Von Tieren und Tierchen

Ich mag Tiere und habe sogar mit Regenwürmern Mitleid. Ich würde nie einem Tier absichtlich etwas zuleide tun. Mit Ausnahme von Zecken und Stechmücken – vor diesen Biestern hat nicht einmal mein veganes Gewissen Respekt, wenn sie versuchen mich zu beißen bzw. zu stechen.

Und dann gibt es da noch die Spinnen.

Ich zertrete oder erschlage sie nicht, und ich rücke ihnen ganz sicher nicht mit dem Staubsauger oder irgendwelchen Sprays zu Leibe. Nein, wenn ich eine Spinne sehe denke ich primär an Flucht.

Ich habe nämlich panische Angst vor Spinnen.

Die Schnelligkeit der Tiere und ihre vielen Beine jagen mir allein schon in Gedanken kalte Schauer über den Rücken. Meine größte Angst besteht darin, dass die Spinne mich berühren könnte. Dass sie statt vor mir davon zu laufen, zu mir hinläuft und irgendwie unter meine Kleidung gerät – für mich wäre das ein Super-GAU. Auch die Vorstellung, ich könnte eine an der Wand sitzende Spinne streifen oder sie auf mich herüber springen, wenn ich vorbeigehe, wieder: Super-GAU! Vermutlich sind das Verhaltensmuster, die von den Tieren gar nicht zu erwarten sind, weil die Spinne den Menschen möglichst meidet. Aber so ist es nun einmal mit Phobien: Unverhältnismäßiger Ekel und nackte Panik!

Es ist also völlig unmöglich, dass ich mich größeren Spinnen freiwillig so weit nähere, dass ich ihnen etwas antun könnte. Das will ich auch gar nicht, denn es sind ja sehr nützliche Tiere.

Falls hier Veganer mitlesen: ich halte es für moralisch falsch, Tieren oder Pflanzen einen Nutzen (aus Sicht des Menschen) zuzuschreiben, um ihrem Dasein eine Berechtigung (wieder nur aus Sicht des Menschen) zu geben.

Doch für Spinnen gelten bei mir einfach andere Regeln.

Meine Katze frißt die Biester übrigens nicht. Wozu habe ich die feline Mitbewohnerin eigentlich? 😉

Aber für Katzen gelten natürlich auch andere Regeln.

Von der Phobie zum Phobiechen

Aufgewachsen in einer Wohnung so weit oben in einem Hochhaus, dass man nicht nur eine herrliche Aussicht hatte, sondern fast gänzlich von großen, schweren Achtbeinern verschont blieb, kann ich mich noch an meine erste bewußte Begegnung mit einer Spinne errinnern.

Ich war noch klein – vermutlich ein Kindergartenkind – und gerade vom Spielen von draußen herein gekommen. Ich saß in meinem Zimmer als sich von meinen Stirnfransen eine Spinne vor meinen Augen und direkt auf meine Nase zu abseilte! Ich begann wie am Spieß zu brüllen. Meine Familie stürzte ins Zimmer und fing herzhaft zu lachen an. Die Spinne hatte nämlich die furcherregenden Ausmaße von ein paar Millimetern.

Meine Mutter befreite mich von dem „Monster“ und das Ereignis trug noch lange zur Erheiterung meiner Lieben bei. Für mich aber wurde die Angst vor diesen Tieren troz oder gerade wegen der Reaktion meiner Eltern und meiner großen Schwester zu einem integralen Bestandteil meiner Person.

Woher die panische Angst wirklich rührt, weiß ich nicht. Weder meine Mutter noch meine Schwester haben Angst vor diesen Tieren, und mein Vater hielt sich immer geschickt im Hintergrund, wenn sich ein Achtbeiner in der Wohnung zeigte. Also vielleicht …, aber das wäre reine Spekulation …

In den letzten Jahren hat sich meine Phobie immerhin auf Spinnen ab einer gewissen Größe bzw. Dicke der (gruseligen) 8 Beine reduziert. Das jedoch nur, weil ich durch meinen Umzug aufs Land unfreiwillig an einer Konfrontationstherapie teilnehmen musste und muss. In Garten, Keller, Garage und leider auch manchmal im Wohnbereich trifft man auf Spinnen eines Kalibers, das mir davor völlig unbekannt war.

