder hat Felix also eigentlich noch sehr viel mehr Themen im Gepäck.

Seit unserem Baumarktausflugszwischenfall fühle ich mich der kleinen Sophie jedenfalls noch viel stärker verbunden als zuvor.


Wortgeflumselkritzelkram schreibt jede Woche über zumindest ein Buch, das sie gelesen hat („Heute lese ich …„) und ich mache (derzeit vor allem mit Kinderbüchern) mit.

Bei „Heute lese ich …“ beteiligen sich auch
Michaela von Buecherlogie
Regine von Regenbogen und Freudentränen

Veronika von vrojongliert
und Tarlucy

 

Heute lese ich … über das Kaninchenproblem

Wer sich nun auf einen Beitrag über Diskrete Mathematik, die Fibonacci Folge und das (nur scheinbar überschaubare) Populationswachstum von Kaninchen gefreut hat, den muss ich leider enttäuschen. Es wird zwar auch ums Zählen gehen, Fibonacci kommt aber nur in der folgenden Form in meinem heutigen Beitrag vor:


Ein vorösterliches Fibonaccerl (1-1-2-3-5-8-13):

Ostern

Freude

Bunte Farben

Eierschmuck an Palmzweigen

Wir lesen Bücher über Hasen,

die über grüne Rasen rasen und zählen Dinge 

gar nicht mal dumm, so geht die Zeit bis Ostern noch schneller rum

 


Meine große Tochter schwärmt bereits jeden Tag von Ostern. Von früh bis spät erschallen Osterhasenlieder, werden Ostereier und Hasen gemalt oder laut von Schokoladefiguren und Geschenken geträumt.

Gut, der richtige Ostergedanke schwingt noch nicht so sehr mit, aber diese Vorfreude im Frühling erinnert mich an meine Kindheit, Spaziergänge in die Au oder durch kleine Gassen, auf der Suche nach den ersten Blumen in den Gärten oder am Flussufer.

Bereits mehrfach musste ich auch schon eine sinnvolle Erklärung darüber abliefern, warum der Osterhase in der Nacht die Eier versteckt und nicht einfach tagsüber vorbei kommt, damit ihn die Kinder auch sehen und mit ihm spielen können. Hasen sind scheue Tiere, liegen tagsüber geduckt und gut getarnt in Mulden und trauen sich nur nachts heraus. Bei Osterhasen ist das nicht anders – nur falls jemand fragt.

Wir haben jedenfalls wieder ein Hasenbuch ausgegraben, dass im Winter kaum angeschaut wurde, sich nun aber ganz wunderbar für E’s derzeit vorherrschendes Interesse am Abzählen von Dingen eignet:

zwoelfhasen

12 Hasen allein zu Haus – Ein wimmeliger Sachen-Such-Spaß

Wir begleiten das weiße Häschen Sophia einen Tag lang durch und rund um das Hasenhaus. Sie ist auf der Suche nach … Ja, das erfährt man nicht so schnell. Kurze Reime beschreiben, was die Hasenbande gerade tut, vom Frühstück bis zum Schlafengehen.

Im Hasenhaus wohnen insgesamt 12 Hasen, die sich die Zeit mit Rollerfahren, Theaterspielen, Musizieren und anderem vertreiben. Auf jedem Bild wird außerdem nach bestimmten Dingen gefragt, die es zu entdecken und zu zählen gilt.

Man kann das Buch ganz wunderbar

  • mit den Jüngsten nur anschauen
  • den ein bisschen Größeren nur vorlesen
  • oder – in der Maximalvariante – auch noch die Such-und Zählübungen einbinden, die E gerade großen Spaß machen. „Verrat’s nicht!“ ruft sie, wenn sie noch nicht alle gesuchten Gegenstände gefunden hat.

Ein Buch, das wirklich Spaß macht und in dem es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Eine sehr gelungene Mischung aus Bilderbuch und Wimmelbuch mit einem entzückenden Ende.

Ach übrigens, besonders schön ist die letzte Annahme in Fibonaccis Kaninchenvermehrungsproblem. Sie klingt ein bisschen nach Märchen und dem, was wir Sophia und ihrer Hasenbande auch wünschen:

Und sie lebten glücklich bis ans nie kommende Ende ihrer Tage – Happy End!

oder lehrbuchmäßig:

fibonacci-rabbits

 

 

 

 

 

Heute lese ich … Bombastisches

Kelly-Fans aufgepasst!

Was? Die gibt es nicht mehr?!

Wie? Chipsverehrung? – Quatsch!

Wer? Kellys kennt ihr nicht?

