Nach dem Motto „Let’s dance“ haben wir heute zu „Heroes“ von David Bowie getanzt. Einfach so, im Wohnzimmer, mit den Kindern – es war wunderbar!

Ich bin ja der „dancing in the dark„-Typ. Leider nicht, weil ich so eine erfreuliche, sich natürlich zu Musik bewegende Erscheinung wie Courteney Cox aka „Monica“ (aus Friends) wäre, sondern vielmehr, weil meine Art des Tanzes noch nie in Mode war und es wohl auch nie sein wird. Ich kann höchstens 2-jährige zu lustigen Verrenkungen und völligen out-of-sync Bewegungen animieren.

Als ich klein war, fanden meine Eltern es entzückend wie ich mich zur Musik bewegte. Unglücklicherweise konnte ich die Technik nie weiterentwickeln, geschweige denn verbessern. In Discos und auf Bällen war ich dann später ein Hingucker. Doch es war nicht Be-, sondern ungläubige Verwunderung, die die Mitmenschen starren ließ. Also tanze ich nur noch im Dunkeln oder zu Hause, solange meine Kinder noch so klein sind, dass es ihnen noch nicht peinlich ist, wenn und vor allem wie die Mama tanzt.

Wikipedia verriet mir, dass es in dem Song „Heroes“ eigentlich um ein Liebespaar und die Berliner Mauer geht. Als nicht-expliziter Bowie Fan wußte ich das nicht, sondern habe der Vorstellung, einen Tag lang Held zu sein, stets politisch kontextfrei in Gedanken nachgehangen. Ohne auf den restlichen Text zu achten, war dieser eine Satz für mich immer ein wunderbarer Anstoß zum Träumen.

Einen Tag lang Held sein!

Vielleicht indem man jemanden rettet, ganz spektakulär, aus einem brennenden Haus, oder ganz lässig im Schwimmbad aus dem tiefen Becken.

Vielleicht geht es auch darum, einen Tag lang ein Superheld, eine Superheldin sein zu dürfen. Man fliegt mit Überlichtgeschwindigkeit dorthin, wo dringend Hilfe benötigt wird und rettet mit ein bißchen eigener Körperkraft und Geistesblitzen, aber vor allem sehr viel magischer Superhelden-Power die Welt. Zum Mittagessen ist man natürlich wieder zurück.

Als Kind und auch noch in meinen frühen 20ern glaubte ich noch, die Welt und all ihre Möglichkeiten lägen mir zu Füßen. Heldentum war gar nicht so abwegig. Ganz große Dinge würden auf mich warten. Alles schien möglich.

Heute weiß ich, dass ich weder als berühmte Staranwältin noch als zweite Jane Goodall in die Geschichtsbücher eingehen werde. Und es macht mir nichts aus. Helden haben sehr viel Verantwortung, stehen unter permanentem Druck. Superheldinnen weinen nicht. Sie lachen aber auch nicht.

Als Mutter fühlt man sich in so vielen Situationen wie ein absoluter Anfänger. Doch wenn meine Kinder in der Nacht nicht schlafen können, ich mich zu ihnen setze, über ihr Haar streiche und beruhigend „Ich bin ja da. Alles ist gut“ flüstere, weiß ich, dass ich zumindest für meine zwei kleinen Töchter manchmal für ein paar Momente die Person bin, in deren Gegenwart sie sich absolut sicher und geborgen fühlen und die alles Böse von ihnen abhalten kann. Und dann fühle ich mich auch ganz kurz ein kleines bißchen wie eine Superheldin – einfach wunderbar!