Horror im eigenen Haus

Als ich noch ein Teenager war („lang, lang ist’s her“ – wie bei der kleinen Raupe Nimmersatt) gab es ein paar Horrorfilme, die man gesehen haben musste, wenn man bei den Schulkollegen mitreden wollte. Und natürlich aus purer Neugierde. Die Altersempfehlungen der Filme ignorierten wir großzügig und irgendwie schaffte man es (in Begleitung älter aussehender Freunde oder angesichts eines völlig gleichgültigen Kartenverkäufers) tatsächlich ins Kino, um sich ordentlich zu gruseln und wochenlang im Dunkeln zu fürchten. Freddy Krueger – Nighmare on Elm Street gehörte dazu und natürlich Poltergeist (alle 3 Teile). Aus heutiger Sicht mögen diese Filme nicht mehr so erschreckend wirken, die Special Effekts erscheinen wohl vor allem retro, aber damals war es für uns der Inbegriff des Grauens schlechthin.

Aus dem Horror wurde blanker Horror. Heutzutage kann ich mir solche Filme einfach nicht mehr ansehen. Wenn ich es schon einmal ins Kino oder zu einem gemütlichen Filmabend zu Hause schaffe, dann bloß nicht, um mich zu erschrecken und geschockt und schlaflos die folgenden Nächte zu verbringen. Die Greuel, von denen man tagtäglich in der Zeitung liest, sind mir Aufregung genug.

Umso schlimmer ist es also, wenn der Horror dann doch zu Hause Einzug hält. Das kam so:

Wir waren gerade aus dem Urlaub zurückgekommen und schliefen erstmals wieder in den eigenen Betten, da wurden wir von einem seltsamen Geräusch aus dem Schlaf gerissen.

„Grrrrrrrrrrrrrrrrr….“ tönte es. Erschrocken suchten wir nach der Ursache und fanden sie schließlich im Badezimmer. Meine elektrische Zahnbürste hatte sich selbst eingeschaltet und war dann durch die Vibrationen umgefallen, um im Waschbecken brummend vor sich hin zu schnurren. Großer Schreck, kleine Ursache. Ich schaltete die Zahnbürste aus und wir legten uns wieder schlafen. Ich hatte mich noch nicht einmal gemütlich in den Polster gekuschelt, fing es wieder zu surren an. Also wieder raus aus den Federn, ins Badezimmer torkeln und die Zahnbürste ausschalten. Beim dritten Mal kam ich auf die wenig glorreiche Idee, das Unding im Alibert zu verstauen. Ein paar Minuten später fing das wild gewordene Plastikdrum an, im Spiegelkasten einen Radau zu machen! Das war noch viel lauter als zuvor. Die ganze Nacht über erwachte die Zahnbürste wieder und wieder zum Leben. Wer da nicht an Poltergeister (oder abgelaufene Garantien) denkt, gell?

Irgendwann in den frühen Morgenstunden erkannte ich dann den einzig möglichen Grund für dieses Phänomen: Die Zahnbürste war zum Zombie mutiert! Nach Bedarf ließ sie sich nämlich nicht mehr einschalten. Das verweigert sie standhaft. Da stellte sie sich tot, tat gar nichts, kein Strom, kein Blinken, kein Lichtchen. Nur in der Nacht, da leuchtete sie hell und grrrrrrrrrrte vor sich hin.

Beim nächsten Vollmond werde ich sie mit ein paar Knoblauchzehen (sicher ist sicher und irgendwie passt das für eine Zahnbürste) auf dem Friedhof der smarten Kuschelhaushaltsgeräte standesgemäß entsorgen. Hoffen wir mal, dass es für mich von dort eine Rückkehr gibt.

8 Gedanken zu “Horror im eigenen Haus

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