Wenn man so einem Tier abends auf der Kellerstiege über den Weg läuft, weiß man ja nie, ob es gerade hinauf in die Wohnung oder wieder zurück in einen dunklen Winkel unterwegs ist. Dunkle Winkel sind auch der Ursprung einer Vorstellung, die mich nachts nicht schlafen lässt:

Der transparente Albtraum

Horrorfilme spielen ja gerne außer in abgelegenen Wäldern und Waldhütten in besonders verwinkelten, großen Häusern mit Erkern und ungewöhnlich vielen Türen – richtigen Gruselhäusern.

Doch war wäre wenn man das eigene Haus einmal durchleuchten würde? CT mit Kontrastmittel sozusagen? Alles Getier, das sich in Garage, Keller und ich will gar nicht wissen wo noch, eingenistet hat, leuchtet hell auf!

Da kann jeder andere Horrorfilm-Plot einpacken.

Das Gewusel des Grauens!

Mein arachnophober Albtraum.

Spinnefeind

Der Alltag für Arachnophobiker ist oft schwierig. Mein Mann versteht nicht, dass ich noch nicht einmal Witze über Spinnen lustig finden kann und lässt sich gerne scherzend darüber aus, wem und wie vielen davon er jetzt wohl begegnen wird, wenn er abends noch in seine Werkstatt im Keller geht.

Treffe ich völlig unerwartet und darüberhinaus vielleicht schon müde, unterzuckert oder etwas genervt auf eine kleine Spinne, dann überlasse ich das Spinne-Raustragen dann doch lieber meinem Mann. Je müder ich bin, desto größer der Ekel vor den achtbeinigen Mitbewohnern.

Richtig gelesen: Wir gehören nicht zu jenen resoluten Spinnenhassern wie Dr. Maddox aus Scrubs, die den achtbeinigen Tierchen spinnefeind sind (das Wortspiel musste jetzt einfach sein), sondern wir gehören zu jener Gattung Mensch, die Spinnen mühsam einfängt und dann im Garten wieder ausläßt. Je größer das Tier, desto weiter weg. So lautet zumindest immer meine hysterisch gekreischte Anweisung an meinen Mann, wenn es wieder einmal so weit ist.

Als Arachnophobikerin müsste man vor der Hochzeit eigentlich abklären, dass der Partner keine Angst oder nur geringen Ekel vor Spinnen empfindet. Andernfalls könnte es bei der Begegnung mit einem dieser Tiere zu einer fatalen Patt-Situation kommen. Womöglich wäre es dann der Mensch, der letztendlich den Spinnen das Feld, oder vielmehr das Haus überlassen müsste.

Ich habe schon einmal eine halbe Stunde starr und recht schnell in Angstschweiß gebadet vor einer Spinne gestanden, weil sie ausgerechnet auf dem Türstock saß, durch den ich gehen wollte. Die Spinne hatte den längeren Atem und blieb einfach sitzen. Meine nicht abflauende Panik reichte dann irgendwann aus, dass ich an ihr vorbeisprang, nicht ohne danach einen Veitstanz aufzuführen aus Angst, sie könnte nun irgendwo an mir hängen.

Ist man so einem Tier einmal in den eigenen vier Wänden begegnet setzt sich der Horror im Kopf fort. Entkommt die Spinne, weiß man sicher, dass sie da ist, aber nicht wo sie ist (und auf mich lauert)!

Phobische Next Generation?

Vor Weihnachten schmückte ich unsere Haustüre innen mit Sternen und Christbaumkugeln. Als meine Tochter E vom Kindergarten nach Hause kam hörte ich sie staunend „Uuuuh!“ rufen als sie das Vorzimmer betrat. Ich kümmerte mich noch um die kleine Z und ging dann freudig zu E ins Vorzimmer. „Eine gelungene Überraschung“ dachte ich, bis ich sah, was sie interessiert betrachtete: eine handteller große, fette, braune Spinne neben meinem Weihnachtsschmuck!

Ich erschrak fast zu Tode, brüllte nach meinem Mann, der Gott sei Dank schon zu Hause war und flüchtete in ein anderes Zimmer, hysterisch meine Tochter davor warnend sich dem Tier ja nicht noch weiter zu nähern.

Nachdem mein Mann die Spinne mit einem Glas eingefangen hatte, hörte ich wie er E erlaubte, die Spinne im Glas genau anzusehen.

E ist dieser Moment in Erinnerung geblieben und sie spricht noch manchmal von der „klitzekleinen Spinne“, die auf der Tür saß.

Die Phobie hat also zum Glück vor der nächsten Generation Halt gemacht.