Neulich las ich das Wort „überindividualisiert“. Eine Bezeichnung, die das Verhalten der jungen Generationen erklären könnte. Ich nickte innerlich.

Zu meiner Zeit war man noch dem steten „man“ ausgesetzt. „Das tut man nicht!„, „Das darf man nicht!“ und „Das gehört sich nicht!“ war die automatische Reaktion auf ein Verhalten, das nicht erwünscht war und somit zu unterlassen war. Irgendwann spielte sich die Schallplatte von selbst im Kopf ab: „…tut man nicht … tut man nicht …“ Es prägte sich ein, auch wenn man es nicht immer befolgte. Aber man wusste, was man eigentlich hätte tun müssen, was allgemein erwartet wurde.

Heutzutage wird weitestgehend auf das „man“ in der Erziehung verzichtet. Dem Kind wird erklärt, dass Mama oder Papa ein bestimmtes Verhalten nicht mögen oder dass Y traurig ist, wenn das Kind x tut. Es wird geredet und geredet und die Kinder wissen zwar rasch, was die Eltern nicht gerne sehen wollen und was sie auf die Palme bringt. Was sie dabei nicht mehr unbedingt lernen ist, dass es Übereinkünfte geben muss in einer Gesellschaft, damit diese funktionieren kann.

Für das Kind geht es natürlich immer ums Ich. Auch für den Erwachsenen geht es in erster Linie um das Ich und dann noch die Seinigen, aber Solidarität, Respekt, Höflichkeit und noch so einiges bleiben irgendwo auf der Strecke. Die eigenen Wünsche stehen uneingeschränkt ständig im Mittelpunkt. Alle anderen verkommen zu Statisten, Handlangern oder Störfaktoren. So scheint es mir zumindest manchmal.

Das veraltete „man“ der Erziehung waren die zum Teil ungeschriebenen Gesetze des Zusammenlebens. Dass sie heute nur mehr rudimentär befolgt werden, erlebt man täglich. Jeder ist sich selbst der Nächste und der Nächste wird so gut es geht geschnitten, übergangen oder ignoriert. Die Masse aus Individualisten wird stetig größer und viele junge Leute interessiert nur noch, welchen Vorteil sie aus einer Handlung haben oder nicht.

Ist es nur ein Zerrspiegel, wenn man das Gefühl hat, dass es statt Teamplayern nur noch Egoshooter gibt? Ich hoffe es.