How not to – Der Anfängerfehler

Wir haben zwei Töchter. Zwei. Das ist also eine mehr als nur eine. Soweit, so klar, oder?

Neulich, morgens, kurz bevor ich mich mit den Kindern auf den Weg zum Kindergarten machen wollte:

Alle sind entspannt, spielen, lassen sich Bücher vorlesen. Nur ich hetzte ein wenig herum, packe noch Brotdosen ein, räume den Tisch ab und richte mich selbst auch her (was überraschenderweise die meiste Zeit in Anspruch nimmt, dabei laufe ich NICHT halbnackt davon, wenn ich in meine Kleidung schlüpfen sollte, fange KEIN Theater an, wenn ich die Haare bürsten muss und putze mir auch OHNE Fluchtversuche und Mund-nicht-Aufmachen die Zähne).

Die Kinder sind angezogen, sauber (halbwegs – Benchmark sind andere Kindergartenkinder morgens nachdem sie bereits gemalt und herumgetobt haben) und freuen sich auf den Kindergarten.

Alles bestens.

Bis … Ja, bis mein Mann Folgendes sagt:

Z, ich habe DIR ein neues Buch ins Auto gelegt

Allen Mehrkindeltern stockt jetzt vermutlich genauso der Atem wie mir in jenem Moment. Wir erinnern uns an die Anzahl meiner Töchter? Zählen wir noch einmal nach:

Da ist die kleine Z, ihres Zeichens 2 Jahre alt und gerade freudig aufgeregt, weil ihr ein neues Buch versprochen wird. Und dann ist da E, die Vierjährige, die gerade in Tränen ausbricht, weil SIE KEIN Buch bekommen hat.

Ich sage nur so viel: Die nächsten zehn Minuten haben beide Kinder abwechselnd und auch gleichzeitig geweint. Das „neue“ Buch war nämlich ein altes Kleinkinderbuch von E, das nun Z anschauen könnte. E bestand aber sofort darauf, dass das Buch ja IHR gehöre und Z es deshalb auf gar keinen Fall haben dürfe. Z war untröstlich ob des Verlusts einer Sache, die sie noch nicht einmal gehabt hatte, und dann gab es da noch einen Zwischenfall, der eine sehr empörte 4-Jährige und eine gefährlich nahe stehende 2-Jährige (be)traf.

Schweißgebadet, mit verweinten Kindern machte ich mich schließlich auf den Weg.

Ach ja, und bei der Heimfahrt fing das Theater, kaum waren wir beim Auto, von vorne an. Bis ich das Buch konfiszierte. Schließlich habe ICH es ursprünglich gekauft, also darf ICH es mir anschauen. Da waren sie dann baff, die Streithähne.

So, und jetzt entschuldigt mich bitte, ich muss ein Kikaninchen-Buggybuch lesen 🙂

17 Gedanken zu “How not to – Der Anfängerfehler

  1. Tja, wie verletzt E. sein musste, ich kann es verstehen. Das Kind begreift nicht was da passiert. Einfach etwas wegnehmen, verschenken an die kleinere Schwester, die ohnehin, die Aufmerksamkeit stiehlt, obwohl sie – die ältere – zuerst in diesem Verbund war, ist ungehörig. Zutiefst schmerzhaft. Es ist ein Verlust, der nicht verständlich für ein Kind ist. Sie fühlt sich im Nachteil.

    Ein Spielzeug abgeben, wenn es nicht auf freiwilliger Basis geschieht, fördert nicht soziales Verhalten, Gleichberechtigung. Verständnis, Einsicht, Mitgefühl, Achtung, Wertschätzung, Empathie.

    Als Eltern dürfen wir nicht vergessen, wie wir unsere Kindheit erlebt haben. Es geht nicht um die Schuldfrage, was die eigenen Eltern unterlassen haben, oder hätten nicht besser tun sollen. Es geht darum, wie wir uns, unseren Kinder gegenüber verhalten. Dazu müssen wir erst bereit sein – uns – zu reflektieren.

    Wenn uns bewusst ist, dass wir durch einen großen Teil des Nachahmens erziehen, würden wir uns disziplinierter und bedachter einhergehen.

    LG. Hilde

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    1. Danke für deine bedachten Worte. Wir versuchen meist zu respektieren, dass die Kinder nicht ungefragt ihre Sachen teilen oder gar hergeben müssen. Man muss ja auch lernen, dass man das Eigentum anderer nicht einfach haben kann. In diesem Fall hat es wirklich nicht gut geklappt. Es gab da offenbar noch eine Vorgeschichte, bei der die Große der Kleinen gerade ein Buch weggenommen hatte und mein Mann wollte daraufhin die Kleine trösten, aber das ist ziemlich nach hinten losgegangen 😉

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  2. Ich konfisziere auch ständig irgendwelche Spielzeuge und bringe den alten Spruch „Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte“, der mich schon meine ganze Kindheit über begleitet hat… auch ich habe eine Schwester, mit der ich mich viiiiiieeeeeel gestritten habe. Meine Beiden verstehen den Spruch noch nicht (sie sind noch klein: fast 3 und 14 Monate), aber das kommt noch 😉

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