Schulmedizin vs. alternative Heilmethoden – ich war letzteren immer etwas skeptisch gegenüber eingestellt, auch wenn ich weder die schulmedizinischen Ansätze und schon gar nicht die dahinter stehende Lobby vorbehaltlos unterstützen würde. Dennoch, als wissenschaftsgläubiger Mensch denke ich, dass viele Errungenschaften in Bezug auf unsere Lebensqualität unter anderem auch jenen der Medizin geschuldet sind. Also der Schulmedizin, nicht all den fantasiebegabten Menschen, die z.B. durch ins Wasser gelegte Steine oder vergoldete Pyramiden nebulöse Heilkräfte freisetzen und manch arglosem Kranken zwar nicht seine Beschwerden, jedoch sein schwer verdientes Geld abnehmen.

Das Spektrum der Alternativmedizin ist auf jeden Fall sehr, sehr breit. Vieles mag auch wirklich hilfreich sein, und nicht jedes Präparate hilft jedem Menschen in gleicher Weise oder überhaupt. Dinge wie belebtes Wasser und Homöopathie sind mir dennoch äußerst suspekt. Ihre Wirkweise will sich mir in der Theorie einfach nicht offenbaren. Wenn ich auf einem Flughafen zu meinem check-in Schalter hetzend mit jemanden zusammenstoße und dieser jemand ist – sagen wir – ein Pilot, dann kann ich deshalb danach auch noch kein Flugzeug lenken. Duh!

Globuli kenne ich ja sogar noch aus der eigenen Kindheit. Doch heutzutage gibt es die kleinen Kügelchen wirklich schon für oder gegen alles, Liebeskummer, Heißhunger und Schnarchen inklusive! Diese Anwendbarkeit auf jeden Lebensbereich erinnert mich an die wahrhaftig unglaublichen Leistungen von Dingen, die in 24-Stunden-Werbesendungen von besonders glaubwürdigen Menschen – immer bestätigt durch ebenso glaubwürdige ehemals völlig verzweifelte Hausfrauen, super ungeschickte Heimwerker und ganz plötzlich nicht mehr schwer Übergewichtige – verkauft werden.

Das Studium der Vielfalt der Anwendungsgebiete kann ich in der Schnupfenzeit als Ablenkung während des Schlangestehens am Apothekenschalter nur empfehlen. In den meisten Apotheken gibt es ja mittlererweile große, wirklich große beschriftete Schränke oder riesige Glasvitrinen, in denen die Vielfalt an Wunderkugerln verstaut oder eben offen und für alle gut sichtbar feilgeboten wird. Während ich die Liste von A bis Z Wehwehchen für Wehwehchen durchlas, mir also die Globuli sozusagen mental auf der Zunge zergehen ließ, musste ich wiederholt laut auflachen. Zum Glück war es mir nicht sonderlich peinlich, dass sich alsbald Angestellte und säuerlich dreinschauende Mitmenschen vor und hinter mir in der Warteschlange verwundert zu mir umdrehten, um dann kopfschüttelnd wieder den Blick abzuwenden. Mir war jede Ablenkung vom schier unendlich langen Warten in der Schlange recht.

Irgendwie verzerrt Warten nicht nur das Zeitgefühl, man landet darüberhinaus sowieso immer ausgerechnet an jenem Schalter, an dem vor einem nur Leute stehen, die aus dem Werbespruch „Bitte beachten sie den Beipacktext oder fragen sie ihren Arzt oder Apotheker“ nur den letzten Teil verstehen. Was glauben diese nie-ihre-Brille-dabei-Habenden oder gar heimlichen funktionalen Analphabeten denn eigentlich, wozu die Beipacktexte so ausführlich und deppensicher geschrieben werden? Nur damit man den Blister wegen dem blöden, zusammengefalteten Zettel in der Schachtel nur mühsam wieder in den Karton zurückschieben kann?! Dann gibt es noch die Leute, die glauben, ein Rezept könne dem Pharmazeuten nur dann sinnvoll ausgehändigt werden, wenn es von einem mündlichen, detailgetreuen Bericht der eigenen Leidensgeschichte begleitet wird. Nachdem die Schilderung der Beschwerden wegen ihrer unappetitlichen Seiten schon im Wartezimmer des Arztes und dann im Ordinationszimmer beim Herrn Doktor selbst eine richtige Erfolgsstory war, muss sie nochmals mit allen Farb- und Konsistenzbeschreibungen vor ca. 20 wartenden Mitmenschen dem Apotheker zum Besten gegeben werden. Like-fishing offline sozusagen.

Ich war also bemüht, mich auf die lange Aufzählung der Globuli-Anwendungsfälle zu konzentrieren, um möglichst wenig vom Privatleben der anderen Apothekenkunden erfahren zu müssen und war gerade erst bei der Kategorie „P bis Q“ angelangt, welche mir schon angesichts der Klasseneinteilung „P BIS Q“ äußerst lustig erschien. Da gibt es ja nichts dazwischen, worauf nur bezog sich dann das „bis“? Nach einem erneuten lauten Schmunzeln meinerseits traten plötzlich die noch vor mir Wartenden etwas verängstigt zur Seite – sie taten dies geschlossen, als würde sich eine Wand vor mir auftun – und ihr ungekürter „Sprecher“ fragte mich übervorsichtig, ob ich nicht vielleicht vorgehen wollte.

Ha! Da hatten die Globuli sogar beim Phänomen „ungeduldiges Warten in der Schlange“ geholfen! Das war noch nicht einmal auf der Liste zu finden. Das habe ich dann noch schnell unter „U“ gecheckt.

1:0 für die Globuli!

Übrigens: Es gibt ganz offensichtlich noch eine Kategorie Leute in den Warteschlangen vor den Apothekerschaltern. Nämlich jene, die womöglich nicht alle Tassen im Schrank haben und einfach so periodisch scheinbar grundloc lauthals lachen. Aber diese Geschichte muss jemand anderer erzählen …