Story Samstag: Hand-Schrift-Wort

Tante Tex hat beim letzten Story Samstag dazu aufgerufen, Handschriftliches abzuliefern oder sich getippte Gedanken über das Kulturgut Handschrift zu machen.

Wenn ich etwas lernen muss, dann schreibe ich gerne die wichtigsten Punkte zusammen, kritzle nebenbei auf einem Block herum oder unterstreiche zumindest wichtige Stellen. So geht mir der Lernstoff in Fleisch und Blut über. Nur dumm, dass ich es nicht ausstehen kann, Bücher nochmals lesen zu müssen, in denen ich zuvor Anmerkungen und Hervorhebungen gemacht habe. Das lenkt ja viel zu sehr ab vom Stoff ab, der beim neuerlichen Lesen vielleicht anders wahrgenommen werden könnte, bis dahin unbemerkte Aspekte offenbaren würde. Und alle Bücher mehrfach kaufen ist auch keine Option.

Mit diesem ewigen Dilemma im Gepäck mache ich mich auf den Weg zu Papier und Stift.

Kultur gut, selbst schreiben besser. Oder so ähnlich hieß die Vorgabe.

Das Pärchen Hand-Schrift gehört zusammen wie Jacke und Hose. Die frühe Begeisterung, sich über Handschriftliches mitteilen zu können, darf ich derzeit an meinen Kindern beobachten.

Die 2-Jährige hat sich noch nicht einmal auf ihre bevorzugte Hand festgelegt: Die rechte Seite des Blattes wird mit dem Stift in der rechten Hand bemalt, die linke Seite mit dem anderen Stift in der linken Hand. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie sich auf diese Art nicht nur für eine Farbe entscheiden muss und wozu hat man schließlich zwei Hände!

E kritzelt mit ihren fast 4 Jahren die Blätter fleißig mit Mustern voll und lässt sich (gelegentlich) Worte vorschreiben, um die dann teilweise nachzumachen. Meist aber sagt sie: „Ich kann es schon schreiben“ und malt dann Kringel und Zacken.

Es erinnert mich wieder daran, dass es einst großer Anstrengung bedurfte, um das Schreiben richtig zu erlernen (sogar in welcher Richtung die Buchstaben zu zeichnen sind!). Eine Anstrengung, die unter Freiwilligkeit mit großem Eifer unternommen wird. Immerhin der eigene Name wurde bereits gemeistert. Bei uns häufen sich derzeit daher die handsignierten Kunstwerke.

Geschuldet meiner seherischen Fähigkeit schreibe ich selbst leider immer seltener mit der Hand. Nicht, weil ich schon im vorhinein alles wüsste und es daher nicht aufzuschreiben brauche, sondern weil ich es im Nachhinein nur schwer lesen kann, tippen viel schneller geht und der Abstand Papier zu Auge meiner Weitsichtigkeit nicht entgegenkommt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Bitte keine Bemerkungen bezüglich Alterserscheinung! Vor meinen Augen erscheinen die Sachen nämlich überhaupt nicht mehr so wie sie sollen, sondern höchstens leicht verschwommen. In der Ferne sehe ich daher schon eine Lesebrille auf mich zukommen.

Jetzt aber  …

hand-schrift-wort

Um Graphologen zu verwirren, bin ich über meinen eigenen Schatten gesprungen und habe ein Herz eingefügt, obwohl ich gezeichnete Herzen recht kitschig finde, aber es bot sich gerade so schön an

Über mein graphologies.de Ergebnis muss ich übrigens noch immer lachen. Passt wie der Deckel auf jeden beliebigen Topf aus der gleichen Serie. Als nächstes muss ich mein Horoskop lesen, da finden sich vermutlich genau so viele zufällige Übereinstimmungen wie Abweichungen zu meiner Person 😉

Als kleine Draufgabe noch ein Werk meiner kleinen Großen – der Notenschlüssel als Auftakt zur eigenen Handschrift

e-notenschluessel


Ein Beitrag zum

storysamstag_1

2 Gedanken zu “Story Samstag: Hand-Schrift-Wort

  1. „Nur dumm, dass ich es nicht ausstehen kann, Bücher nochmals lesen zu müssen, in denen ich zuvor Anmerkungen und Hervorhebungen gemacht habe. Das lenkt ja viel zu sehr ab vom Stoff ab, der beim neuerlichen Lesen vielleicht anders wahrgenommen werden könnte, bis dahin unbemerkte Aspekte offenbaren würde. Und alle Bücher mehrfach kaufen ist auch keine Option.“

    Es hat Jahre gedauert bis ich überhaupt Markierungen vorgenommen habe. Dann dünn, ephemeral (ich erkläre das für Deutsch), und schemenhaft. Es mag dem Erfassen gedient haben, nicht aber dem Wiederfinden von Passagen und Zusammenhängen. Mittlerweile bin ich bei deutlicherem Bleistift. Fountain pen (ich erkläre „Füller“ für armselig) geht mir durch den Kopf. Mein Verstand sollte von Dauer sein, dann auch meine Gedanken. Ich ringe sowohl vollends mit dem was du da geschrieben hast (du bist bemerkenswert, Em), als auch mit der Ästhetik von Büchern, und der Körperlichkeit von Wissen.

    Gefällt 1 Person

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