Falsch verbunden

Manche Freundschaften überdauern Jahrzehnte, andere halten gerade einmal ein paar Tage oder Wochen (wobei vermutlich die Definition von Freundschaft zu klären wäre, aber das spare ich mir jetzt einfach). Auch wenn man sich nicht mehr täglich oder zumindest sehr regelmäßig sieht, so fühlt man sich in der Gesellschaft von guten Freunden doch meist sofort wieder wohl und gut aufgehoben. Man kann über alte, gemeinsam erlebte Geschichten lachen und weiß bei einigen Dingen schon, wie der andere reagieren wird. Vertrautheit.

Manchen Menschen bleibt man auch sehr lange verbunden, selbst dann, wenn (oder ist es deswegen, weil?), man sie gar nicht mehr trifft. In einem flüchtigen Bekannten, einem Seminarkollegen kann man einen Seelenverwandten finden. Man ist sich von Anfang an sympathisch, doch es wird keine bleibende Freundschaft daraus. Aus den verschiedensten Gründen trennen sich die Wege schnell wieder und doch trägt man die  Erinnerung an die kurze Zeit des Miteinanders über Jahre hinweg an einem besonderen Platz im Herzen.

Wie erschreckend ist es jedoch, wenn man feststellt, dass ein ehemaliger bester Freund zum Fremden geworden ist? Man sich außer einem erfreuten „Hallo, wie geht’s?“ gar nichts mehr zu sagen hat?

Menschen verändern sich. Werte werden gefunden, sorgsam getragen und gepflegt und irgendwann auch wieder abgelegt. So soll es auch sein.

Und manche Menschen sind uns ein Leben lang verbunden. Sie tauchen immer wieder in unserem Leben auf, obwohl man das gar nicht will.

 

5 Gedanken zu “Falsch verbunden

  1. Sehr treffend beobachtet und formuliert, gerade die Sache mit den Seelenverwandten trotz kurzer Bekanntschaft. Man denkt in unregelmäßigen Abständen an diese Menschen, was meistens ein bisschen melancholisch, aber auch schön ist. 🙂

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  2. „Wie erschreckend ist es jedoch, wenn man feststellt, dass ein ehemaliger bester Freund zum Fremden geworden ist? Man sich außer einem erfreuten “Hallo, wie geht’s?” gar nichts mehr zu sagen hat?“

    Warum, weil es offenbart, dass Menschen austauschbar sind, dass man andere zur Erfüllung vorübergehender Zwecke wählt, dass man in der Sache einer Täuschung unterliegt, und ihr immer wieder anheim fällt? Der Umstand, dass man andere so behandelt, oder die Möglichkeit, dass man von anderen so behandelt – und gesehen wird – womöglich in diesem Moment? Oder die Möglichkeit – die Furcht – dass es kein festes Selbst gibt, dass man vergänglich ist, sich fortlaufend verliert, oder nie findet. In allem, das Fehlen von Wahrheit.

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  3. Tja…Freundschaften… Ganz merkwürdig und teilweise auch verletzend, wenn Freundschaften ohne ersichtlichen oder kommunizierten Grund zerbrechen oder einfach aufhören zu existieren. Man fragt sich dann jahrelang, was passiert ist oder woran es gelegen hat. Und man bekommt keine Antwort. Schrecklich.

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  4. Ich habe genau das auch schon erlebt, man fragt sich was war da mal? Noch schlimmer, eine alte Liebe zu treffen und unendlich dankbar zu sein, dass nichts daraus wurde und es dir ein wenig peinlich ist, dass es sie je gab.

    Aber insgesamt ist es wohl ein Zeichen von persönlicher Entwicklung und von alter Haut abstreifen.
    Liebste Grüße Ela

    .

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  5. Und so traurig manches Freundschaftsende ist, in den meisten Fällen ist es ein gutes Zeichen, weil man sich selbst weiterentwickelt hat – in eine Richtung, die okay ist. Sonst hätte der Freund in den meisten Fällen mit einem ordentlichen Arschtritt geholfen.

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