Wer stapft so spät durch Nacht und Wind?

Die neue Aufgabe von Tante Tex für den Story Samstag lautet, einen Text zu schreiben, der mindestens 3 der folgenden Wörter enthält:

  • Nikolaus
  • Assoziation
  • Umfrage
  • Karthago
  • Orchester

Challenge accepted! Challenge wäre ja sicherlich mein zweiter Vorname geworden, wenn es vor *hust hust* Jahren schon in Mode gewesen wäre, Kindern coole fremdsprachige Namen mit ins Leben zu geben. Ist aber nicht passiert. Meine Eltern blieben bei ihrer Vorstellung von hübschen Mädchennamen, aber Herausforderungen liebe ich dennoch.

Was gäbe es also aus M. Mamas Welt Passendes zu berichten? Wenn es auch nicht genau so passiert sein mag, so darf ich wohl ein bisschen dichten:



Irgendwann abends im Wohnzimmer bei M. Mama:

Mama, was heißt assssss…

Bei Mama schrillen alle Alarmglocken. Also nicht so schön und lieblich wie das Salzburger Glockenspiel, das ganz ohne Orchester Melodien von Haydn und Mozart zum Besten geben kann, sondern mehr so wie das schrille Quietschen aus Hitchcocks Psycho bei der berühmten Duschszene.

Ass?“ fragt Mama und überlegt hektisch, ob es sich um einen Fall der sch -> s Verschiebung handelt, die sich hoffentlich noch ohne Logopäden vor dem Schuleintritt der Tochter von selbst erledigen wird. Ein etwas unglücklicher Sprechfehler, der aus dem Busch einen Bus macht und aus der Tasche die Tasse und schon zu allerlei Verwirrung geführt hat. Oder könnte es an der englischen Spielestunde liegen? Worüber sprechen die dort eigentlich? Der Körper war schon einmal ein Thema. Vielleicht ist das ganze doch keine so gute Idee?

Asso… “ versucht es die Dreijährige wieder.

Noch immer keine Beruhigung auf der mamalichen Seite. „Asozial?“ bemüht sie sich das Wort zu vervollständigen. Aber woher könnte das Kind solche Wörter haben?!

Ja, assozia …“ startet das Mädchen erneut einen Versuch.

Wer sagt denn so etwas?“ fragt Mama, nachdem auch der dritte Anlauf im Nichts versandet ist. Mittels detektivischem Spürsinn und etwas Hintergrundinformation lässt sich das richtige Wort vielleicht rascher finden.

Der Papa!“ ruft die Tochter erfreut.

Und schon schallt es durch das Haus „Schatz! Schaatz! Kommst du bitte mal!

Der getreue Gatte eilt herbei, was wohl das Anliegen seiner Liebsten sei. Jene antwortet ihm sogleich, wild gestikulierend und wortreich:

Eine Umfrage im Haushalt“ – sie macht mit den Fingern auffällige Air Quotes und deutet durch Heben des Kinns in Richtung des Kindes, das vor ihr steht – „hat ergeben, dass du irgendetwas von asozial oder so ähnlich gesagt hast?

Was!? Nein!“ empört sich der Herr Gemahl und wird im Gesichte auch gleich recht fahl.

Aber Papa du hast doch gesagt, dass die Lebkuchen bei dir immer Assozia… mit dem Nikolaus hervorrufen?“ belehrt ihn sogleich das empörte Kind. Dass er sich nur ja nicht so einfach aus der Sache rauswind.

Gatte und Gattin lachen erleichtert auf. „Da käme ich ja nie von selbst drauf“ ruft die Mama und erklärt dem Kinde dann sofort, was es auf sich hat mit dem Wort.

Eine Assoziation! Ach so! Das heißt, dass du an etwas Bestimmtes denken musst, wenn du etwas anderes siehst oder auch hörst oder eventuell riechst. Also, der Papa assoziiert Lebkuchen und Lebkuchenduft mit dem Nikolaus. Und … “ Mama schaut sich im Raum um, um noch ein weiteres Beispiel zu finden. Dann zeigt sie auf den großen Stoffelefanten auf der Couch. „Und wenn ich einen Elefanten sehe, muss ich gleich an Hannibal denken. Das war ein Feldherr aus Kathargo. Der ritt auf einem Elefanten über die Alpen nach Rom.

berge-wolken

Das Kind ruft entzückt: „Das will ich auch! Ich bin noch nie auf einem Elefanten geritten, nur einmal auf einem Pferd. Kann ich auch einmal auf einem Elefanten über die Alten reiten?

Die Alpen“ korrigiert die Mama lachend.

Und ich glaube nicht, dass das recht lustig war, insbesonders nicht für die Elefanten“

[von denen nur ein einziger überlebte – das murmelt Mama in ihren, selbstverständlich nicht vorhandenen Bart].

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„Die stapfen nämlich normalerweise nicht tagelang über hohe Berge, schon gar nicht bei Schnee. Da hat es der Nikolaus besser, der ist nur eine einzige Nacht im Jahr unterwegs.“

Was ist ein Feldherr? Ich wäre gerne eine Feldfrau!“ plappert das Kind fröhlich drauf los.

Das erklärt dir der Papa“ meint die Mama und gibt dem Gatten in die Rippen einen sanften Stoß.



So, die Wortbausteine sind verarbeitet, der Grundstein zur geschichtlichen Bildung ist gelegt. Der Papa kann über Taktiken und Phönizier referieren, die Mama zieht sich zum PC zurück, um noch eine schnelle Bloggerübung zu absolvieren:

A car to go to Karthago? Nikolaus schaute sich um. Fragen traute er sich nicht. Jeder kannte sein Gesicht. Aber er war schon alt und am 6. Dezember ist es oft kalt. Apps waren ihm zu modern, er hatte die alten Wunschzettel gern. „Da, horch! Es terrorisiert schon wieder alle!“ dachte er sich grämend. Das Gebrüll seines Gefährten war einfach beschämend. Das Eselchen aber schrie ohne Unterlass. „Oh, tz!“ – „I-A!“ – „Zieh ån!“ rief Nikolaus dann im derbsten Dialekt und klopfte dem Tier auf den Po. „Und jetzt auf nach Karthago!

5 Gedanken zu “Wer stapft so spät durch Nacht und Wind?

  1. Ich fürchte ja, bei Kindern ist „Mit dem Elefanten über die Alten trampeln“ ja kein Versprecher sondern eine Prophezeiung. Da kann man nur hoffen, dass die Kleinen sich am Ende an Hannibal ein Beispiel nehmen, verlieren und ganz am Ende der Geschichte vor den Trümmern ihrer Zukunft stehen, die Mama lächelnd mit Salz bestreut. Wovon bitte sollen Psychotherapeuten sonst leben? Und die Geschichte klingt zu gut, um sie nicht bei einem Freudianer zur Sprache zu bringen. 🙂
    Aber das ist dir gut gelungen. Für mich – obwohl notorischer Schwafler – wäre die Langform zu viel. *g*

    Gefällt 3 Personen

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