Christiane hat die folgenden Wörter zur Auswahl für die abc-Etüden ausgegeben

Berliner, Bleiklumpen, Christbaumständer, Karpfen, Kuss, Heuchelei, Hoffnung, Neujahrsläuten, Notaufnahme, Rauhnächte, Vorsätze, Wunderkerze

Nun denn, das neue Jahr steht vor der Tür und die Sorgen des alten wollen nicht immer mit hinübergenommen werden. 

2017 weihnachten neujahr 2 lz | 365tageasatzaday


In den Rauhnächten dürfe keine Wäsche aufgehängt werden, so erklärte es uns meine Großmutter und schickte noch ein lapidares „sonst stirbt jemand!“ hinterher. Noch Jahre nachdem sie verstorben war, war ich peinlich darauf bedacht, nicht ausgerechnet an den Weihnachtsfeiertagen zu waschen.

Sicher ist sicher, obwohl irgendwer stirbt ja immer, oder nicht?

In der Notaufnahme im Krankenhaus ist gerade in den letzten Nächten des alten und den ersten Nächten des neuen Jahres viel los – gute Vorsätze unter Verbrechern hin, seltenes Glück für Verzweifelte her.

Ausgerechnet in dem Moment, als das Neujahrsläuten der Pummerin im Radio übertragen wurde und der Berliner Friedrich Kleinschmoll von seinem Hotelzimmer aus mit Tränen in den Augen auf den Stephansdom im Herzen Wiens starrte, störte flackerndes Blaulicht seine stille Rückschau auf ein sehr einsames Leben.

Die Sirenen waren so laut, dass er sie trotz der Knallereien und dem tiefen „Bimm, bamm“ der Glocke hören konnte.

Das blinkende, blaue Licht spiegelte sich in den Fensterscheiben, also streifte er verärgert die Schlinge von seinem Hals und stieg von dem Sessel herunter, den er schon am frühen Abend ans Fenster unter die Vorhangstange geschoben hatte.

Nein, das hatte er nicht eingeplant gehabt, dass er irgendetwas anderes als ein leuchtendes Feuerwerk über sich und die Menschenmassen, die er sehnlichst fliehen wollte, unter sich haben würde, in seinem letzten, großen Moment.

Welcher Idiot hatte sich denn gerade jetzt beim Bleigießen verbrennen oder am Lachs ganz fürchterlich verschlucken müssen, jetzt, wo er sich endlich dazu durchgerungen hatte, dass es für ihn auf dieser Welt keine Hoffnung und schon gar keine Rettung mehr gab? Das konnte doch nur ein zynischer Scherz seines Schicksals sein, in diesem Augenblick eine „Rettung“ vor dem Hotel vorfahren zu lassen!