Im Regen – ein Schreibspiel

Ein Schreibspiel von Barbara Pachl-Eberhart, auf welches ich über die tausendfältige Myriade (mit ihrem knackigen, aber treffenden Blognamen la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée) gestoßen bin.

10 Minuten, ohne hinzusehen, ohne zu korrigieren, ohne bewußtes Nachdenken einfach nur schreiben, „es prasseln lassen“ – über den Regen.

Ein spannendes Experiment, zu dem mir sofort ein Gedanke oder vielmehr eine Erinnerung kam

Zwischen den Regentropfen

Mein Vater ging immer zu Fuß. Zu Fuß oder per Bahn war er unterwegs. Mit dem Auto fuhr er nur ein paar Mal im Jahr, wenn wir einen Familienausflug irgendwohin machten, wo man öffentlich nicht oder nur schlecht hinkam. Und er ging spazieren. Er ging vormittags spazieren, wenn Wochenende war und er ging abends bis in die Nacht spazieren, wenn Wochentag war. Das tat er auch bei Regen und zwar ohne Schirm. Und das Eigenartige war, dass er dabei kaum nass wurde.

Er sagte uns immer, er würde einfach zwischen den Tropfen hindurch marschieren, ganz gemächlich. Mein Vater ging immer flotten Schrittes, aber er lief nie. Ich denke, ich habe meinen Vater niemals laufen gesehen (also das, was wir in Österreich unter rennen verstehen). Irgendwie schafft er es offenbar wirklich, im Regen dem Regen auszuweichen, denn er kam nur in den allerseltensten Fällen bei Regenwetter durchnässt zurück. Vielleicht kann man zu Fuß seine Wege tatsächlich so wählen, dass man immer ein wenig Unterschlupf findet – unter Bäumen und Dachvorsprüngen. Mir gelang dies radfahrenderweise eher nicht. Wenn es Sommerregen gab, dann garantiert, wenn ich auf dem Drahtesel unterwegs war.

Aber ein Sommerregen hat etwas wunderbar Reinigendes an sich – im wahrsten Sinne des Wortes. Und wenn man auf dem Heimweg in einen Schauer gerät, ist es zu Hause dann umso heimeliger. Raus aus den nassen Klamotten, rein in bequeme trockene Kleidung, ein Getränk nehmen und es sich auf der Couch gemütlich machen, um die Regentropfen zu beobachten wie sie gegen das Fenster klatschen, hinaus zu lauschen in das Prasseln des Regens.

Wie auch immer mein Vater es schaffte, nicht nass zu werden im Regen, mag einen oder einige banale Erklärungen haben. Mir gefällt es jedoch viel besser, es als eines der kleinen Wunder in Erinnerung zu behalten, die die eigenen Eltern so einzigartig machen.

3 Gedanken zu “Im Regen – ein Schreibspiel

  1. „Der Vater, der zwischen den Tropfen ging“ großartig, da lächelt die Muse …. Mir kommt vor, dass das ein richtig inspirierendes Schreibspiel ist, an dem viele ihre Freude haben werden. Schön, dass es dir auch gefällt !

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