Bis heute ist es wohl besser, zu leugnen, sollte man früher ein Fan der Kelly-Family gewesen sein (und nur für das Protokoll der Peinlichkeiten: Ich war KEINER), aber sie hatten ein paar ganz schön(e) kitschige Lieder und eine Kelly hat auch ein ganz wunderbares Buch herausgebracht:

Maite Kelly, Britta Sabbag und Joelle Tourlonias schufen die Figur und das Buch

„Die kleine Hummel Bommel“

Es gibt sogar ein dazu passendes Lied: „Du bist Du

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Die Geschichte handelt – wenig überraschend – von einer kleinen Hummel names Bommel. Sie ist traurig, weil sich die Bienen- und Wespenkinder über ihre kleinen Flügel lustig machen, mit denen sie auf keinen Fall fliegen könne, wie alle meine. Bommel macht sich auf die Suche nach einer Antwort, warum Hummeln so anders sind als die anderen Insekten.

Sie fragt Pastor Fliege, der ihr erklärt, dass man fliegen lernen kann und sie zur Raupe Ricardo schickt, die es als Schmetterling ja auch erst üben muss. Ricardo ist aber gerade dabei sich zu verpuppen und kann auch nicht weiterhelfen. Auch beim den anderen Insekten hat Bommel kein Glück. Gisela Grille aber meint, dass Hummeln mit ihren kleinen Flügeln sehr wohl fliegen könnten, während die Grillen die Flügel nur zum Musizieren verwenden. Erst bei Dr. Weberknecht, von dem sich Bommel eine Portion Mut erhofft, um das Fliegen zu erlernen, geschieht ein kleines Wunder: Dr. Weberknecht meint, er müsse Bommel erst gründlich untersuchen, bevor er Mut verschreiben könne, und lässt die Hummel mit geschlossenen Augen ganz fest mit den Flügeln schlagen. Als Bommel die Augen wieder öffnet, fliegt sie! Den extra Mut braucht die kleine Hummel dann gar nicht mehr, denn den „trägt man (sowieso) ihm Herzen“.

Zuguter Letzt trifft Bommel seinen Freund Ricardo wieder, der inzwischen ein wunderschöner Schmetterling geworden ist und zu Hause erfährt die sie von ihren Eltern, dass Hummeln eben einen besonders großen Körper hätten, um Nektar zu sammeln. Winzige Flügel, ja, aber dafür auch stark.

Ende gut, alles gut.

Persönlicher Eindruck

Hummeln haben Biss.

Ich habe eine bleibende Kindheitserinnerung an diese kleinen dicken Brummer. Ich wurde in jungen Jahren von einer (super großen, aggressiven Kampf)Hummel gebissen und das war – Weichei hin, Jammersuse her – sehr schmerzhaft! Dabei war ich damals sogar im tierschützerischen Auftrage zum Wohle der Insekten unterwegs!

Wie aber hätte ich in jenem zarten Alter ahnen können, dass es Bienenartige gibt, die nicht in Nestern auf Bäumen, sondern in Erdhöhlen auf meiner Spielwiese leben? Noch weniger erschien es mir naheliegend, dass ein Stein am Eingang der Höhle ein gewollter Schutz und nicht ein böser Streich eines widrigen Mitmenschen sein könnte. Dank dieser beiden völlig falschen Einschätzungen beschlossen meine Schwester und ich, den „gefangenen“ Hummeln zu helfen. Meine Schwester – die Heldin – hob den Stein auf …

… und ICH wurde von der Verteidigungs/Türsteherhummel, die aufs Äußerste empört heraus sauste gebissen, da ich mich direkt vor dem Höhleneingang befand.

Seither finde ich Tiere der Gattung Bombus besonders interessant (Know your enemy!).

Die Geschichte der kleinen Hummel Bommel – ein kurzes Lehrstück über Mut, Anderssein, Veränderungen im Leben und sich so zu akzeptieren, wie man ist – fand ich auf jeden Fall sehr gelungen. Begleitet wird das ganze von schönen Bildern, welche die Stimmung ganz wunderbar wiedergeben.

Bei mir hat das Buch einen sehr positiven Eindruck hinterlassen und das, obwohl ich mich für „creepy, crawly things“ nicht so begeistern kann wie englische Kinder (darüber ein anderes Mal mehr). Die einzigen Lektionen, die mich achtbeinige Wesen bisher lehrten, waren das reine Gegenteil von dem, was Dr. Weberknecht der kleinen Hummel verrät. Statt der Erkenntnis, dass Mut im Herzen getragen wird, gelange ich beim Anblick von Spinnen und Weberknechten stets zu der Überzeugung, dass mein Herz nicht immer am rechten Fleck sitzt, sondern zwischendurch auch Mal in die Hose rutschen kann.

Übrigens: Es gibt bereits eine Fortsetzung der Geschichte und eine eigenen Homepage:

http://hummelbommel.de/


Wortgeflumselkritzelkram schreibt jede Woche über zumindest ein Buch, das sie gelesen hat („Heute lese ich …„) und ich mache (derzeit vor allem mit Kinderbüchern) mit.

Inzwischen beteiligen sich bei „Heute lese ich …“ auch
Michaela von Buecherlogie
Regine von Regenbogen und Freudentränen

Veronika von vrojongliert
und Tarlucy