Kunst liegt bei uns …

… nicht nur im Auge des Betrachters, sondern auch zu Hauf herum.

Wo auch immer man hinschaut liegen Papierstückchen, bemalt, zerknüllt, zerschnitten, gefaltet, geklebt oder sonst irgendwie ver- oder bearbeitet herum. Es gibt längst keinen einzigen Filzstift mehr, dessen Spitze nicht völlig eingedrückt wäre, da die Kinder offenbar der Meinung sind, man müsse die Farbe mit aller Kraft aus den Dingern herauspressen und noch die Punkti-Punkti-Phase – die gibt der garantiert eindrücksicheren Spitze den Rest. Ich finde nur noch leere Klebebandrollen und stolpere an den unmöglichsten Orten über Kinderscheren, die von der kleinen Z beharrlich „Säge“ genannt werden.

Unsere 2-Jährige hat zur Kunst überhaupt einen sehr interessanten Zugang. Nicht nur, dass sie sich noch gar nicht festgelegt hat, welche ihre bevorzugte Hand ist – sie wechselt mit jeder Farbe gleich auch die Hand – erschafft sie ihre Meisterwerke vor allem über die Benennung: Strichi, Strichi, Punkti, Punkti und dann wird der völlig abstrakten Kritzelei scheinbar willkürlich ein beliebiger Name gegeben, zum Beispiel „Osterhasenschule“ oder „Autobus“. Diese Willkür ist aber eben nur auf den ersten Blick eine solche. In Wirklichkeit werden die Werke stets unter demselben Arbeitstitel wie jener der großen Schwester geschaffen. Z ist nur noch nicht in der naturalistischen Phase angekommen. Die kreative Leistung ist selbstverständlich zu loben, die Frage ist nur:

Wohin mit dem – liebe Kinder entschuldigt den Ausdruck – Zeugs? Oder vielmehr:

Wie lange ist die angemessene Periode, bevor man sich unauffällig der Bilder und Basteleien der Kinder entledigen darf? Also, was ist die grace period bis es legitim ist, nachts aus dem Haus zum Altpapier zu schleichen?

Versteht mich bitte nicht falsch: Zur Erinnerung an diese Lernphasen möchte ich natürlich Zeichnungen aufheben, aber die Ausbeute an der crème de la crème ist bereits so raumfüllend, dass einfach nicht für alles Platz ist im Haus, denn produziert wird hier wie im Akkord. Und wehe, du wirst dabei erwischt, wenn du ein Blatt Papier mit drei färbigen Strichen drauf oder ein paar nassen Flecken (vom Wasserfarbemalen, bei dem die unkonventionelle Methode erst den Pinsel in die Farbe und dann noch mal ordentlich ins Wasserglas eintauchen, angewendet wurde) wegwirfst:

Mama! Wirfst du alle unsere Bilder weg?!“ bekomme ich dann von einer geschockten 4-Jährigen zu hören und die 2-Jährige steht, den Tränen nahe, daneben und starrt ungläubig auf ihre Zeichnung, die noch aus dem Altpapier ragt.

Vielleicht kennt ja auch jemand jemanden, der von jemanden weiß, der autorisiert wäre, Sonderrabatte auf das Museumslager einer Staatsgalerie (oder ähnlichem) zu vergeben?

e2017bigsis
Diese Zeichnung will ich definitiv aufheben – Archiv gesucht!

 

5 Gedanken zu “Kunst liegt bei uns …

  1. Vielleicht könnte ja das MoMA Platz schaffen für wirklich Neues und so Zeug, das älter als 50 Jahre ist, mal ausmisten (den Kandinsky beispielsweise würde ich gegen eine geringe Gebühr komplett übernehmen). Und du könntest die neuen Exponate von E und Z wöchentlich vorstellen – vielleicht in einem neuen Blog: Mein Name sei MoMA 😀

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  2. Ja, ja, ja, das kenne auch ich. Entsorgt wird nur heimlich (und natürlich auch genug aufgehoben).
    Bei den aufzuhebenden Bildern sollte man nur rechtzeitig draufschreiben, welches Kind sie wann gemacht hat (und vielleicht auch vermerken, was dargestellt werden sollte), das ist dann zum 18. Geburtstag (oder zum 30. oder 50. ;-)) bestimmt interessant.

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