Panik in letzter Stunde

Da stand es schwarz auf weiß: Wegen der Katzen würde in einer Stunde das Internet abgedreht. Für immer. Gezeichnet Tante Tex.

Panik!

Es konnte sich nur um einen Komplott der Eichhörnchen handeln, die aus Eifersucht, nicht die Nummer 1 zu sein bei den süßesten, meist geklickten Bildern im Netz, Tante Tex gefangen genommen und zu diesem fatalen Schritt gezwungen hatten.

Aber es war nicht die Zeit zu lamentieren, ob die Nager damit einen Schritt zu weit gehüpft waren. Es war die Zeit zu handeln. Und zwar rasch.

Es verbleiben 58 Minuten bis zum Ende des Internets!

Nachdem ich diesen Gedanken für mindestens weitere 2 Minuten in meinem Hirn, das einem Opossum gleich in Schreckstarre verfallen scheint – vergeblich in seiner Tragweite zu erfassen versuche, beschließe ich spontan eine Liste an Dingen zu erstellen, die noch zu tun sind.

Es verbleiben 55 Minuten bis zum Ende des Internets!

  1. Prüfen, ob ich noch eine funktionierende Schreibmaschine besitze.
  2. Streiche 1), denn Word gibt es ja ohne Internet auch noch. Ich muss dann nur alles ausdrucken und …äh … irgendwie physisch an andere Menschen schicken, also
  3. Druckerpapier und Druckerpatronen online bestellen.
  4. Den Blog auf Brieffreundschaftsbasis umstellen.

Hm, mal sehen, wie wird das ablaufen. Ich schreibe dann also meine Artikel, drucke sie 200 Mal aus, stecke sie in Kuverts, trage sie zur Post, verschicke sie an meine lieben Follower und … Ja, was dann? Die schreiben mir extra Briefe oder Ansichtskarten mit ihren Kommentaren oder wenn es ihnen gefallen hat? Das dauert bis zu einer Woche. Damit ich dann noch zuordnen kann, welchen Artikel sie liken, muss ich wohl Antwortformulare entwerfen und beilegen.

Skizze:

Beitrag X (bitte hier Blogtitel einsetzen) hat mir

a) super gut gefallen, b) gut gefallen c) gefallen d) hatte leider keine Zeit, ihn zu lesen, weil (bitte Grund ergänzen)

Da gibt es dann noch einen Haken. Die Briefmarken sind nicht gratis. Ein Revival der Post steht bevor!

5) Post-Aktien online kaufen

Hm, wenn ich es mir genau überlege, werden sich dann die Gratis-Blogs aber wohl aufhören. Es wird nur noch die Tweets-Briefe von den Superreichen geben. Die It-Girls und Hollywoodmillionäre setzen die Portospesen einfach als Werbekosten ab, sofern sie Steuern zahlen.

Es verbleiben 46 Minuten bis zum Ende des Internets!

Na gut *seufz* radikale Entscheidungen erfordern radikale Schritte:

6) Blog einstampfen

7) Stattdessen lieber ein Buchprojekt-Kick-Off planen: Terminabstimmung der Ghostreiterinnen via Doodle

Hm, gibt es bei Doodle überhaupt ein Zeitlimit unter einer Stunde?

8) Der Realität ins Auge sehen: Die Ghostreiterinnen sind meine Alter-Egos, die werden sich auch ohne Doodle einigen können. Also, adaptiere 7) auf „Autobiografieprojekt planen“

Es verbleiben 40 Minuten bis zum Ende des Internets!

Oh, ich habe meinen Kleiderkasten noch nicht aufgestockt!

9) Online nach Frühjahrs- und Sommermode shoppen!

Das schaffe ich in der kurzen Zeit nie!

10) Streiche 9)

11) Mentales Training fürs Betreten echter enger, heißer Umkleidekabinen im vorstellbar ungünstigsten Scheinwerferlicht und im Angesicht des unvorteilhaftesten Spiegelbildes unter den Augen zahlloser fremder Menschen beginnen.

Ein kurzer Heulkrampf überkommt mich.

Es verbleiben 33 Minuten bis zum Ende des Internets!

Was werde ich in Zukunft lesen, auf dem Weg in die Arbeit? Ah!

12) E-book-Reader einpacken.

Nein, der ist dann ja auch antiquiert sozusagen.

13) Streiche 12)

Vielleicht werden die e-books dafür viel wert und ich werde reich? Auch kein sehr wahrscheinliches Szenario. Also, was noch?

[singe gedankenverloren] No wewewe, my love is gone away, it wasn’t always so, wie werd‘ ich wieder froh?

14) YouTube-Star in letzter Sekunde werden! Nur Schade, dass ich die vielen Klicks dann wohl gar nicht mehr sehen kann. Aber früher hat man diese Likerei auch nicht gebraucht und war auch glücklich. Wie war das nur möglich?! Man war ganz auf sich allein gestellt, hatte man erst einmal das Haus verlassen … Da fällt mir ein

15) Stadtplan und Landkarten kaufen

Mein Smartphone ist dann auch nur noch ein Dummphone. Na super! Ui! Und Teleworking geht dann auch nicht mehr!

16) Wohnung in der Nähe des Arbeitsplatzes suchen

Es verbleiben 22 Minuten bis zum Ende des Internets!

Oh Schreck! Ich muss die Dinge auf der Liste ja noch umsetzen! Jetzt aber nichts wie los …

Es ist 1 Minute nach Ende des Internets

So, von der Liste habe ich nur die Veranlagung meines Vermögens in Aktien geschafft. Post war mir zu teuer, aber Google und YouTube waren richtige Schnäppchen!

Yeah!

Ups!


Ein Beitrag zum Story Samstag von Tante Tex

storysamstag_1

 

 

3 Gedanken zu “Panik in letzter Stunde

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