Unbemerkt

Der unbemerkte Beobachter tritt auf. Er beobachtet einen unbemerkten Moment:

Du klagst ganz leise, doch niemanden kümmert dein Sein.

Du erhebst deine Stimme, du fängst an laut zu schrei’n.

Du brüllst aus vollem Halse, lebst nur noch im Schmerz.

Du wirst ganz ruhig, noch schlägt dein Herz.

 

Rettung naht – unbemerkt von Dir:

Ihre Schritte hallen im Flur, sie sind schon ganz nah.

Sie durchsuchen die Räume, kommen näher, sind da.

Sie sprechen so leise, zu fern scheint die Stimme.

Du verstehst sie nicht, dir schwinden die Sinne.

 

Dein Epilog – unbemerkt von der Welt:

Der Trauerzug ist kurz, es schneit an diesem Morgen.

Ich bin nur blasse Erinnerung. War ich jemals frei von Sorgen?

Nun ist es einerlei, zu glauben, zu fürchten, zu wagen!

„Hätte ich freier gelebt!“ hör‘ ich mich viel zu spät klagen.

 

Die Lichter in den Häusern gehen langsam aus,

Die Menschen gehen frierend und schweigend nach Haus.

Ich bleibe hier zurück, bin wieder ganz allein.

Niemanden da draußen kümmert mein Sein.

 

„Unvergessen“ steht auf dem verwitternden Stein.


 

 

 

 

 

 

6 Gedanken zu “Unbemerkt

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