Ich möchte keine Werbung machen, schon gar nicht für Dinge, die (Buch)läden und anderen Geschäften vor Ort das Leben schwer machen. Aber es gibt doch einige wunderbare Entwicklungen auf dieser Welt, z.B. die diskret wegsehende Akzeptanz stillenden Frauen gegenüber in der Öffentlichkeit. Ein Phänomen, das noch vor 30 Jahren keine Selbstverständlichkeit war. Manche Buchläden eignen sich übrigens ganz ausgezeichnet dafür (neben den Cafés, die in den hippen Stadtvierteln an jeder Ecke und dazwischen zu finden sind). Bequeme Sofas, ruhige Atmosphäre, manchmal sogar kleine Getränketheken mit extrem überteuerten bio-Veganer-suitable-Tees-mit-IrgendwasSirup-statt-bösem-Rohrzucker und fair-gepressten Fruchtsäften. Da können sich Mütter und Säuglinge entspannen und ihren Durst löschen. Ob diese, meist in Gruppen auftretenden Stillmütter mit ihren Tragetüchern oder offroad tauglichen Kinderwägen dann auch zum Umsatz des Ladens beitragen, vermag ich nicht zu sagen.

Das Stillen: Aus Gründen der political correctness müsste ich an dieser Stelle vermutlich den Satz „Das muss jede Frau für sich selbst entscheiden“ einfließen lassen. Hätte ich ihn jetzt nicht schon geschrieben, würde ich ihn mir sparen, aus zwei Gründen:

Erstens, jeder Mutter (in unseren Breiten) stehen die Entscheidungen „stillen ja oder nein“ und bis zu welchem Alter des kleinen Lieblings frei und sie wird sie aus medizinischen oder anderen Gründen hoffentlich zu ihrer Zufriedenheit auch treffen (falls Sie anderer Meinung sind, bitte um ein Kommentar).

Zweitens: ich finde das Stillen einfach toll! Ein Segen für Mutter und Kind!

  • Weniger deshalb, weil „man“ (also vor allem Schwangere und Mütter) in jedem Babyratgeber und sogar auf den Muttermilchersatzprodukten nachlesen kann, wie einzigartig Muttermilch sei und wie wertvoll und wichtig sie für den Säugling und seine Entwicklung ist. Warum Firmen, die Babynahrung erzeugen, sogar eigene Stillempfehlungen (siehe Linke unten) veröffentlichen, kann ich nur vermuten: Vielleicht, um auch die stillenden Mütter irgendwie und irgendwann als gutgläubige und gewissensberuhigte Kunden zu gewinnen? Kritik von deren Seite tut sich niemand freiwillig an. Heutzutage brausen shitstorms schnell auf und die Kombination Frau+Hormone+Schlafmangel+Stilldemenz ist meist für die Mitmenschen kein Honiglecken.

Alter Hipp Ernährungsplan

  • Auch nicht wegen der paar IQ-Pünktchen, die der eigene Nachwuchs durch Stillen angeblich gewinnen kann. Förderwürdige Eltern freut es zwar: Das ist ja wie ein Startbonus noch bevor die exklusiven Baby- und Kleinkindkurse den Tagesablauf bestimmen und die elterliche Brieftasche erleichtern.

Muttermilch und IQ

  • Nein, ausschlaggebend für mich ist:

Es ist sooo praktisch! Einkaufen gehen, ein Spaziergang, Besuch bei Freunden? Kein Problem. Es ist immer alles dabei. Kein zusätzlicher Rucksack mit Thermoskanne (im Winter), Milchpulver, Flascherl, ausgekochtem Sauger etc. Kein Nachdenken, ob wirklich alles eingepackt ist. Stillshirt anziehen, Baby schnappen. Los geht’s.

Und es ist eine wunderbare Erfahrung und einzigartige Beziehung, die es nur für begrenzte Zeit gibt. Nur zwischen Mutter und Kind. Väter können da nicht mithalten. Und auch nicht die Schwiegermutter, die sonst immer alles besser wüsste in der Kindererziehung.

Klar, es hat den Nachteil, dass es eben ohne Mutter nicht geht oder nur über Umwege. Aber das ist der Preis für ein Privileg in den ersten Monaten.

Und es hat einen großen Vorteil gegenüber dem Füttern mit der Flasche: Eine Hand ist die ganze Zeit frei! Also bei mir ist es zumindest so, dass Flascherlgeben beider Arme und Hände bedarf: Auf einem Arm liegt der kleine Schatz, in der anderen Hand halte ich das Flascherl. Und wie liest man dann das e-book? Das bringt mich auf das L im Titel.

Bei Tochter Nr. 1 hatte ich noch keinen e-book Reader. Echte Bücher wälzen, während der Nachwuchs selig an der Brust trinkt und danach auf dem Arm gleich weiter schlafen will? Keine leichte Sache. Spätestens beim Umblättern meckert das Baby, weil es nicht in Ruhe schlummern darf. Das bremst das Lesetempo natürlich enorm.

Und bitte keine Vorwürfe, weil ich die Empfehlung, beim Stillen solle man sich nur auf das Kind konzentrieren, ignoriere. Vor dem ersten Kind hatte ich mir das ja auch so vorgestellt: Ich stille und freue mich über mein Baby. Dauert ja laut „Drehbuch“ nur 20 Minuten und das alle 4 Stunden. Kein Problem! In der Realität angekommen, mit einem Baby, das sein Gitterbett offenbar hasste und nur an Mamas Brust schlafen wollte, sah die Sache dann anders aus. Zu meiner Ehrrettung: Ich schaue keine Fernsehsendungen, Filme oder Serien. Ob die Fernsehabstinenz auch auf Dokus anzuwenden ist, sollte diskutiert werden. Aber in meinem Fall ist es egal, denn von meinem Stillsessel aus sehe ich gar nicht auf den Fernseher. Also sitze ich oft, sehr oft einfach nur da, denke nach, schaue aus dem Fenster (in sternenklaren Nächten kann ich die Wanderung des Orion wunderbar beobachten – also, eigentlich wie sich die Erde dreht) und tue nichts nebenbei, weil ich sowieso zu müde bin und mein Tablet gar nicht zur Hand habe (das passiert mir leider immer wieder!). Oder aber, weil das Nichtstunkönnen/dürfen/müssen ein wahrer Luxus ist. Auf jeden Fall ist das nichts für mich, die vielen Stunden, die ich im Stillsessel verbringe, immer nur tatenlos dazusitzen. Da können die Experten und Supermütter in den Elternzeitschriften/foren/ratgebern noch so viele Weisheiten von sich geben. Ich brauche auch Mal ein bißchen Ablenkung und Lesen ist doch nur das Zur-Verfügung-gestellt-Bekommen eines Plots für die Phantasie. Film im Kopf.

Bei Tochter Nr. 2 konnte ich dank e-book Reader nun zumindest in den ersten Monaten einige Bücher von Anfang bis Ende lesen, mit einer Hand, neben dem Stillen! Und Z hat es gar nicht gestört. Dem Kindle(in) sei Dank! Jetzt ist Z bereits so wachsam und neugierig, dass sie es öfters bemerkt, wenn ich zum kleinen Tablet greifen will. Selbst wenn ich es nur auf mein Knie lege, bekommt sie es mit, dreht sich um und möchte das schwarze Ding gerne untersuchen. Die Zeiten trauter Zweisamkeit gehen zu Ende.

Schön war es mit dir, kindle! Wir haben viel gemeinsam erlebt. Danke!