Story-Samstag: Märchenhaft tierisch? (Teil 1)

Zur Fortsetzungsgeschichte von Märchen hat Tante Tex am Storysamstag aufgerufen. Nun denn: Es waren einmal …

… drei kleine Schweinchen, wie wohl allen oder zumindest den meisten bekannt ist.

Das erste Schweinchen war bequem und baute sich ein Haus aus Stroh, weil das schnell geht. Ein Wolf kam des Weges und pustete das Haus einfach um. Dieses Schweinchen war leichte Beute. Das zweite Schweinchen baute sich ein Haus aus Holz, weil das auch rasch gezimmert werden konnte. Der noch immer hungrige Wolf holte noch etwas tiefer Luft und pustete auch das Holzhaus um. Nur das steinerne Häuschen des dritten Schweines hielt dem Wolf und seinem fürchterlichen Atem stand. Als er daraufhin durch den Schornstein ins Haus gelangen wollte, landete er im Kessel über dem Feuer. Ende gut? Nicht alles gut. Immerhin kamen zwei Schweinchen und der Wolf tragisch ums Leben.

Anmerkung für Tierfreunde: Die Geschichte wurde mittlerweile entschärft und es gibt die Version der flüchtenden Schweinchen und des (durch den heißen Rauch nur) vertriebenen Wolfes. Die reale Welt ist ja wirklich schlimm genug, da brauchen wir das Gemetzel nicht auch noch in den Kindergeschichten, gell? Aber heute bleiben wir trotzdem bei der Originalversion.

Der Wolf war also tot.

Und nur ein Schweinchen hatte überlebt.

Das Wolfsrudel, das zu Hause gierig auf den Schweinebraten wartete, war hungrig und daher sehr schlecht gelaunt. Als die Wölfe erfuhren, was ihrem Kollegen passiert war, kippte die Stimmung vollends:

Wir werden uns in die Geschichtsbücher schreiben, wie kein anderes Raubtier je zuvor!

rief ihr Anführer.

Wir werden nicht nur Schweine fressen, auch Geißlein und Großmütter und Mädchen mitsamt der Kappe!

So sprachen sie hitzig und liefen zu den Gebrüdern Grimm, um ihren Anspruch auf den Titel „böser Wolf“ sofort anzumelden. Die Brüder trauten sich angesichts der aufgeheizten Stimmung unter den wilden Tiere nicht Nein zu sagen, konnten die Wölfe aber davon abhalten, die schrecklichen Taten zu begehen. Stattdessen würde sie die Geschichten davon verbreiten. Alle Welt sollte von ihren angeblichen Taten erfahren. Fortan würde der Wolf gefürchtet werden.

In ihrer Aufregung achteten die Wölfe jedoch nicht darauf, welches Ende die beiden schlauen Brüdern den Geschichten gaben. Dass es für sie weder bei den sieben Geißlein, noch beim Rotkäppchen ein Happy End gab, fiel den aufgeregten Wölfen gar nicht auf. Sie waren berühmte und coole Bösewichte, das war alles, was zählte.

Leider glaubten die Menschen die Geschichten tatsächlich und betrachteten die Wölfe daher als große Gefahr, die es auszurotten galt.

Derweilen führte das dritte Schweinchen ein glückliches Leben in seinem Steinhaus. Eines Tages fand es eine gar hübsche Sau und wie sie so klimperte mit ihren Miss Piggy Wimpern, waren auch schon die kleinen Ferkel unterwegs. Unter den Nachkommen aber fanden sich der eine oder andere, der den Widerstand des Vaters fortführen wollte. Einer nannte sich wie ein französischer Kaiser, der sich einst selbst gekrönt hat, und zog nach England auf eine Animal Farm. Eine seiner Schwestern gründete ebenfalls in England eine große Familie. Ihre Ururururenkelin wurde Peppa gennant und machte Fernsehkarriere.

Da die Familienmitglieder darauf vertrauten, dass Steinhäuser immer Gutes bedeuten würden, ließen sie sich widerstandslos von den Menschen darin einsperren. Die Menschen aber war gierig und ersannen Wege und Mittel, wie sie noch mehr Schweine auf noch weniger Raum unterbringen konnte. So wurde aus dem Segen für die Schweine letztendlich ein unseliger Fluch.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann jagen die Menschen noch heute Wölfe und pferchen Schweine in viel zu enge Ställe.


So, nachdem dieses Ende zwar wohl so wahr ist wie der Kern aller Märchen, aber gar nicht – wie ursprünglich beabsichtigt – fröhlich, schauen wir beim nächsten Mal kurz über den Buchrücken zu Andersens Däumelinchen und den Tieren dort. Da wären eine Schwalbe, eine kupplerische Maus, ein heiratswütiger Maulwurf und natürlich Mutter Kröte mit ihrem dummen, häßlichen Sohn. Aber davon mehr, wenn es märchenhaft tierirsch wieder heißt: 

Und wenn sie nicht gestorben sind …

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