Als Autofahrer unterwegs

noch eine Radiosendung in Österreich war (1957 bis 1999 ausgestrahlt), da gab es noch gar nicht so viele Autos auf unseren Straßen. Und es gab auch noch nicht so viele Straßen, schon gar nicht so breite, gut ausgebaute. Doch auch die Eisenbahn war noch nicht so bequem, das Rauchen im Waggon noch erlaubt und Klimaanlage noch Luxus.

In meinem Bundesland liegt der Durchschnittseinwohner den Politikern wirklich am Herzen. Auf Plakaten wird er darauf aufmerksam gemacht, dass Bewegung gesund ist und man der Umwelt zuliebe nicht so viel Auto fahren soll. Um den Feinstaub und die Lärmbelästigung zu bekämpfen werden Regionalbahnen eingestellt, um die Wirtschaft anzukurbeln die Straßen vor dem Winter noch einmal auf Vordermann gebracht.

Gleichzeitig soll im Sinne der Globalisierung die Mobilität der Eingeborenen (und nur dieser) gefördert werden. Daher heißt es, Umfahrungen, Schnellstraßen und Autobahnverbindungsstücke wie Schwammerl aus dem Boden zu stampfen. Das Bild gefällt mir: „wie Schwammerl aus dem Boden stampfen„. Wer schon einmal beim Ausbessern einer Straße zugesehen hat, weiß, dass dabei sehr gefühlvoll (mit dem Vibrationsstampfer) gestampft wird. Schwammerl schießen? Nein, geschossen wird bei uns nur in den Wäldern, auf führende Bachen (weibliche Wildschweine mit Nachwuchs aber aus Rücksicht auf den Jäger nur 7 Monate im Jahr. Ein völliger Verzicht darauf, Mütter vor den Augen ihrer Kinder zu erlegen, wäre einfach zu grausam. Aber ich schweife ab. Schießen tut der Niederösterreicher (man verzeihe mir die tut-Konstruktion) also am liebsten nur auf unbewaffnetes Wild. Die Schwammerl aber pflückt er oder zerstampft sie, damit sie kein anderer bekommt. „Ätschi, bätschi!“ heißt das in Kindergartensprache. Wir denken ja an unsere Mitmenschen.

Der Politiker denkt vor allem an seine Wähler. Der Wähler möchte nicht einfach nur eine Nummer oder gar nur ein Kreuzerl auf dem Papier sein, sondern als Individuum ernst genommen werden. Die politisch perfekte Lösung: Stelle dem Großteil der Niederösterreicher den Individualverkehr als einzige Option zur Verfügung. Win – win für alle: Autohändler, Erdölindustrie, Straßenbaufirmen, Tankstellenpächter, Carport-und Garagentorverkäufer und viele, viele mehr.

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In der Zeitung habe ich heute beim Durchblättern den Satz gesehen: „Ein Land wie Niederösterreich lebt von Bewegung – und damit auch vom Verkehrsinfarkt„. Beim genaueren Hinsehen entpuppte sich das letzte Wort als Verkehrsinfrastruktur. Ups, ein Versehen.

Oder doch nicht?

Ein Gedanke zu “Als Autofahrer unterwegs

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